Duisburg: Keine Lösung für das Lkw-Chaos

Duisburg: Keine Lösung für das Lkw-Chaos

Noch immer brettern jede Menge Brummis illegal über Friemersheimer Straßen. Ihren Ärger lassen die Anwohner vermehrt in sozialen Netzwerken ab. Dass schnell etwas passiert, sehen Stadt und Politik nicht.

Dauerthema illegale Lkw, die durch Wohngebiete brettern: Der Frust der Friemersheimer entlädt sich unter anderem in den sozialen Netzwerken. Einige Auszüge: "Durch die Adlerstraße und die Schleusenstraße fahren pro Stunde 30 Lkw. Der Stadt ist das egal. Seit einer Umleitung auf Logport ist es immer schlimmer geworden. Die Stadt zerstört einen der wenigen schönen Stadtteile. Politisches Versagen."

Starker Tobak, was sagen die Stadt und auch Vertreter der beiden großen Parteien im Bezirk dazu? Wann gibt es Lösungen? Aus dem Rathaus heißt es auf Anfrage der Redaktion: "Die Verwaltung arbeitet intensiv an straßenrechtlich und verkehrsrechtlich umsetzbaren Lösungen. Um grundsätzlich Verbesserungen herbeizuführen, bedarf es einer Neufassung des Vorbehalts- und Rettungswegenetzes, an dieser wird derzeit gearbeitet."

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Zur Erklärung: In dieser Neufassung wird festgelegt, über welche Straßen der Rettungsdienst zu Einsätzen fährt. Hier etwa Hindernisse für Lkw oder Sperren aufzubauen, ist nicht möglich, da der Rettungsdienst schnellstmöglich Einsatzorte erreichen muss. Wann diese Neufassung fertig ist, darüber machte die Stadt keine Angaben. Laut Reiner Friedrich, Vorsitzender des SPD-Bezirksverbandes Rheinhausen, ist mit dem neuen stadtweiten Vorbehalts- und Rettungswegenetz im kommenden Jahr zu rechnen. "So ist es uns von der Stadt zugesichert worden." In der Bezirksvertretung Rheinhausen sei ein Antrag gestellt worden, der für Friemersheim eine Lkw-Verbotszone vorsieht, die grob gesagt vom Bahnhof bis zum Logport verlaufe. "So etwas einzurichten, ist aber gar nicht so einfach, es gibt schlicht keine Erfahrungswerte", sagt Friedrich. Es müsse eine Satzung gefasst werden, die genau regelt, wer die Straßen befahren darf und wer nicht. "Heute reicht es aus, wenn ein Lkw-Fahrer bei einer Kontrolle ein Anliegen vorträgt. Etwa sagt, er sei auf dem Weg zur Pommesbude auf dem Logport-Gelände." Weiteres Problem: Es gibt laut Friedrich keine aktuelle Verkehrszählung, man wisse gar nicht, wie viele Lkw täglich über Friemersheimer Straßen rollen. Und: Es gebe ein Lkw-Verbot rund um die Kaiserstraße, "dessen Einhaltung kann man nicht rund um die Uhr kontrollieren." In ihrer Aussage zum Thema nimmt die Rheinhauser CDU Lkw-Fahrer in Schutz: "Es ist richtig, dass die Stadt die Wucht der Logistik nie in den Griff bekommen hat." Der Lkw-Verkehr würde heute vornehmlich auf Irrfahrten durch enge und zum Teil verbotene Wohnstraßen und auf Verunreinigungen rastender Trucker reduziert. "Das wird den beteiligten Menschen nicht gerecht. In der Regel schlecht bezahlt, leben sie, fernab ihrer Familien, zum Teil wochenlang in und mit ihrem Lkw und müssen das Beste aus der Situation machen", schreiben Ferdi Seidelt und Klaus Möbius.

Die CDU Rheinhausen fordert genügend Personal und Überwachungstechnik, um die Lkw-Verkehre gut zu lenken. Außerdem sollen die beiden Sanitärstationen auf dem Gelände um mindestens drei weitere ergänzt werden - eine in der Nähe von Tor 1, eine an Tor 8 und eine am Borgschenweg. Den Einsatz von "Streetworkern" hält die CDU ebenfalls für gut. "Sie informieren, helfen und betreuen." Fazit: Ideen, den Lkw-Verkehr aus Friemersheim zu verbannen, gibt es, gearbeitet wird im Rathaus wohl auch. Behörde und Politik setzen - wieder einmal - auf die Geduld der Menschen im Stadtteil.

(RP)
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