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Duisburg: Keine Flüchtlinge ins Walsumer Zeltlager

Duisburg : Keine Flüchtlinge ins Walsumer Zeltlager

Die Bezirksregierung Arnsberg hat zunächst eine weitere Zuweisung von Flüchtlingen nach Duisburg storniert, damit sie nicht ins Zeltlager in Walsum müssen. Zuweisungen werde es künftig aber weiter nach Duisburg geben, heißt es.

Ein Sprecher der Bezirksregierung Arnsberg, die die Zuweisung an die Kommunen in NRW vornimmt, erklärte gestern, man wolle nicht, dass Flüchtlinge in Zeltlager müssten. Das schließe aber weitere Zuweisungen nach Duisburg in Zukunft nicht aus. Wie berichtet werden zurzeit noch eine Reihe weiterer Unterkünfte in Duisburg errichtet.

"Das ist die einzig vernünftige Problemlösung für die Flüchtlinge wie für die Stadt Duisburg", kommentierte der evangelische Pfarrer Heiko Dringenberg aus Walsum die Entscheidung der Bezirksregierung. Die Marschrichtung ist für Dringenberg klar: "Wir brauchen Menschen, die vor Ort Gesicht zeigen, und die Rückendeckung der Kommune. Dann können wir alle viel bewegen." Konkrete Angebote des Unterstützerkreises liegen bereits auf dem Tisch. So will Dringenbergs katholischer Amtskollege Herbert Werth Platz für rund 60 Menschen in gemeindeeigenen Immobilien seiner Pfarrei St. Dionysius schaffen. Ausgerechnet die viel diskutierte Strukturreform im Bistum Münster bietet für solche Aktionen nun Spielraum. Die Flüchtlinge sollen laut Angaben von Werth in einem leerstehenden Pfarrhaus, einer Hausmeisterwohnung, einem ausgedienten Schwesternhaus und einem 2016 zum Abriss vorgesehenen Pfarrheim unterkommen.

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Dabei sehen Dringenberg, Werth und ihre Mitstreiter auch die Probleme der Stadt, die sich zusätzlich zu aktuell 1600 Asylbewerbern monatlich auf weitere 130 Flüchtlinge einstellt. Pastor Stephan Kiepe-Fahrenholz, Leiter des Diakonischen Werks in Duisburg, fand jetzt klare Worte. Er hatte in der Sache einen bemerkenswerten Brief an seinen eigenen Landesverband und den Sozialethiker und emeritierten Professor Wolf-Dieter Just verfasst, spricht darin von "billigem Populismus", in öffentlichen Erklärungen die Stadt und namentlich den Sozialdezernent als Feindbild aufzubauen, und will sich "auf keinen Fall" daran beteiligen. Schließlich habe Sozialdezernent Reinhold Spaniel bereits Ende 2013 dramatische Engpässe angekündigt und zu Jahresbeginn in einem breiten Appell die Kirchen, Wohnungswirtschaft und Wohlfahrtsverbände gebeten, Wohnraum zur Verfügung zu stellen.

"Die Resonanz ist nahezu gleich Null gewesen", so Kiepe-Fahrenholz, der sich selbst innerhalb der Evangelischen Kirche "völlig erfolglos" für die Bereitstellung leer stehender Mietwohnungen eingesetzt habe.

Andere, die jetzt "nachträglich per Zeitung kluge Ratschläge" erteilen, hätten gar nicht erst geantwortet. "Es gibt es nur eines, was mich mindestens so ärgert wie die Errichtung der Zeltstadt, nämlich die nachträglich inszenierte öffentliche Empörung", schreibt der Diakonie-Leiter. Wie die Stadt mitteilte, habe sie mit der Bezirksregierung das gemeinsame Ziel, die Unterbringung von Asylbewerbern in der Zeltstadt "nach Möglichkeit zu vermeiden". Man prüfe und suche "weiter mit Hochdruck alternative Unterbringungsmöglichkeiten."

Öffentlich war die Kritik an der Unfähigkeit der Stadt in Fragen der Unterbringung von Flüchtlingen zuletzt immer lauter geworden.

(ib/RP)