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Duisburg: Keime: Helios testet alle neuen Patienten

Duisburg : Keime: Helios testet alle neuen Patienten

Nach dem Bekanntwerden der gestiegenen Fälle von multiresistenten Keimen in den Duisburger Helios-Kliniken sollen die Vorsichtsmaßnahmen nun erhöht werden. Auch in anderen Krankenhäusern wird größter Wert auf Hygiene gelegt.

Die Verantwortlichen der Helios-Klinikums Duisburg trafen sich am Montag zur Krisensitzung. Die Berichterstattung über die Häufung von Fällen multiresistenter Keime (MRSA) hat für Unruhe gesorgt. Wie berichtet sollen 46 Prozent aller MRSA-Fälle in Duisburg in diesem Jahr bis Mitte Juni auf die drei Helios-Häuser St. Johannes, St. Marien, und St. Vincenz entfallen. Ein Patient soll erst kürzlich wegen der Keime in der Helios-Klinik St. Johannes gestorben sein. Nun zieht Helios die Konsequenzen. Alle neuen Patienten sollen bis zum Jahresende 2013 einer Untersuchung auf MRSA-Keime, einem sogenannten "Screening", unterzogen werden. Dies gelte nicht nur für Risikopatienten, sondern für alle. "Ob wir das nun bei 5000 oder bei 25 000 Menschen machen, bedeutet keinen so großen Mehraufwand", erklärte der Ärztliche Direktor des Helios Klinikums Duisburg, Prof. Heinrich Klues.

Von 2012 bis 2013 sei es zu einem Anstieg von MRSA-Infektionen gekommen — sowohl bei den im Krankenhaus erworbenen als auch bei den "eingeschleppten". Bei den im Krankenhaus erworbenen Infektionen habe es aber in diesem Jahr einen Rückgang vom ersten auf das zweite Quartal von 19 auf elf Fälle gegeben, so Klues. Beim Screening werden Abstriche mit einem Wattestäbchen vorgenommen, hauptsächlich aus der Nasenschleimhau. Spätestens innerhalb von 48 Stunden liege der Befund vor. Fällt er positiv aus, könne trotzdem operiert werden, dann aber unter bestimmten Bedingungen.

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Die Zahl der Antibiotika-Visiten soll darüber hinaus ab sofort auf zwei pro Woche verdoppelt werden. Um die Ausbreitung von MRSA-Keimen einzudämmen, sollen möglichst wenig und möglichst einfache Antibiotika verordnet werden.

Weitere Maßnahme: Alle Mitarbeiter mit Patientenkontakt erhalten erneut eine Hygieneschule. Der Desinfektionsmittelverbrauch zum Händewaschen auf den Stationen wird kontrolliert, Stationen mit zu geringem Verbrauch werden verstärkt geschult.

"Wir haben die Hygiene-Mannschaft", so Klues. Eine leitende Hygieneärztin mit fünf Mitarbeitern bildeten schon jetzt ein Team, das erst ab 2016 / 2017 verpflichtend vorgeschrieben sei. Die Maßnahmen zum Hygienemanagement sollen dazu beitragen. die MRSA-Fälle zu minimieren.

Bei Helios sei bei der Übernahme der ehemaligen KKD-Krankenhäuser in Duisburg die Einführung der sonst im Helios-Konzern üblichen Strukturen und Handlungsweisen schleppender umgesetzt worden als in vergleichbaren Fällen in anderen Städten. Dies sei einer der Gründe für die hohe Zahl der MRSA-Keime.

"Eines ist klar: Jeder Todesfall ist einer zu viel", sagte der Ärztliche Direktor. Er ist aber auch der Auffassung, dass eine solche Keim-Infektion vergleichsweise selten auftritt. Niemand müsse Sorgen haben, wenn er sich in ein Helios-Krankenhaus in Behandlung begibt.

Dr. Andreas Sander, Medizinischer Geschäftsführer des Evangelischen Klinikums Niederrhein (Krankenhaus Duisburg-Nord, Herzzentrum Meiderich, Johanniter-Krankenhaus Oberhausen und Evangelisches Krankenhaus Dinslaken) kennt das MRSA-Problem. Das Krankenhaus in Dinslaken ist in Sachen Prophylaxe multiresistenter Keime sogar zertifiziert worden. Dabei werden verschiedene Hygienemaßnahmen unter die Lupe genommen, unter anderem auch der Verbrauch der Desinfizierungslösung in den Spendern neben den Waschbecken. Eines weiß Sander: "Ein Krankenhaus wird nie keimfrei sein." Dies ließe sich nicht vermeiden, wohl aber deren explosionsartige Ausbreitung. Keime habe es schon immer gegeben — dass sie zum Teil gegen Antibiotika Resistenzen entwickeln, sei eine jüngere Entwicklung. "Es gibt es einen ganzen Blumenstrauß an Gegenmaßnahmen", sagt Sander. Dazu gehört vor allem entsprechendes Bewusstsein beim medizinischen Personal. Hände desinfizieren, Mundschutz und Kittel tragen, bei der Entsorgung medizinischen Geräts besonders sorgfältig zu sein — ganz banale Dinge können helfen, die Übertragung der Keime zu stoppen. Wer selbst solche Keime hat, kann beschwerdefrei sein, sie aber trotzdem selbst weitergeben. Und für Menschen mit schwacher Immunabwehr kann dies tödlich enden. Außerdem gehöre zur MRSA-Vorbeugung auch dazu, nicht bei jedem Schnupfen gleich Antibiotika zu verschreiben. Denn die Keime entwickeln dann schneller Resistenzen gegen die Medikamente.

Bei den Duisburger Krankenhäusern ist man schon seit längerem dazu übergegangen, Risikopatienten (etwa mit bestimmten Krankheiten sowie Menschen aus Alten- und Pflegeeinrichtungen) erst einem Screening zu unterziehen. "Bei uns geschieht das nach den Richtlinien des Robert-Koch-Instituts", sagt Jessica Reinartz vom Hochfelder Bethesda-Krankenhaus. Dort gebe es "keine statistischen Auffälligkeiten" bei MRSA-Fällen.

Im Sana-Klinikum ist das Verfahren ebenfalls lange bewährte Praxis. Dr. Kurosch Moussazadeh, Chefarzt der Zentralen Notaufnahme, lässt dort Risikopatienten auf multiresistente Keime überprüfen. Am Sana-Klinikum in Duisburg sei die Anzahl der Patienten mit MRSA-Infektionen rückläufig, teilte Klinikums-Sprecherin Ute Kozber mit. Dennoch wurden auch hier die Kriterien beim Aufnahme-Screening verschärft.

(RP)