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Duisburg: Kind gequält — vier Jahre Haft

Duisburg : Kind gequält — vier Jahre Haft

Es ist unglaublich, unbegreiflich, nicht zu verstehen. Da sitzt eine erwachsene Frau, 24 Jahre alt, im Gerichtssaal und sucht nach Erklärungen.

Nach Argumenten, die es für den Beobachter nachvollziehbar machen sollen, warum diese Mutter es zuließ, dass ihr zweieinhalbjähriger Sohn von ihrem Ex-Freund misshandelt, geschlagen und furchtbar gequält wurde. Gründe dafür, wieso sie zuschaute, als der 24-Jährige, der an diesem Vormittag neben ihr auf der Anklagebank des Amtsgerichts sitzt, ihrem Jungen ein Feuerzeug an die Fußsohlen hielt.

Motive für ihr eigenes Verhalten; dafür, dass sie dem Zweijährigen kaum etwas zu essen gab, als Bestrafung dafür, dass er noch in die Windeln machte. Erklärungen. Sie findet keine. Keine akzeptablen jedenfalls. Wie denn auch? "Für so ein Verhalten", sagt Gabriele Oelze, Vorsitzende Richterin des dritten Schöffengerichts, "gibt es keine Entschuldigung".

Er musste auf dem Boden schlafen

Ende November vergangenen Jahres war die Polizei wegen eines Streits zwischen der 24-Jährigen und ihrem damaligen Lebensgefährten zu dessen Wohnung an der Marxloher Wilhelmstraße gerufen worden. Dort lebte der gebürtige Moerser mit einer anderen Frau zusammen, die Angeklagte war seine Geliebte. Zwischenzeitlich zog sie sogar bei dem Paar ein, mit ihrem Sohn. Den Zweijährigen fanden die entsetzten Beamten an jenem Tag auf dem Küchenfußboden, übersäht mit blauen Flecken, mit Brand- und Schürfwunden am abgemagerten Körper. Ein Bettchen hatte der Kleine nicht. Ein Gerichtsmediziner stellte später eine erhebliche Vernachlässigung und Spuren schwerer Misshandlungen fest. Das Kind muss über Monate hinweg geschlagen worden sein.

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Das Amtsgericht verurteilte das Paar gestern wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen in 20 Fällen. Ihn wegen einschlägiger Vorstrafen zu vier Jahren Haft, sie zu drei Jahren und neuen Monaten. Beide Angeklagte hatten zur Tatzeit ein Drogenproblem, eine Minderung der Schuldfähigkeit ließ sich damit nicht ausschließen. Sie selber habe ihren Sohn hin und wieder einen Klaps auf die Finger gegeben, beteuerte die 24-Jährige gestern. "Mein Fehler war es, dass ich nicht eingegriffen habe." Der Angeklagte dagegen gab alles zu: die Drogen, die Dreiecksbeziehung, das ständig schreiende Kind — ihm sei das alles über den Kopf gewachsen, sagte er.

"Die Strafgewalt des Amtsgericht hat gerade eben so ausgereicht, um dem Unrecht, das die Angeklagten begangen haben, gerecht zu werden", betonte die Vorsitzende in der Urteilsbegründung. Jugendamtsleiter Thomas Krützberg bestätigte auf Anfrage der Rheinischen Post: "Dem Jungen geht es mittlerweile wieder sehr gut. Er lebt jetzt bei einer Pflegefamilie."

(RP)