Kindernothilfe in Duisburg legt Zahlen für 2018 vor

Bilanz der Kindernothilfe : Hilfe für mehr als zwei Millionen Kinder

Die Kindernothilfe hat die Geschäftszahlen für das Jahr 2018 vorgelegt. Die Organisation blickt zufrieden auf die vergangenen zwölf Monate zurück.

Katrin Weidemann wirkte bei der Jahrespressekonferenz an der Duisburger Zentrale der Kindernothilfe am Dienstagmittag sehr entspannt. „Wir haben 2018 ein gutes Geschäftsjahr verzeichnen können und gehen voller Optimismus in die Zukunft“, betonte die Vorstandsvorsitzende der Organisation am Sittardsberg.

Weltweit erreicht die Kindernothilfe mit ihren Partnerorganisationen seit ihrer Gründung viele Millionen Kinder, die meisten in Krisengebieten wie Afrika und Lateinamerika, die keine Bildung, keinen Gesundheitsschutz, nicht einmal ausreichend Ernährung sicherstellen können. „Noch immer gibt es weltweit 263 Millionen Kinder, die nicht zur Schule gehen und 73 Millionen Kinder, die schuften müssen. Jedes Kind zählt, und das ist unser Auftrag“, sagt Weidemann.  Dabei haben sich in Ländern wie Brasilien, Indien und Bangladesch die Rahmenbedingungen in den vergangenen Jahren für den Hilfseinsatz so verschärft, dass von einem „shrinking space“, einem schrumpfenden Raum für Hilfe, gesprochen werden muss. Dafür gibt es in einem Land wie Äthiopien, das seit April 2018 Abiy Ahmed als Ministerpräsidenten an der Regierungsspitze hat, Grund zur Hoffnung auf den demokratischen Wandel.

Sinafikish Legesse (r.) – hier mit Katrin Weidemann, Vorstandsvorsitzende der Kindernothilfe – betreut Selbsthilfegruppen in ihrem Heimatland Äthiopien. Foto: Kindernothilfe

Die Zahlen des Geschäftsjahres 2018 stimmen zusätzlich optimistisch. In 2018 hat die Kindernothilfe 2,1 Millionen Kinder mit ihren Hilfsprojekten erreicht. 606 Projekte in 32 Ländern konnten realisiert werden, 340 Partnerorganisationen sind mit im Verbund. Die Erträge in 2018 belaufen sich auf 60 Millionen Euro, das Geld stammt aus Spenden, Erbschaften von privat und aus großen Firmen, Patenschaften und Zuschüssen. Dem stehen Aufwendungen in Höhe von 57,8 Millionen Euro gegenüber, mit denen Projekte finanziert wurden. Das heißt, dass die Kindernothilfe 2018 mit einem Plus von 2,2 Millionen Euro abschließen konnte.

82,7 Prozent hat die Kindernothilfe weltweit in Projekte investiert, 17,3 Prozent gingen in Ausgaben für Werbung und Verwaltung. Es gibt derzeit 35.500 Selbsthilfegruppen in 24 Ländern. Sinafikish Legesse ist eigens aus Äthiopien angereist, um von dem großen Erfolg der Selbsthilfegruppen in ihrem Land zu berichten. Sie ist Vermittlerin von Kinderrechten in Dachorganisationen in ihrem Land und kann viel von den Frauen berichten, die mit Kleinstkrediten aus der puren wirtschaftlichen Not heraus eine eigene Existenz geschaffen haben.

Zum Beispiel von Adanec. Die Mutter von fünf Kindern lebt in einem kleinen Dorf in Äthiopien, der Vater hat die Familie verlassen, um irgendwo einen Job zu finden. Adanec schließt sich der Selbsthilfegruppe in ihrem Dorf an, spart die paar Münzen, die sie hat, die in einen gemeinsamen Fonds aller beteiligten Frauen gehen. Aus dem Fundus bekommt sie einen Kleinstkredit, mit dem sie einen Gemüsestand in ihrem Dorf aufbauen kann. Schon nach einem Jahr ist Adanec so weit, dass sie ihre fünf Kinder zur Schule schicken und das Lehrmaterial selbst zahlen kann. Nach weiteren fünf Jahren hat sie ein großes Restaurant, einen beliebten Markstand und ein kleines Auto, mit dem sie beweglich ist. „Nun ist sie ein anderer Mensch, voller Selbstvertrauen und Zufriedenheit“, erklärt Sinafikish Legesse.

Sie freut sich nun auf den ARD-Gottesdienst am Donnerstag, 30. Mai, in der Salvatorkirche, zu dem auch prominente Frauen kommen werden. Christina Rau hat ebenso zugesagt wie Sabine Heinrich. Aber es gibt noch mehr Aktivitäten im Jubiläumsjahr der Kindernothilfe: Den 60-Kilometer-Lauf, der über fünf Tage quer durch das Ruhrgebiet führt. „Wir starten in Duisburg und laufen vom 16. bis 20. Juni bis Dortmund, wo wir am Kirchentag teilnehmen und abends ein tolles Open-Air-Konzert stattfindet“, sagt Angelika Böhling, Pressesprecherin der Kindernothilfe. Die Aktion hat einen Sinn: Spenden zu sammeln. Wer vorher Sponsoren findet, die jeden gelaufenen Kilometer unterstützen, kann eine hübsche Summe zusammen bekommen. Das Spendenziel beläuft sich auf 60.000 Euro. Das Geld fließt in die weltweite Projektarbeit der Kindernothilfe.

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