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Duisburg: Keine "Ruhrmündungsstadt" bis Bottrop

Duisburg : Keine "Ruhrmündungsstadt" bis Bottrop

Das Interesse am Vortrag im Landesarchiv über Kommunale Neuordnung stieß auf so großes Interesse, dass sogar noch zusätzliche Stühle in den Vortragssaal gebracht werden mussten.

Die Vorträge der Reihe "DU an Rhein und Ruhr - Duisburger Identität(en) im Wandel der Zeit" im neuen Landesarchiv NRW an Innenhafen sind immer gut besucht (die RP berichtete). So voll wie jetzt bei dem Beitrag von Dr. Astrid Küntzel vom Landesarchiv über "Heimatbewusstsein und Planspiele - Kommunale Neugliederung im Raum Duisburg im 20. Jahrhundert" war es aber bislang selten, es mussten sogar zusätzliche Stühle in den Vortragssaal geschafft werden.

Kein Wunder, denn die Reihe steht längst für Qualität, und das Thema polarisiert nach wie vor. Noch einmal kurz die Fakten: Die heutige Stadt Duisburg ist aus drei Kommunalreformen hervorgegangen, wobei das Stadtgebiet jeweils erheblich erweitert wurde. 1905 wurden die selbstständigen Städte Meiderich und Ruhrort eingemeindet, 1929 die Stadt Hamborn und etliche Gemeinden das Amtes Angermund im Süden. Zuletzt kamen 1975, also vor 40 Jahren, die Städte Homberg, Rheinhausen und Walsum sowie die Gemeinden Baerl und Rumeln-Kaldenhausen hinzu. Der Widerstand der Bevölkerung war zum Teil erheblich - bis heute gibt es Bestrebungen, einzelne Stadtteile wieder aus der Stadt Duisburg herauszulösen.

Mit wirklich vorzüglich sprechenden Text- und Bildquellen beleuchtete Küntzel in ihrem sehr gelungenen Vortrag das heikle Thema. Als hilfreich erwies sich dabei auch der in der Geschichtswissenschaft aktuelle Begriff "Raum", mit dem geografische Verbindungen und Trennungen im Bewusstsein konstruiert werden, zum Beispiel über Verkehrswege oder Industriegebiete. Wenig überraschendes Ergebnis: Die Kommunale Neugliederung wurde meist aus wirtschaftlichen oder anderen politischen Interessen "von oben" verordnet, oft gegen gewachsene räumliche Identitäten - die Mitwirkung der Bevölkerung war dabei auch in der Demokratie (also schon in der Weimarer Republik) kaum vorgesehen. Interessant: Oberbürgermeister Karl Jarres plante in den 1920er Jahren eine "Ruhrmündungsstadt" von Angermund bis Bottrop, konnte sich aber nicht einmal mit einem Plan durchsetzen, der in etwa den heutigen Stadtgrenzen entsprochen hätte. In den 1970er Jahren scheiterten Pläne, Duisburg mit Mülheim und Oberhausen zusammenzulegen oder am linken Niederrhein auch noch ganz Moers sowie Neukirchen-Vluyn und Kapellen zu kassieren.

(hod)