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Duisburg: Katholische Kirche auf der Anklagebank

Duisburg : Katholische Kirche auf der Anklagebank

Das Katholische Bildungsforum hat eine neue Veranstaltungsreihe ins Leben gerufen. An außergewöhnlichen Orten werden Themen auf außergewöhnliche Art und Weise angegangen. Zum Auftakt wurde in Rumeln kontrovers diskutiert.

"Die katholische Kirche, geboren im Jahr 30, Jerusalem, Israel, mit den ersten Urgemeinden, geschieden im Jahr 1517, staatenlos, wird angeklagt, durch millionenhafte Verstöße gegen die Menschlichkeit das Leben eben so vieler Menschen unnötig erschwert zu haben." So hieß es am Donnerstagabend im Abendcafé H&W in Rumeln. In der neuen Reihe "Theologie in der Kneipe – Bildung an verrückten Orten'" diskutierten der Theologe und Leiter des Katholischen Bildungsforums West, Markus Kuhlmann, in der Rolle des Staatsanwalts, und der Musical-Darsteller und Theologe Daniel Sprint in der Rolle des Anwalts der katholischen Kirche, über 2000 Jahre Kirchengeschichte.

"Als Staatsanwalt werde ich heute Abend versuchen, zu beweisen, dass die Kirche ganz viele Vergehen begangen hat, für die sie bestraft werden muss", sagte Kuhlmann vor Beginn der gespielten Anklage, bei der die Gäste in der Rolle der Geschworenen mitdiskutieren durften. Zwar hatten sich 25 Interessierte bereits vorab telefonisch für den Abend angemeldet, aber es war wohl Orkantief "Xaver" geschuldet, dass die spannende Diskussion schließlich mit nur 13 Geschworenen geführt wurde.

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"Es gibt einige Argumente, die sich sehr schwer widerlegen lassen. Wir wollen hier die Kirche nicht einfach nur gut dastehen lassen", sagte vorab Sprint, dessen Aufgabe es an dem Abend war, die katholische Kirche zu verteidigen. Und zu verteidigen hatte er diese gegen so einiges. Denn nachdem die Gäste zu Beginn nur zugehört hatten, ging es später richtig rund.

So führte etwa eine Dame an, dass im ersten Timotheusbrief im Anforderungsprofil für einen Bischof doch als "Mann einer Frau" gesprochen werde. Ein anderer Gast stellte zum Thema Zölibat in den Raum, dass "ja niemand gezwungen wird, Priester zu werden. Er kann also hinterher nicht die Behauptung aufstellen, man habe ihn gezwungen, enthaltsam zu leben". Besonders groß war die Aufregung, als es um die Stellung der Frau in der katholischen Kirche ging. So meinte einer der Gäste etwa, dass die Bischöfe im Urchristentum gewählte Priesterinnen gewesen seien. Auch die Frage, warum die Führungspositionen im Bistum immer durch Geistliche, also Männer, besetzt würden, tauchte auf. In der Verwaltung böte es sich doch auch an, etwa Wirtschaftswissenschaftler einzustellen.

"Es geht uns darum, das theologische Angebot da zu platzieren, wo die Menschen sind. Viele der Angebote im Bildungshaus, die im Entferntesten mit Theologie zu tun haben, will heute keiner mehr. Aber wir haben einen Bildungsauftrag. Deshalb gehen wir auch mal dort hin, wo man sie nicht vermutet, eben auch mal in eine Kneipe. Wir wollen das Thema auch humorvoll angehen", erklärte Kuhlmann die Idee der Bildung an verrückten Orten. Weitere Aktionen seien schon in Planung: "Zum Beispiel ein Programm, wo wir eine Art heißen Stuhl machen wollen. Die Gäste können dann auf Bierdeckel ihre Fragen schreiben, die sie ihrer Kirche schon immer mal stellen wollten", stellte der Theologe in Aussicht. "Wir wollen zeigen, dass Kirche nicht nur das ist, was sonst immer gezeigt wird."

(cob)