Duisburg: Kahlschlag gegen Drogenverstecke

Duisburg: Kahlschlag gegen Drogenverstecke

Die Bürgerinitiative "Kants Garten" beklagt, dass sich die Drogenproblematik nach dem Runden Tisch im vergangenen Jahr nicht verbessert habe. Gestern wurden Büsche gestutzt, um es für Dealer und Junkies "ungemütlicher" zu machen.

Die Bürgerinitiative "Kants Garten" hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Kantpark zu einem attraktiven Aufenthaltsort in der Stadtmitte zu machen. "Der Ort soll für Kinder und die Bürger schöner werden", so Susanne Breidenbach, Sprecherin der Bürgerbewegung. Nach der Gründung im März dieses Jahres haben die Mitglieder der Initiative besonders den Spielplatz und die angrenzenden Bereiche in den Blick genommen. In Höhe des Parkzugangs an der Tonhallenstraße gedeihen im Sommer unter anderem Stockrosen, Ringelblumen, Mohn und Akeleien. In regelmäßigen Abständen gibt es Gärtnertreffen zur Pflege der Pflanzenvielfalt.

Die Stadt hatte ursprünglich geplant, das kurz zuvor umgestaltete Areal mit Rasen zu begrünen, da kein Geld für regelmäßige Pflanzenpflege zur Verfügung steht. Den Mitgliedern von "Kants Garten" schwebte jedoch eine attraktivere Lösung vor — und so wurden sie selbst aktiv. Auf einem kleinen Basar konnte genug Geld erwirtschaftet werden, um die ersten Blumen und Kräuter anzuschaffen. Das Amt für Umwelt und Grün unterstützte die Bürger bei ihrem Vorhaben und stellte außerdem eine Bank auf.

"Die Leute freuen sich darüber. Bisher gab es zum Glück kaum Verwüstungen", sagte Verena Plettner. "Es ist wirklich schön geworden", findet auch Dorothee Zschocke. Da die hohen Dornensträucher, die den Beetbereich vom Spielplatz trennten, von den Wirtschaftsbetrieben gestutzt wurden, haben die Eltern ihre spielenden Kinder nun stets im Blick. Das entstandene kleine Idyll kann jedoch nicht über die Drogenproblematik hinwegtäuschen, die in der Grünanlage weiterhin allgegenwärtig ist.

Immer wieder Spritzbesteck, Verpackungsmaterial für Drogenutensilien und Deckenlager von Abhängigen gefunden, die sich in dem Bereich aufhalten. Dorothee Zschocke ärgert sich besonders darüber, wie ungeniert und offen die Junkies ihrer Sucht nachgehen. "Als ich am vergangenen Wochenende vormittags hier mit meiner Familie unterwegs war, saßen zwei Jugendliche auf einer Bank und bereiteten in aller Ruhe einen Schuss vor. Alles vor den Augen der Kinder", erzählte sie. "Als ich das gehört habe, ist mir das Blut in den Adern gefroren", so Susanne Breidenbach.

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Gemeinsam mit den Wirtschaftsbetrieben Duisburg unternahm die Bürgerinitiative gestern einen weiteren Versuch, um das Problem zu entschärfen. Mit einem großen Bagger wurden die Büsche zwischen dem Spielplatz und dem Bolzplatz ausgedünnt. Etwa 15 Kubikmeter Grünschnitt kamen in wenigen Stunden zusammen. "Einige Büsche lassen wir stehen, da die Kinder hier gerne toben", sagte eine Mitarbeiterin der Wirtschaftsbetriebe.

Volker Heimann vom Umweltamt erklärte, dass man zwischen verschiedenen Drogenszenen differenzieren müsse. Während es mit den Junkies, die sich am Rande des Parks an der Friedrich-Wilhelm-Straße aufhalten, keine allzu großen Probleme gebe, hielten sich rund um den Spielplatz Personen auf, "die im Verborgenen bleiben wollen und Straftaten begehen", so Heimann. Die nun deutlich freiere Sicht soll Drogendealer und Junkies davon abhalten, das Areal rund um den Spielplatz aufzusuchen. "Es geht darum, den Bereich für diese Leute ungemütlicher zu machen", sagte er.

Polizei und Ordnungsamt sagten der Bürgerinitiative zu, erhöhte Präsenz im Kantpark zu zeigen und stichprobenartig Kontrollen durchzuführen. Da eine flächendeckende Überwachung jedoch nicht möglich ist, appelliert Susanne Breidenbach an jeden Einzelnen, aufmerksam zu sein und sofort die Polizei oder die City-Wache zu kontaktieren, wenn verdächtige Personen gesichtet werden.

"Wir brauchen bürgerliche Zivilcourage und müssen für die Kinder einstehen", so Susanne Breidenbach.

(RP)
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