Duisburg: Kammerkonzert: Gesungene Geschichten

Duisburg : Kammerkonzert: Gesungene Geschichten

Früher, vor allem im 19. Jahrhundert, waren Balladen extrem beliebt. Ursprünglich Tanzlieder (die Bezeichnung kommt von lateinisch "ballare", tanzen), erzählen sie meist traurige oder schaurige Geschichten und wurden oft vertont.

Dass "Romantische Balladen" uns auch heute noch oder wieder ansprechen können, bewiesen jetzt im jüngsten zweiten Kammerkonzert im Theater am Marientor (TaM) Konrad Jarnot (Bariton), David Jerusalem (Bass, aus dem Ensemble der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf/Duisburg), Eric Schneider (Klavier) und Julia Stemberger (Rezitation). Auf dem klugen Programm standen ausschließlich Werke von Carl Loewe (1796-1869) und Hugo Wolf (1860-1903).

Darunter waren natürlich auch Balladen-Hits wie Loewes "Tom der Reimer" (Text: Theodor Fontane nach einer schottischen Ballade) op. 135a und "Die Uhr" (Johann Gabriel Seidl) op. 123 Nr. 3 oder Wolfs "Der Feuerreiter"(Eduard Mörike). Ein besonderer Clou war der "Erlkönig" (Johann Wolfgang von Goethe) - aber eben nicht die bekannte Vertonung des 18-jährigen Franz Schubert, sondern die des 22-jährigen Loewe, mit der sogar Goethe einverstanden war, obwohl er eigentlich schlichte Strophenformen vorzog. Loewes "Erlkönig" erscheint weniger dramatisch als Schuberts, aber gleichfalls atmosphärisch dicht.

Zum Ende der beiden Programm-Hälften gab es jeweils ein besonders attraktives Stück: Loewes "Archibald Douglas" (Fontane) op. 128 über einen Engländer im schottischen Exil beziehungsweise Wolfs witzige Rezensentenschelte "Abschied" (Mörike).

Man kann darüber streiten, ob Wolfs lyrische Mörike-Lieder "Auf einer Wanderung", "Im Frühling" und "An eine Äolsharfe" oder seine tiefsinnigen Goethe-Vertonungen "Grenzen der Menschheit" und Prometheus wirklich in ein Balladen-Programm passen. Jedenfalls glänzten an diesem Abend vier große Künstler. Vor allem der junge Bass begeisterte dadurch, wie er die an sich schon bildhaften Werke durch drastische dramatische Zuspitzung geradezu grell beleuchtete, ohne dabei die Klangschönheit zu vernachlässigen. Und der Pianist erwies sich als mit allen Begleitungs-Wassern gewaschen.

Im nächsten, dritten Kammerkonzert am Sonntag, 18. November, um 19 Uhr, im TaM spielt das Hagen-Quartett die Streichquartette D-Dur op. 18 Nr. 3, A-Dur op. 18 Nr. 5 und Es-Dur op. 127 von Ludwig van Beethoven. Karten unter Tel. 0203 3009-100.

(hod)