Kirche Christus unser Friede: Ein Treffpunkt zur Begegnung

RP-Kirchenserie : „Christus unser Friede“: Ein Treffpunkt zur Begegnung

Kirchenserie, Teil drei: Die RP stellt samstags bedeutende Gotteshäuser in Duisburg vor. Heute: „Christus unser Friede“ in Hagenshof.

Wer nach einem herkömmlichen Kirchenbau im Ortsteil Hagenshof in Obermeiderich sucht, läuft schnell Gefahr, mehrere Runden mit dem Auto zu drehen, bis ihm auffällt, dass es sich bei der angegebenen Adresse nicht um Kunst am Bau eines Lüftungsturms handelt: Es ist der Glockenturm der Kirche „Christus unser Friede“. Und bei den Reliefs auf grauem Beton handelt es sich um einen Zyklus von biblischen Bildern der Heilsgeschichte.

Pastor Heribert Weinbrenner ist erst seit drei Jahren in der Gemeinde tätig. Die Kirche „Christus unser Friede“ ist Teil eines Gebäudekomplexes an der Wiesbadener Straße, zu dem auch sieben Wohnungen – eine davon bewohnt Pastor Weinbrenner – in unterschiedlicher Größe und der Kindergarten gehören. Hinzu rechnen muss man zudem den Pfarrsaal, der vom Kirchenraum abgeteilt werden kann. „Während der Gottesdienste ist hier auch der Kinderbereich“, erklärt Pastor Weinbrenner mit Blick auf den großen Spielteppich. Früher lebten in den Wohnungen  des Gemeindezentrums auch die Hausmeisterin, ein zweiter Priester und ein Kirchenmusiker. Diese Zeiten sind längst vorbei, mehrere Wohnungen sind privat vermietet worden.

Der Glockenturm zeigt Reliefs mit Motiven der Heilsgeschichte, geschaffen von dem Künstler Egon Stratmann. Foto: Alfons Winterseel

Errichtet wurde der Gebäudekomplex in den Jahren 1974 bis 1977 als Gemeindezentrum. Rings herum die aus dem Boden gestampfte Siedlung Hagenshof mit den Bausünden der 60er/70er Jahre. Die Architekten des Gemeindezentrums waren Toni und Hannes Hermanns aus Kleve. Der Weihetag war der 5. Dezember 1982. Zwischen Fertigstellung der Kirche und der Weihe verging eine längere Zeit, da Bischof Hengsbach mit dem freistehenden Altar nicht zufrieden war. Erst musste eine Stele mit den Reliquien gebaut werden.

Rund 240 Gläubige passen in den annähernd quadratischen Kirchenraum. Statt auf langen Bänken finden sie hier auf Stühlen Platz, wodurch sich eine deutlich variablere Nutzungsmöglichkeit ergibt. „Bei Taufen können wir beispielsweise die Stühle zum Taufbecken drehen. Das ist sehr praktisch“, erklärt Pastor Weinbrenner.

Pastor Heribert Weinbrenner an der großen Schalttafel. Foto: Alfons Winterseel

Dadurch, dass die Kirche Teil eines Gebäudekomplexes ist, verfügt sie über ein großes Foyer, in dem vor und nach den Gottesdiensten Möglichkeit zur Begegnung ist. Allerdings sind die Räume und Flure wie der Kirchenraum selbst nur mit wenig Tageslicht ausgestattet. Um den Kirchenraum auszuleuchten, muss der Pastor eine ganze Reihe von Knöpfen an einer großen Schalttafel drücken: Jede Lampe wird einzeln eingeschaltet.

Die Orgel ist im Chorraum seitlich des Altars installiert. Ungewöhnlich: Der Kirchenmusiker  sitzt an einem Orgeltisch dem Altar zugewandt. Eine große Ikone ziert eine der Wände, die aus grauen Hüttensteinen errichtet sind.

„Diese Steine gibt es heute nicht mehr“, schildert Pastor Weinbrenner ein Problem: Vor einigen Jahren verwechselte eine Autofahrerin Gas und Bremse an ihrem Wagen, fuhr vom angrenzenden Parkdeck direkt auf den Eingangsbereich zu und beschädigte ihn so stark, dass neu gemauert werden musste. Statt mit grauen nun mit weißen Steinen.

Das Gemeindezentrum verfügt über zahlreiche Räume, die Wohnungen sind teils mit den Gängen verbunden. Der Besucher sucht nach Orientierung, die nicht leicht fällt. Auch Pastor Weinbrenner gibt zu, dass er sich anfangs öfter verlaufen hat. Wer von außen den Weg zum Pastor sucht, dem helfen wenigstens bunte Wegweiser an den Treppen. „Den verschiedenen Eingängen habe ich jetzt eigene Hausnummern gegeben, damit die Orientierung leichter fällt.“

Das Gemeindezentrum macht trotz der auf den ersten Blick verwinkelten Bauweise seinem Namen Ehre: Es verfügt über viele Räume, in denen das ganze Spektrum des Gemeindelebens stattfinden kann: Vom Werkraum bis zur kleinen Theke.

Eine besondere Betrachtung verdienen der Eingangsbereich und der freistehende Glockenturm. An den Wänden hat der Künstler Egon Stratmann (Hattingen)  in den Jahren 1992 bis 1996 beim Bau des neuen Turms zahlreiche Motive der Heilsgeschichte als Reliefs beim Betongießen einbringen lassen. Mit Hilfe von zuvor spiegelverehrt in Styropor geschnittenen biblischen Bildern entstand der Zyklus von der Schöpfung bis zur Kreuzigung. Mit einem minimalen Einsatz von Farbe setzte der Künstler Akzente und zwingt zu eingehender Betrachtung.

Wer von der Straße aus zur Kirche will muss den Treppenaufgang des Turms nutzen. Wer über die Marktplatte bzw. das Parkdeck kommt, läuft durch ein ebenfalls aus Beton  gegossenes und mit Reliefs von Egon Stratmann versehenes Tor. Die Bilder an Turm und Tor sollen „zeigen, auf welchem Fundament die Gemeinde steht, worauf sie hofft, wofür sie betet und arbeitet“ heißt es in einem Informationsheft.

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