Duisburg: Kafkas Ausgestoßener als Akzente-Solo

Duisburg : Kafkas Ausgestoßener als Akzente-Solo

"Amerika" ist in dem gleichnamigen Romanfragment von Franz Kafka nicht das Land der Verheißung, sondern des sozialen Abstiegs. Schon die Freiheitsstatue trägt bei Kafka in der Hand keine Fackel, sondern ein Schwert. Der rechtschaffene Held Karl Rossmann wird von der willkürlichen Macht immer wieder schuldlos verurteilt, findet keinen Zugang zur menschlichen und göttlichen Gemeinschaft.

Hamburger Thalia-Theater

Seit fast drei Jahren führt der junge, bereits bestens bewährte Schauspieler Philipp Hochmair an der Spielstätte Gaußstraße (Garage) des Hamburger Thalia-Theaters "Amerika" als eindringliches Solo auf. Jetzt war die Produktion beim Theatertreffen der 34. Duisburger Akzente "500 Jahre Gerhard Mercator - Vom Suchen und Finden" im ganz gefüllten Opernfoyer im Duisburger Theater zu erleben. Regisseur Bastian Kraft hatte den Text auf 75 Minuten eingedampft, es fehlt nichts Wesentliches. Wobei die Bearbeitung etwas Musikalisches hat mit ihren Wiederholungen und motivischen Bezügen. Deutlich wird so die schicksalhafte Endlosschleife, in welcher der Held gefangen ist.

Ganz konventionell wird hier das von Kafka nur halbherzig geschriebene, vorläufige Schlusskapitel als Happy End gedeutet. Den das "Naturtheater von Oklahoma" nimmt jeden auf, heißt jeden willkommen, beschäftigt jeden entsprechend seinen Fähigkeiten und Neigungen - hier auch einige Zuschauer. Die Begeisterung des Publikums hernach war groß.

Philipp Hochmair hat "Amerika" übrigens einmal im Wohnzimmer von Helmut Schmidt aufgeführt. Als er damals am Ende als halbnackter Spezialist für niedere technische Arbeiten namens Negro aus dem verschneiten Garten zurück ins Haus kam, sagte der legendäre Staatsmann zu ihm: "Junge, trink einen Schnaps mit uns, sonst verkühlst du dich."

Die nächsten Schauspiele beim Akzente-Theatertreffen im Stadttheater sind: "Mercator-Projektionen" (heute, 20 Uhr, Schauspiel-Jugendclub); "Leben des Galilei (Freitag und Samstag, 19.30 Uhr, Theater Bonn in Koproduktion mit dem Theater Duisburg); "Der Weg zum Glück" von Ingrid Lausund (Sonntag, 19.30 Uhr, Deutsches Theater Berlin). Karteninfo im Servicebüro des Theaters, Neckarstraße 1, Tel. 0203/ 3009 100.

(hod)
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