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Duisburg: Kein Zeichen von Fairness

Duisburg : Kein Zeichen von Fairness

Gastkommentar von Alt-Bürgermeister Heinz Pletziger (CDU) zur Situation der Stadt nach der Abwahl.

Theo Steegmann, Chef-Vordenker der BI "Neuanfang für Duisburg" verkündete eine Woche nach der Abwahl im Interview mit der "Welt am Sonntag" (WamS) wörtlich. "Wir hatten in der Stadt 56 Jahre SPD-Herrschaft erlebt mit vielen typischen Missständen wie zum Beispiel Vetternwirtschaft. Deshalb wurde ja 2004 auch der Wechsel von Adolf Sauerland allgemein begrüßt. Die damalige SPD-Oberbürgermeisterin Bärbel Zieling hat riesige Projekte geplant wie das "Multicasa", das jegliche Entwicklung in der Innenstadt blockiert hätte. Herr Sauerland hat das Projekt gestoppt, das war sein größtes Verdienst. Dadurch ist die Innenstadtentwicklung möglich geworden."

Irritation

Solche Worte irritieren auch die WamS: "Da würde Herr Sauerland aber staunen, wenn er Sie so hören würde." Darauf Steegmann: "Wir haben nie bestritten, dass er etwas Positives getan hat ( ...) Er hat ein durchaus hohes Ansehen bei vielen Bürgern gehabt...." Und an anderer Stelle: "Ich hoffe, dass Adolf Sauerland da menschlich durchkommt, dass ihn jemand aus dem Loch holt." Chapeau!

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Josef Krings, der vor 15 Jahren sein ihm in 22 Amtsjahren liebgewordenes OB-Amt abtrat, sieht das freilich ganz anders: "Mein Mitleid für Sauerland hält sich in Grenzen. Er hat viele Fehler gemacht." Warum sagt er so was? Hat er doch sein erklärtes Wahlziel, die Abwahl Sauerlands erreicht. Nachtreten ist nicht unbedingt ein Zeichen von Fairness, schon gar nicht von einem Ehrenbürger. Peinlich!

Im Getöse des Kampfes um die OB-Abwahl ist die Frage um das "Danach" aus taktischen Gründen untergegangen. Die Parole lautete: Erst mal weg mit Sauerland! Dann wird alles gut. Nix ist gut! Was Insider ahnten, wurde schnell Realität: Den Strategen vom "Neuanfang für Duisburg" waren ihr Feindbild und damit ein "Regierungsprogramm" abhanden gekommen.

Jetzt ist guter Rat teuer. Und weil man sich über Wer und Was nicht einig war, spalteten sich die "Neuanfänger" — typisch für Anfänger — in z w e i Neuanfänger-BI mit ähnlich gut klingenden Namen auf. Ging es bisher um gemeinsame Politik, so zeichnet sich nun ein Kampf um Personen und Posten ab. Süffisant lächelnd im Hintergrund die SPD. Weiß sie doch: Wenn zwei sich streiten, dann freut sich der Dritte.

Die erste Gruppe um Herrn Hüsken fordert — wie originell — eine "Politik für Bürger". Da wird der Bürger sich aber freuen. Die zweite Gruppe um Herrn Steegmann erarbeitet gar ein "Duisburger Manifest" und will sich — auch originell — "weitere Fachkompetenzen in nächster Zeit erarbeiten, um sich qualifiziert und nachhaltig zu kommunalpolitischen Themen äußern zu können."

Zusätzlich will man einen Beirat installieren, der den Vorstand fachkompetent berät und unterstützt. Auch das löst sicher Freude aus. Für eine Mitarbeit konnte Alt-OB Josef Krings gewonnen werden, der sich bereits unter dem Jubel der "Neuanfänger" fachkompetent dafür ausgesprochen hat, am Deckel über die A 59, anstelle von Büroneubauten und einem Hotel mit neuen Arbeitsplätzen, ein Rosenbeet anzulegen.

So etwas hat man zuletzt Anno Domini 1944 vom amerikanischen Finanzminister Henry Morgenthau vernommen, der damals einen industriellen Neuaufbau Deutschlands verhindern wollte, um hier einen Agrarstaat zu errichten. "Morgenthau-Plan". Da hilft wohl nur noch beten. Gott schütze die Stadt Duisburg.

(RP)