Duisburg: Kein Platz für Schulkinder

Duisburg: Kein Platz für Schulkinder

Die Flut der Zuwanderer aus Rumänien und Bulgarien stellt die Stadt vor immer mehr Probleme. Aktuell geht es unter anderem darum, dass die Schulen in Hochfeld und Marxloh nicht alle diese Kinder aufnehmen können.

Den Schuljahresbeginn werden vermutlich einige Hundert schulpflichtige Kinder in Duisburg nicht miterleben. Denn es gibt keine realistische Chance, sie unter den gegebenen Umständen zu unterrichten. Die Rede ist von den jungen Rumänen und Bulgaren, die mit ihren Eltern in Hochfeld bzw. Marxloh "gestrandet" sind. Mehr als 4000 dürften es inzwischen sein. Denn jede Woche kommen nach Beobachtungen von Polizeipräsidentin Dr. Elke Bartels 100 bis 150 Osteuropäer hinzu.

Kein Weg zurück

Die EU-Bürger stellen die Stadt vor gewaltige Probleme. Wie berichtet, ist unter der Leitung von Dezernent Karl Janssen eine Kommission eingerichtet worden, die den Status quo ermittelt und Vorschläge erarbeitet, wie den Problemen begegnet werden könnte. Spätestens in der Ratssitzung im Dezember wird dieses Positionspapier vorliegen. "Es gibt für uns nur zwei Wege. Wir versuchen, diesen Menschen hier beim Start zu helfen oder wir versuchen, sie los zu werden", so Janssen. Seine Position ist klar: "Wir werden und wir müssen diesen Menschen helfen", sagt er. In einem Fall ist eine Problemlösung besonders schnell gefordert:

Duisburg hatte bei der Bezirksregierung vor den Ferien beantragt, den rumänischen und bulgarischen Kindern Schokotickets zu geben, damit sie zu den verschiedenen Schulen im Stadtgebiet fahren können. Die Bezirksregierung hat dies vor wenigen Tagen abgelehnt. "Aber wir können nicht alle diese Kinder aus Hochfeld und Marxloh im Stadtteil einschulen", sagt Karl Janssen. Damit wäre eine Schule völlig überfordert, eine Bevölkerungsgruppe dominiere dann sprachlich und im sozialen Verhalten eine ganze Bildungseinrichtung.

Ebenfalls drängend ist die Lösung der Wohnprobleme dieser Menschen. "Wir können und werden nicht tatenlos zusehen, wie die Leute in heruntergekommenen Wohnungen ohne Strom und Wasser hausen und dafür Miete bezahlen, die sie sich mit Schwarzarbeit verdienen", sagt Janssen. Den Rumänen und Bulgaren müssten Sprachkurse angeboten werden, um sie auf dem Arbeitsmarkt unterzubringen.

"Das alles gibt es nicht zum Nulltarif", so Janssen. Bis zu 20 Millionen Euro werden vermutlich benötigt. "Es handelt sich nicht um ein kommunales Problem. Bund, Land und EU müssen helfen", fordert Janssen. Denn dass so viele bettelarme EU-Bürger nach Duisburg drängen und um andere Städte eher einen Bogen machen, "liegt hier am ausreichend leeren Wohnraum in einer Atmosphäre, die diesen Leuten gefällt". Bei allem Verständnis für die Hochfelder, die eine Verslumung ihres Stadtteils fürchten, ist Janssen sicher, "dass die Leute da bleiben werden." Es komme jetzt darauf an, mit Vernunft zu handeln.

(RP/jt)
Mehr von RP ONLINE