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Duisburg/Haiti: "Kind für 150 Dollar"

Duisburg/Haiti : "Kind für 150 Dollar"

Die Hilfsorganisationen warnen vor Kinderhändlern, die in Haiti die Notlage ausnutzen und Kinder entführen. Die Kindernothilfe Duisburg versucht, die Kleinen vor den Verbrechern zu schützen.

Es stinkt nach Verwesung. Leichen werden mit Bulldozern in riesige Massengräber geschoben. Die Sicherheitslage verschärft sich auf den Straßen der haitischen Hauptstadt Port-au-Prince von Tag zu Tag. Es herrscht sieben Tage nach dem schweren Erdbeben absolutes Chaos. Tausende Kinder streifen verwirrt durch die zerstörte Millionenstadt. Die meisten haben ihre Eltern verloren, sind verletzt, kämpfen ums nackte Überleben.

Wie so oft bei solchen Katastrophen trifft es die Kinder am schwersten. Viele sind nicht älter als drei oder vier Jahre alt. Alleine sind sie auf der Straße verloren. Erfahrungsgemäß nutzen Kinderhändler und Schlepper solche Notsituationen aus. Sie kommen gezielt in das Land, um Kinder zu entführen und für Geld ins Ausland zu verkaufen. Das zeigte sich schon bei der Tsunami-Katstrophe vor sechs Jahren. In Haiti sollen die Kinderhändler schon angekommen sein. Die Hilfsorganisationen schlagen Alarm. "Für 150 Dollar kann man in Haiti jetzt ein Kind bekommen”, sagt Sascha Decker von der Kindernothilfe Duisburg. "Die Kinder brauchen eine Identität, Papiere. Sie müssen namentlich registriert werden. Sonst sind sie leichte Beute für die Kinderhändler”, so Decker. In Haiti hat der Handel mit Kindern seit Jahren traurige Tradition. Viele Kinder müssen als Sklaven arbeiten. "Von ihren eigenen Eltern werden sie gegen Geld in andere Familien vermittelt, um Schwerstarbeit zu verrichten", erklärt Haiti-Kenner Decker.

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Die Organisation setzt sich seit 1981 für die Kinder im Karibikstaat ein, baute Schulen, betreut aktuell rund 5000 Kinder in Haiti. Die Einrichtungen sind durch das Beben zum größten Teil zerstört worden.

Ruben Wedel ist als Koordinator für die Kindernothilfe seit Freitag im Katastrophengebiet, versucht so viele Kinder wie möglich zu retten - auch vor den kriminellen Fängen der Kinderhändler. Im Hauptquartier der Heilsarmee, eine Art Auffanglager, sind die Kinder vor den Verbrechern sicher. Hunderte Kinder werden dort betreut und versorgt.

Das entwicklungspolitische Kinderhilfswerk "terre des hommes” warnt ebenfalls vor den Schleppern und hat die Bundesregierung aufgefordert, nicht nur Gelder und Hilfsgüter zur Verfügung zu stellen, sondern auch konkrete Schutzmaßnahmen für die verwaisten Kinder zu ergreifen. "Wir brauchen schnell Schutz, die verlassene Kinder aufnehmen und sie vor Verbrechen wie Kinderhandel und illegaler Adoption schützen”, fordert Geschäftsführerin Danuta Sacher. Die Duisburger Kindernothilfe ist bereits dabei solche Strukturen zum Schutz der Kinder aufzubauen. Unbestätigten Quellen zufolge seien auch schon illegale Organhändler in Haitis Straßen unterwegs.