Duisburg: Kein Abladeort für Bio-Abfall

Duisburg: Kein Abladeort für Bio-Abfall

Seit einigen Wochen bekommen Hunderte Anwohner an Duisburger Waldstücken vom Amt für Umwelt und Grün ein Mahnschreiben über "Nicht genehmigte Waldnutzung". Mitarbeiter des Amtes und Förster setzen auf Aufklärung.

Seit einigen Monaten verschickt das städtische Amt Mahnschreiben an Duisburger, bei denen man den begründeten Verdacht hat, dass sie ihre Gartenabfälle im nahegelegenen Wald entsorgen. Ein Mitarbeiter dieses Amtes bittet in dem Mahnschreiben um einen Rückruf. Eine Bußgeldandrohung erfolgt zunächst nicht. Vielmehr setzt man in dem Amt auf Aufklärung. Im Gegensatz zu denjenigen, die wissen müssen, dass sie mit ihrem Müll den Wald verschandeln und die das heimlich tun, haben in der Vergangenheit zahlreiche Waldanwohner ihren Grasschnitt und andere Gartenabfälle ohne schlechtes Gewissen in den Wald gebracht. "Kompost zu Kompost", war deren Motto, das allerdings, so Stadtförster Axel Freude, falsch ist.

Zusammen mit Freude fahren wir durch Buchholz und halten unterhalb der Straßenbahntrasse zur U 79 in Höhe der Haltestelle "Am Waldfriedhof". Am Rande des Wäldchens hat jemand offensichtlich die leeren Flaschen seiner Silvesterparty entsorgt. Förster Freude lotst uns weiter über einen Schleichweg einige Meter von der Straße weg. Hier stoßen wir auf einen Hügel voller Sträucher, Äste, verwelkter Blumen und Grasschnitthaufen. In unmittelbarer Nähe dieses "Komposthaufens" liegen Stangen, Blechdosen, Plastikabfälle und ein verschmutzter Baustoffkübel mit Mörtelresten herum.

Ein Baustoffkübel mit Mörtelresten, der zweifelsfrei nicht in den Wald gehört. Foto: Christoph Reichwein

Hier, in Buchholz, in einer eigentlich schönen Wohngegend, hat man die unterschiedlichen Formen der Waldverschandelung vor Augen, die in ähnlicher Form überall in Duisburg zu finden sind: im Duisburger Süden, im Baerler Busch, in Beeck, Meiderich, Hamborn oder Walsum. Da gibt es zum einen die offensichtliche Waldverschandelung, bei der die Grenze zur kriminellen Umweltverschmutzung überschritten ist; zum anderen eine Form der "nicht genehmigten Waldnutzung", die sich im Laufe der Jahre bei vielen Anwohnern an Duisburger Waldstücken eingebürgert zu haben scheint. Und diesen Anwohnern möchte Förster Axel Freude mit Unterstützung des Amtes für Umwelt und Grün ins Gewissen reden.

Was vielen nicht bewusst ist: Sie schaden mit ihren Gartenabfällen der Flora und Fauna des Waldes. Ohne es zu wissen, können sie Krankheiten in den Wald tragen. Beispielsweise den Weymouthkiefern-Blasenrost, ein Krankheitserreger, der sich nicht nur auf Kieferngehölz findet, sondern auch - als Zwischenwirt - an den Blättern von Johannisbeersträuchern. Wenn man seinen Buchsbaum, der von dem berüchtigten Buchsbaumzünsler halb aufgefressen ist, im Wald entsorgt, dann schadet das den dort angestammten Pflanzen. Und wenn der Grasschnittabfall aus dem Garten im Wald aufgehäuft wird, kann das ebenfalls das Ökosystem durcheinanderbringen. Noch schwerer ins Gewicht fällt, dass aus unschönen Komposthaufen häufig regelrechte Müllkippen im Wald werden. Axel Freude: "Da bewahrheitet sich die Theorie von der zerbrochenen Fensterscheibe: Ist bei einem leerstehenden Haus einmal eine Scheibe zerbrochen, dann geht der Vandalismus ungebremst weiter."

Erstaunlich: Selbst diese Bambus-Gewächse sind angegangen und wachsen im Duisburger Wald. Foto: Christoph Reichwein

Förster Freude hat schon schlimme Verschandelungen gesehen. In einem Wäldchen in Ehingen, das bis vor einigen Jahren dem Mannesmann-Konzern gehörte, nun aber der Stadt, haben Unbekannte ein komplettes Schrottauto "entsorgt". Und immer wieder finden die Förster und ihre Mitarbeiter (es sind nur zehn Festangestellte) Autoreifen, Kühlschränke und immer wieder Bauschutt in Duisburgs Wäldern. Jedem dürfte klar sein, dass dies streng verboten ist. Förster Freude spricht nicht gerne über Strafen, weist aber darauf hin, dass den Verursachern von gravierenden Waldschäden Bußgelder bis zu 50.000 Euro drohen.

Wenn Axel Freude und die Mitarbeiter der Naturschutzbehörde mit Anwohnern über deren "nicht genehmigte Waldnutzung" sprechen, dann stoßen sie meist auf Verständnis. "Die meisten wollen mit uns an einem Strang ziehen, damit der Duisburger Wald schön bleibt oder schöner wird", so Freude. Prinzipiell haben die Duisburger einen vergleichsweise innigen Bezug zum Wald, was auch historische Gründe hat.

Im Gegensatz zu anderen Städten, bei denen Adlige und andere wohlhabende Waldbesitzer waren, waren große Teile des Duisburger Waldes im städtischen Besitz.

Bis vor rund zehn Jahren konnten Duisburger mit einem Holzsammelschein sogar Altholz aus dem Wald holen, um damit zu heizen. Diese Regelung wurde erst abgeschafft, als die Zahl der Nutzer unkontrollierbar wurde und einige massiv gegen Regeln verstoßen haben.

(RP)