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Duisburg: Keine Angst vor Bürgervotum

Duisburg : Keine Angst vor Bürgervotum

Der Parteitag der Christdemokraten in der Homberger Glückaufhalle am Freitag Abend stärkte OB Sauerland den Rücken. Die Delegierten forderten ihn nachdrücklich dazu auf, dem öffentlichen Druck nicht nachzugeben.

Auch langjährige Weggefährten und Parteifreunde waren sicher: Das war die emotionalste Rede, die Adolf Sauerland je gehalten hat. Viele Duisburger Christdemokraten schienen darauf gewartet zu haben. Sie applaudierten minutenlang nach seiner dreiviertelstündigen Rede.

"Es gibt nichts, was mir so unendlich leid tut. Wenn ich jetzt mit meiner Familie Weihnachten feiere, denke ich an die Eltern, die ihre Kinder bei der Katastrophe der Loveparade verloren haben", sagte Sauerland. "Ich verstehe die Reaktion aller Eltern. Aber ich verstehe nicht die Reaktion mancher Politiker." Er bleibe im Amt, bis ihm in seinem politischen Verantwortungsbereich ein Fehler nachgewiesen werden könne.

Der OB zog eine Bilanz seiner Amtszeit und ließ auch die Themen Loveparade, Abwahl und Korruption nicht aus. "Ich habe keine Angst vor dem Votum der Bürger. Wer davor Angst hat, sollte alles sein — aber nicht OB." Zu den Korruptionsvorwürfen erklärte er: "Da ist nichts, was am Ende den Verdacht nähren könnte, wir würden politische Entscheidungen nach Spendenhöhe treffen." Er habe niemals Gelder eingesammelt oder angenommen und hoffe nun, dass die Ermittlungen schnell zu einem entsprechenden Ergebnis kommen.

Auf die Frage, wie er den Druck der vergangenen Wochen und Monate habe aushalten können, verwies er auf den Rückhalt seiner Familie und die Solidarität seiner Partei. Viele Delegierte waren ergriffen, Fraktionschefin Petra Vogt verzichtete sogar auf ihre Rede: "Er hat alles gesagt", sagte sie nach Sauerlands Erklärung.

Zuvor hatte Stadtentwickler Dr. Ralf Oehmke den Christdemokraten seine Sicht der Dinge um das Landesarchiv und das geplante Eurogate erläutert. "Das ist alles sauber gelaufen", so Oehmke. Beim Landesarchiv habe das Land zunächst die Option auf den Zugriff vor KölblKruse gehabt. Davon habe das Land aber dann aus unbekannten Gründen keinen Gebrauch gemacht. Auch beim Zuschlag für das Eurogate hätten Parteispenden keine Rolle gespielt.

Die Abrechnung mit den politischen Gegnern übernahm Kreisparteichef Thomas Mahlberg. Er kritisierte auch, dass die Staatsanwaltschaft nur Duisburg im Visier habe, obwohl KölblKruse auch an die SPD in Essen und Dortmund gespendet habe, wo der Projektentwickler ebenfalls Vorhaben verwirklicht hat.

Auch die Bürgerinitiative, die das Abwahlverfahren gegen den OB betreibt, nahm Mahlberg ins Visier. Die Initiative habe sich selbst demaskiert, als sie die Übergabe der Unterschriftenlisten im Rat mit einer "politischen Brandrede" begleitet habe.

(RP)