Kammerkonzert der Duisburger Philharmoniker

Kammerkonzert in der Philharmonie : Engelchen zum Fliegen gebracht

Das jüngste, vierte Kammerkonzert in der gut gefüllten Philharmonie Mercatorhalle war eine "Weihnachtsmusik aus Assisi".

Die italienische Stadt Assisi, gelegen in Umbrien in der Provinz Perugia, ist der Geburtsort des heiligen Franziskus. Franz von Assisi stammte aus einer reichen Familie, entschied sich für ein Leben in Armut und gründete den Franziskanerorden. Außerdem ist er der Hauptpatron Italiens. Mit dem Bau der Basilika in Assisi wurde schon 1228 begonnen, nur zwei Jahre nach dem Tod des Heiligen. Diese Basilika ist heute die Mutterkirche des Ordens und ein wichtiger Wallfahrtsort. Der „Sacro Convento di San Francesco“ in Assisi birgt außerdem eine große, nur für Wenige zugängliche Bibliothek mit einer Musiksammlung von unschätzbarem Wert. Im jüngsten, vierten Kammerkonzert in der gut gefüllten Philharmonie Mercatorhalle gab es nun ein Weihnachtsprogramm in der Aufführungstradition von Assisi.

Zu hören waren vier Werke für Sopran, Streicher und Basso continuo von drei italienischen Barock-Komponisten aus dem Umkreis des Franziskanerordens und zwei reine Instrumentalwerke von einem dritten, im Charakter teils freudig und teils pastoral. Der mit Abstand bekannteste Programmpunkt war das Concerto grosso „fatto per la notte di natale“ g-Moll op. 6 Nr. 8, in unserem Sorachraum bekannt als „Weihnachtskonzert“, von Arcangelo Corelli (1653-1713). Eine Entdeckung war Fra Francesco Maria Benedetti (1683-1749). Geboren in Assisi, trat er dort sechzehnjährig als Novize in den Franziskanerorden ein. 1706 wurde er erster Organist in Assisi, 1711 dort „Maestro di Cappella“, doch weitere berufliche Stationen führten ihn von 1716 bis 1721 nach Turin und und von 1721 bis 1727 nach Aosta. 1727 kehrte er nach Assisi zurück und wirkte dort bis zu seinem Tod. Von Benedetti erklangen in Duisburg jetzt die „moralische“ Weihnachtskantate „Pastori o voi“ und ein besonders schönes „Salve Regina“. Als willkommenen Kontrast zum etwas schlichteren Musikgeschmack der Franziskaner gab es die virtuosere (um nicht zu sagen opernhaftere) Motette „Stelle lucide“ von dem Neapolitaner Nicola Porpora (1686-1768), der Lehrer der Gesangs-Stars Farinelli und Caffarelli, des Librettisten Pietro Metastasio und des Komponisten Joseph Haydn war außerdem Opern-Kompositions-Konkurrent von Georg Friedrich Händel – diese Motette ist freilich gleichfalls in der Bibliothek des Heiligen Konvents von Assisi überliefert.

Das Originalklang-Ensemble l‘arte del mondo setzte die italienischen Klassiker gekonnt in Szene. Foto: Marie Laforge

Das Originalklang-Ensemble l‘arte del mondo unter seinem Gründer (2004) und Leiter Werner Ehrhardt ist mit diesem Repertoire seit vielen Jahren vertraut. Ihre wissenden und einfühlsamen Aufführungen wirken daher ganz selbstverständlich. In den beiden Concerti grossi von Corelli standen die Violin-Solisten Werner Ehrhardt und Zsuzsanna Czentnár ganz links und rechts außen, so dass sie sich klanglich gut vom Tutti abhoben. Ein besonderer Pluspunkt des Abends war die kleine, aber feine Stimme der chilenisch-italienischen Sopranistin Catalina Bertucci, ausgebildet in Köln und Detmold. Insbesondere der zerbrechlich wirkende Aspekt dieser Musik war bei ihr gut aufgehoben. Die Zugabe war aber dann doch noch einmal das ebenso quirlige wie knappe „Alleluia“ aus Porporas „Stelle lucide“.

Eine gute Ergänzung bildeten auch diesmal die „Live Visuals“ von Teresa Grünhage, sie zeigten auf der großen Rückwand des Saals ein farbenreiches barockes Deckenfresko, das sich allmählich wandelte. Allerdings lenkte das eine oder andere ungeschickt zum Fliegen gebrachte Engelchen dann doch von der Musik ab und im abgedunkelten Zuschauerraum konnte man die im Programmheft abgedruckten Gesangstexte dadurch kaum mitlesen.

Im nächsten, fünften Kammerkonzert am Sonntag, 19. Januar 2020, um 19 Uhr, spielt das unter anderem in Duisburg ausgebildete und inzwischen weltweit erfolgreiche Morgenstern-Trio Klaviertrios von dem dann vor 250 Jahren geborenen Ludwig van Beethoven (Es-Dur op. 70 Nr. 2), Thomas Blomenkamo (eine Uraufführung) und Johannes Brahms (C-Dur op. 87). Karten gibt es am einfachsten per Mail an karten@theater-duisburg.de.