Duisburg: "Kanzelruf" zum Reformationsjubiläum in Ruhrort

Duisburg : "Kanzelruf" zum Reformationsjubiläum in Ruhrort

Das gab es noch nie: Ungewöhnlicher, aber auch passender hätte der Start der neuen Veranstaltungsreihe "Kanzelruf" im Kreativquartier Ruhrort kaum sein können: Am Reformationstag fand im Lokal Harmonie nämlich ein Gottesdienst mit Musik und Essen statt. Das auch im wortwörtlichen Sinne "ausgezeichnete" Lokal Harmonie ist seit seiner Existenz in Ruhrort immer für Überraschungen gut. Seit einigen Jahren gehört eine historische Kanzel aus dem ehemaligen Ruhrorter evangelischen Gemeindehaus, das in den Jahren 1902/1903 erbaut wurde und der damaligen Calvinistengemeinde als Betsaal diente, zum Inventar des Lokals. Heiner Heseding, umtriebiger Kreativquartiersmoderator und viele Jahre zuvor als Gemeindeleiter der örtlichen Christengemeinde aktiv, war es ein "Herzenswunsch", wie er sagt, "diese Kanzel wieder in ihrer ursprünglichen Bestimmung zu nutzen". So entstand die Idee der Veranstaltungsreihe "Kanzelruf" mit einem Lokal-Gottesdienst als Auftakt in besagter Örtlichkeit.

Feierlich, aber unprätentiös ging es zu am Dienstagabend in der ehemaligen Eisenwarenhandlung: Festlich, dem Anlass "500 Jahre Reformation" entsprechend, und inspirierend zugleich waren Hesedings Begrüßung wie seine Moderation, als auch die Andacht mit Predigt und Gebet von Uwe Liermann, seines Zeichens freier Theologe und langjähriger Pastor der Ruhrorter Freikirche. Schlicht und sinnlich dagegen gestaltete sich der Rahmen: Musik sakraler Liedtradition auf Instrumenten aus der Zeit der Reformation, darunter Cembalo und Drehleier, mit einem sich anschließenden gemeinsamen einfachen Essen zeugten von Bescheidenheit und Zusammengehörigkeit und waren so ganz im Sinne eines Martin Luthers. Denn dieser hatte mit seinen 95 Thesen an der Tür der Wittenberger Schlosskirche 1517 bereits gegen jeglichen kirchlichen Popanz und den aus seiner Sicht unchristlichen Ablasshandel, der pervertierten Form des Sündenerlasses, protestiert.

Offenheit von Kirche, keine Schranken zwischen Klerus und Gemeinde postulierte Luther einst. Dazu Liermann: "Gott gehe es nicht um einen theologischen Streit, sondern ausschließlich um Beziehungen. Gott heißt Liebe, denn Gott ist die Liebe selbst. So wird die Reformationsbotschaft 'Nur aus Glauben" lebendig." Von daher war es nur folgerichtig, dass die calvinistische Reformationskanzel im Lokal Harmonie symbolträchtig umgedreht aufgestellt war - nach vorne offen, zu den Menschen hin.

Der nächste "Kanzelruf" ist am Montag, dem 4. Dezember, um 18.30 Uhr statt, wiederum im Lokal Harmonie, Harmoniestraße 41.

(RP)
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