Duisburg: Kampf für die Erinnerung

Duisburg : Kampf für die Erinnerung

Mit einer Mahnwache vor dem Rathaus will der Verein "Never forget" an die Opfer der Loveparade erinnern. Die Organisation ärgert sich über die Untätigkeit der Verantwortlichen und eine Politik des Vergessens.

Keine Toilette in Reichweite, kein warmes Bett und fünf Tage bei Wind und Wetter draußen sitzen — das alles nehmen die Aktivisten des Vereins "Never forget den Opfern der Loveparade" auf sich. Die Organisation, die die provisorische Gedenkstätte am Unglücksort auf der Karl-Lehr-Straße errichtet hat, macht in diesen Tagen mit einer Mahnwache auf dem Burgplatz auf sich aufmerksam. Bis zum nächsten Freitag wollen die Aktivisten 24 Stunden am Tag an ihrem kleinen Infostand ausharren und so die vorbeikommenden Lokalpolitiker daran erinnern, dass es bis heute nur eine provisorische Gedenkstätte am Unglücksort gibt.

3000 Unterschriften gesammelt

"Wir wollen, dass die Stadt endlich mal aus dem Quark kommt", sagt Kornelia Hendrix, die Vorsitzende des Vereins. "Es kann nicht sein, dass bis heute die Bürger selber dafür sorgen müssen, dass den Betroffenen am Ort des Unfalls eine Möglichkeit zum Gedenken geboten wird." Die 43-Jährige aus Oberhausen hat zwei Geschwister, die vor einem Jahr selbst auf der Loveparade den Unglückstunnel passiert haben. Die Erlebnisse dieses Tages und die Untätigkeit der Verantwortlichen haben in ihr den Entschluss reifen lassen, sich selbst um die Errichtung einer provisorischen Gedenkstätte zu kümmern. "Viele Menschen, mit denen ich gesprochen habe, wünschen sich ein Mahnmal am Unglücksort selbst und nicht irgendwo in 200 Metern Entfernung", so Hendrix. "Es muss unser Ziel sein, diesen Wunsch der Duisburger umzusetzen."

Um der Forderung Nachdruck zu verleihen, hat der Verein bis heute ungefähr 3000 Unterschriften gesammelt. Ursprünglich war für den gestrigen Sonntag auch eine Kundgebung auf dem Burgplatz angesetzt, bei der noch weitere Unterschriften gesammelt werden sollten, doch diese wurde kurzerhand abgesagt. Der Grund: "Hier ist doch kein Mensch", so Hendrix.

Nur etwa zehn Interessierte versammelten sich um das kleine Infozelt, und dafür eine Tonanlage zu bemühen, erschien den Aktivisten von "Never forget" nicht lohnenswert. Die Interessierten wurden kurzerhand persönlich mit den benötigten Informationen versorgt.

Von diesem Rückschlag allerdings wollen sich die Initiatoren der Mahnwache nicht entmutigen lassen. "Die Verantwortlichen kümmern sich um nichts, weil es ihnen lieber wäre zu vergessen", sagt Vereinsmitglied Johann Tekath trotzig. "Wir kämpfen für die Erinnerung. Die da oben müssen früher oder später was tun, ewig kann man uns nicht ignorieren."

(RP)
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