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Duisburg: Kantpark bleibt ein ungelöstes Problem

Duisburg : Kantpark bleibt ein ungelöstes Problem

Seit dem 1. April gilt in Teilen der Innenstadt das Alkoholverbot. Die Stadtverwaltung wehrt sich gegen den Vorwurf, nur mit Mitteln des Ordnungsrechts zu arbeiten und zu wenig Hilfen anzubieten.

Am 1. April ist das Alkoholverbot für Teile der Innenstadt verhängt worden. Eine Ratsmehrheit hatte sich bekanntlich für dieses Verbot ausgesprochen, um damit, so heißt es in der entsprechenden Mitteilung der Stadtverwaltung, eine "Steigerung der Attraktivität und des Einkaufserlebnisses in der Innenstadt" zu befördern. Nimmt man in diesen Tagen den einschlägig bekannten Treffpunkt der Duisburger Trinkerszene am Brunnen an der Kuhstraße in Augenschein, dann scheint es, dass sich dort weniger alkoholkranke Menschen als früher aufhalten. Dennoch, so berichten Geschäftsleute und andere Augenzeugen der näheren Umgebung, sieht man immer mal wieder Menschen, die Bier oder härtere alkoholische Getränke ungeachtet des Verbots konsumieren.

Die RP hat die Stadtverwaltung um ihre Einschätzung und um eine erste Bilanz seit Inkrafttreten des Verbots gebeten. In der ersten Woche des Alkoholverbots, so deren Antwort, hätten die Mitarbeiter des Ordnungsamtes gegenüber den Menschen der Trinkerszene noch keine Verwarngelder erhoben, sondern sich darauf beschränkt, den Betroffenen die neuen Verordnungen zu erklären. Allerdings seien gelegentlich auch schon Bier- oder Schnapsflaschen einkassiert worden, wenn sich die Angesprochenen überhaupt nicht an das Verbot gebunden fühlten.

 „Weitaus brisanter ist die Gruppe von Menschen, die harte Drogen konsumieren“, sagt Claudia Schäfer.
„Weitaus brisanter ist die Gruppe von Menschen, die harte Drogen konsumieren“, sagt Claudia Schäfer. Foto: Hildegard Chudobba
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Seit Mitte Mai habe der städtische Außendienst seine Aufklärungsarbeit in der Innenstadt intensiviert. Wenn sich Angesprochene weiterhin nicht an die Anweisungen der Ordnungsamtsmitarbeiter gehalten hätten, dann seien auch erste Verwarngelder in Höhe von 35 Euro verhängt worden. Bislang seien achtmal solche Verwarngelder erhoben worden. Hinzu kamen Platzverweise. Die meisten Trinkerinnen und Trinker, die von den Ordnungsamtsmitarbeitern angesprochen worden seien, hätten sich kooperativ gezeigt. Einige hätten sogar Verständnis für die Kontrollen geäußert. Die Stadt bestätigt den Eindruck, dass die Trinkerszene auf der Königstraße kleiner geworden ist.

Nicht akzeptieren möchte die Stadtverwaltung den Vorwurf vonseiten des Duisburger Diakoniewerks, dass nur mit den Mitteln des Ordnungsrechts gearbeitet werde und dass den Betroffenen keine Hilfen angeboten würden. Eine Stadtsprecherin wies darauf hin, dass es verschiedene Angebote für Alkohol- und Drogenkranke gibt, die auch in der entsprechenden Ratsvorlage beschrieben worden seien. Verwiesen wird beispielsweise auf einen Runden Tisch, der sich mit der Trinkerszene beschäftigt. Weiterhin würden Projekte aus anderen Städten auf ihre Übertragbarkeit auf Duisburg überprüft. Dazu gehört beispielsweise das Resozialisierungsangebot "Pick-Up", in dem chronisch Mehrfachabhängige unter Aufsicht festgelegte Routen im öffentlichen Raum reinigen.

Ein ungelöstes Problem bleibt der Kantpark. Der gehört nicht mehr zu dem Bereich, in dem der Alkoholkonsum verboten ist. Daher werden dort auch keine Platzverweise nur wegen des Konsums von Alkohol ausgesprochen. Platzverweise gibt es nur dann, wenn Alkohol auf dem Kinderspielplatz konsumiert wird. Nach Auskunft der Stadtsprecherin sei eine Verlagerung der Trinkerszene in den Kantpark bislang noch nicht beobachtet worden. Diesen Eindruck teilt Dr. Claudia Schäfer, Geschäftsführerin der cubus-Kunsthalle im Kantpark, nicht. Ihrer Beobachtung nach gebe es im Kantpark jetzt mehr Menschen, die man zur Trinkerszene rechnen kann, als vorher. Was auch ganz "natürlich" sei. Dr. Claudia Schäfer: "Irgendwo müssen die Menschen ja hin." Weitaus brisanter als die Trinkerszene ist ihrer Meinung nach die Gruppe von Menschen, die harte Drogen wie Heroin im Kantpark konsumieren. Diese Szene sei im Kantpark unverändert stark vertreten. Dr. Claudia Schäfer ist sich sicher, dass viele Junkies mit dem Zug nach Duisburg in den Kantpark kommen, um hier Drogen zu nehmen oder um mit ihnen zu dealen. Ein besonders beliebter Treffpunkt sei dabei ausgerechnet der Kinderspielplatz, weil es dort eine Wasserstelle gibt. Das Wegschneiden von Büschen, das vor vier Jahren durchgeführt wurde, um verstecktes Konsumieren von harten Drogen oder das Dealen mit ihnen zu verhindern, habe nichts gebracht.

(pk)