Kindernothilfe tritt Transparency International bei

Verein tritt Transparency International bei : Kindernothilfe kämpft gegen Korruption

Durch den Beitritt zum Bündnis „Transparency International“ setzt der Verein mit Sitz am Duisburger Sittardsberg ein wichtiges Zeichen.

Seit dem 26. Januar 2019 ist die Kindernothilfe Duisburg, die erst kürzlich ihr 60-jähriges Bestehen feierte, Mitglied bei Transparency International Deutschland. Dieser Verein, der im Jahr 1993 von dem Juristen Peter Eigen gegründet wurde, hat zum Ziel, Korruption zu bekämpfen. Denn die dominiert gerade in den Einsatzländern, in denen Hilfe an die schwächsten der Schwachen, die Kinder, fließen soll und sich stattdessen staatliche Institutionen das Geld in die eigene Tasche stecken. Und die finanziellen Mittel der meisten Einrichtungen sind begrenzt, es gilt, achtsam damit umzugehen. So wie die Kindernothilfe, die am Sittardsberg ihren Verwaltungssitz hat.

2017 konnte sie Einnahmen von 68 Millionen Euro verbuchen, für 2018 liegen noch keine konkreten Zahlen vor. Das Geld stammt aus Spenden, Patenschaften, Drittmitteln und Nachlässen. Um sicherzustellen, welche Maßnahmen unterstützt werden, muss genau hingeschaut werden, damit das Geld nicht in den Taschen korrupter Drahtzieher versickert. „Durch die Mitgliedschaft bei Transparency möchten wir unsere Standards zur Bekämpfung von Korruption im globalen Kontext der Kindernothilfe weiterentwickeln und von Transparency und seinen Mitgliedern gerade aus dem Unternehmensbereich lernen,“ sagt Jürgen Borchardt, Finanzvorstand der Kindernothilfe.

Wahrgenommene Korruption in Wirtschaft, Politik und Verwaltung in 180 Ländern. Foto: dpa. Foto: dpa-infografik/dpa-infografik GmbH

Zwar hat die Kindernothilfe schon seit 2008 einen eigenen Anti-Korruptionskodex, der alle Mitarbeiter in die Pflicht nimmt, nach strengen moralischen Richtlinien zu handeln. Aber was nützt das in Ländern wie Simbabwe, Haiti oder Somaliland? Gut ist, dass die Kindernothilfe als „non-governmental-organisation“ eben nicht verpflichtet ist, mit den staatlichen Stellen zusammen zu arbeiten, sondern mit der Zivilgesellschaft. So sollen die Mittel zweckgebunden und direkt bei den Projekten ankommen. Und die Mitgliedschaft bei Transparency International wird diese Arbeit noch stärken, da ist der Vorstand der Kindernothilfe sicher.

In Deutschland ist Berlin der Verwaltungssitz von Transparency International. Weltweit gib es 100 Chapter, das sind kleine Niederlassungen, die lose miteinander verbunden sind. Etwa 1125 Mitglieder, die sich einmal pro Jahr zum Erfahrungsaustausch treffen, verteilen sich auf Deutschland, davon sind die meisten ehrenamtlich in Arbeitsgruppen aktiv, wie Otto Geiß vom Vorstand von Transparency berichtet. Es gibt für alle Mitglieder einen sogenannten Selbstverpflichtungskodex, bei dem sie zusagen, klare Anforderungen an die Sicherstellung und Bekämpfung von Korruption einzuhalten. Und diese Kontrollmechanismen werden alle drei Jahre von den Mitgliedern erneuert und auf ihre Effektivität hin überprüft.

Wie genau das funktionieren soll erklärt Otto Geiß: „Wir müssen im Vorfeld schon präventive Maßnahmen ergreifen, was die Zuständigkeiten, Befugnisse und Berichtspflichten angeht. Die Leitung der Unternehmen muss sich klar zur Anti-Korruptionspolitik bekennen. Die Führungskräfte haben eine Vorbildfunktion.“ Otto Geiß weiß, dass überall dort, wo Befugnisse und Zuständigkeiten breit gestreut sind, die Kontrollfunktionen nicht immer gut greifen. Auch die Auswahl der Mitarbeiter und klare Berichtspflichten helfen, Transparenz zu wahren. Nichts anderes bedeutet Transparency.

Für die Kindernothilfe heißt das, dass über die ohnehin bestehenden Maßnahmen hinaus wie der „Diakonische Corporate Governance Index“, der die Zusammenarbeit zwischen dem Vorstand und dem Aufsichtsratsgremium regelt und dem „Anti-Korruptions-Kodex“, der für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Hauptverwaltung Am Sittardsberg und weltweit gilt, sehr sorgfältig vorgegangen wird. Eine unabhängige externe Ombudsperson steht bei Verdachtsfällen auch noch zur Verfügung. Mehr Transparenz im Kampf gegen Korruption geht derzeit wohl nicht.

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