Katrin van gen Hassend: Aufgeben war nie eine Option für sie

Eine Frau kämpft sich ins Leben zurück : Aufgeben war nie eine Option

Für Katrin van gen Hassend ist nach der Amputation der Füße und Teilen der Hände nichts mehr so, wie es mal war.

Auf die Frage, was sie denn als erstes tun wolle, wenn sie wieder zu Hause ist, zögert Katrin van gen Hassend einen kurzen Moment. „Mit dem Hund kuscheln“, sagt sie dann. Holly ist aktuell knappe 100 Kilometer von Frauchen entfernt. Die fünfjährige Chihuahua/Yorkshire-Mischlingshündin wartet geduldig daheim bei der Familie in Rumeln, während die 28-Jährige in Bonn mit ihrer Reha begonnen hat. Wann sie zurück bei ihrem Freund, ihren Freunden, ihrer Familie und eben auch bei Holly ist, weiß sie heute noch nicht, sagt sie am Telefon. Das Gespräch führt sie in ihrem Doppelzimmer mit Blick in Richtung Berge. Gleich hinter Bonn beginnt die Eifel.

Es sei aber auch eigentlich gar nicht wichtig, wann genau sie quasi Bonn gegen Duisburg tauscht. Zwar will sie „so schnell wie möglich zurück in den Alltag“, davor stehe aber nun einmal eine lange und auch anstrengende Reha.

Reha, zurückfinden in den Alltag, daran haben Mediziner und auch viele Angehörige der Friemersheimerin kaum noch geglaubt. Nach einer im Krankenhaus erlittenen Blutvergiftung war sie Mitte vergangenen Jahres in ein wochenlanges Koma gefallen. In Folge massiver Durchblutungsstörungen hatten ihr Ärzte beide Füße und auch Teile der Hände amputieren müssen.

„Wir hatten uns schon von ihr verabschiedet“, sagt Anette Löbler. Sie ist ihre Chefin, Katrin arbeitet als Fachangestellte im Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) an der Krefelder Straße. Doch war Aufgeben für Katrin van gen Hassends nie eine Option.

Zwar sei der Moment, als sie sich nach Wochen im Koma und unter starken Schmerzmitteln zum ersten Mal angeschaut habe, extrem schlimm gewesen. Doch schon der zweite Gedanke war positiv, „wird schon wieder werden.“ Mehr und mehr kommen ihre Kräfte zurück, nach dem langen Liegen muss sie Muskulatur aufbauen. „Anfang Dezember konnte ich mich kaum umdrehen, heute kann ich sogar schon wieder eine Zeit lang im Rollstuhl sitzen. Und erste Übungen für die Beine habe ich mit Hilfe der Therapeuten auch schon gemacht.“

Ihre Prothesen liegen bereit, wenn die Krusten abgeheilt sind, kann sie ihre ersten Schritte im neuen Leben machen. Die führen sie übrigens zu ihrem Freund in die gemeinsame Wohnung in Rumeln-Kaldenhausen, die allerdings nicht barrierefrei ist. Es gebe Planungen für einen Umbau, und auch um ein Auto mit Automatikgetriebe wolle man sich kümmern. „Ich habe keine Schmerzen, ich will das Leben leben und man tut alles, dass es wieder normal wird“, sagt sie voller Kraft und Stärke. Wobei die junge Frau eher zurückhaltend ist, laut und extrovertiert kommt sie so gar nicht daher.

Von der großen Spendenbereitschaft und der riesigen Anteilnahme in Rheinhausen und Umgebung hat Katrin van gen Hassend durch Gespräche und auch über die sozialen Medien erfahren. „Es ist unglaublich und freut mich sehr.“ Vor wenigen Tagen erst, so sagt es Katrins langjährige Kollegin Susanne Backes, ist jemand in die Praxis gekommen und hat 800 Euro abgegeben, „wir sind von dieser Anteilnahme total überwältigt.“

Anfang kommender Woche, nach dem seit Monaten geplanten Sponsorenlauf, wolle man die eingegangenen Spenden zählen. Fest steht: Für Hilfsmittel, Umbauten von Wohnung und Arbeitsplatz im MVZ oder auch das Auto, wird jede Menge Geld benötigt. Zudem gelte es zu klären, wie es zu der massiven Erkrankung mit den dramatischen Folgen für die jungen Frau kommen konnte. Die Familie hat einen Anwalt eingeschaltet.

Katrin van gen Hassends Kollegin Susanne Backes hat mit Katrins Schwester Nicole Reich und weiteren Helfern einen Sponsorenlauf organisiert, der am Sonntag, 13. Januar, von 10 bis 15 Uhr auf dem Gelände des OSC Rheinhausen an der Gartenstraße stattfindet. 200 Läufer haben sich bereits angemeldet.

(dc)
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