Duisburg: Kirchenaustritte auf hohem Niveau

Duisburg : Kirchenaustritte auf hohem Niveau

Erstmals weniger als 25.000 Katholiken in der Süd-Pfarrei. Auch die evangelische Kirche hat mit Austritten zu kämpfen. Hauptgründe sind die Steuern und die Entfremdung von der Institution Kirche.

"Ich glaube." Das, so sagt der Duisburger Nico Weber, sei der erste und wichtigste Grund, weshalb er auf keinen Fall aus der katholischen Kirche austreten will. Im Bistum Essen, und auch in der Pfarrei Judas Thaddäus, stehen nicht alle Katholiken mit so eisernem Glauben hinter der Institution Kirche. 2016 zählte das Bistum 782.453 Gläubige, 2025 sollen es noch 685.000 sein. Der Schwund liegt nicht zuletzt an der konstant hohen Zahl der Kirchenaustritte, 4304 waren es 2016. Die Südpfarrei St. Judas Thaddäus hat dazu 148 Austritte beigetragen, immerhin eine Verbesserung im Vergleich zu den 199 Austritten 2015. Im Gegenzug hatte die Großpfarrei im Süden 2016 aber bloß neun Wiederaufnahmen zu verzeichnen - und einen einzigen Eintritt nach einer Taufe.

Die Suche nach Gründen ist ebenso vielfältig wie schwierig. Der Wunsch, die Kirchensteuer einzusparen, sei häufig der Stein des Anstoßes, erklärt Ulrich Lota vom Presseamt des Bistums. In der Altersklasse 20 bis 40, die die meisten Austritte zu verzeichnen hat, sei aber die Entfremdung von der Institution die häufigste Austrittsursache. "Die können mit uns nichts mehr anfangen", so Lota.

Gegenmaßnahmen werden im Bistum längst ausgelotet. Die Wiedereintritte finden meist im höheren Alter statt, "da sind die Ärgernisse oft vergessen". Manchmal sei auch der Wunsch nach einem kirchlichen Begräbnis der Grund für den Wiedereintritt. Die Austritte hängen in letzter Zeit häufig mit der Resignation ob der vermehrten Kirchenschließungen zusammen.

Während die Taufe ein automatischer Eintritt in die Kirche ist, ist der Austritt auch die automatische Exkommunikation. "Das klingt aber härter als es ist", erklärt Lota. Der Wiedereintritt sei immer möglich, und Familienmitglieder, die in der Kirche bleiben, könnten weiterhin kirchliche Einrichtungen besuchen. Das heißt zum Beispiel, dass Kinder von Exkommunizierten katholische Kitas besuchen können.

In der Vergangenheit haben immer wieder Skandale zu hohen Austrittszahlen geführt: Kindesmissbrauch oder die Causa Tebartz-van Elst. Für Nico Weber ist das aber irrelevant. "Ich verstehe die Kirche als Gemeinschaft aller Gläubigen, jenseits von Raum und Zeit", erläutert er. "Daher hängt meine Zugehörigkeit zu ihr nicht von Skandalen, Kirchensteuer und politischer Sympathie ab."

Der Skandal um den Limburger Bischof hat 2014 auch die evangelische Kirche in Duisburg getroffen. "Da hatten wir 790 Austritte zu verzeichnen", erinnert sich Pressesprecher Rolf Schotsch, 2017 waren es 518 Austritte in der gesamten Stadt. Pfarrer Stephan Blank leitet die Wiedereintrittsstelle in der Salvatorkirche und kennt die Gründe, die Menschen zurück in die evangelische Kirche treiben. "Viele merken nach einer Zeit der Kirchenabstinenz, dass ihnen etwas fehlt", sagt Blank. Oft sei es aber auch der Wunsch, mit der Kirchensteuer Organisationen wie die Diakonie zu unterstützen. 2017 hat die evangelische Kirche in Duisburg 100 Eintritte verzeichnet, 33 davon in der Wiedereintrittsstelle.

Jasmin Biegemeier wird in dieser Statistik wohl nicht auftauchen. "Die Welt wäre ohne Religion besser", glaubt sie, die Konfirmation war ein Wunsch ihrer Eltern. "Wir sind aber nur mal zu Weihnachten in der Kirche", so Biegemeier, "ich verstehe nicht, wie ein gebildeter Mensch an irgendeinen Gott glauben kann."

(RP)
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