Kämmerin Dörte Diemert verlässt Duisburg und wechselt nach Köln

Interview mit Dörte Diemert : Kämmerin geht mit einem weinenden Auge

Die Kämmerin tritt am Donnerstag ihre neue Stelle in Köln an. Ein Rückblick auf drei Jahre Duisburg.

Drei Jahre war Dörte Diemert (44) Kämmerin in Duisburg. Ende 2018 wurde sie zur Finanzdezernentin in Köln gewählt, wo die gebürtige Düsseldorferin mit ihrem Mann lebt. Am Donnerstag ist dort ihr erster Arbeitstag. Im Interview zum Abschied aus Duisburg fordert sie hier wie dort Hilfe bei den Altschulden.

Sie bezeichnen Haushaltskonsolidierung als Marathonlauf. Haben Sie jetzt in Köln eine neue Laufstrecke?

Diemert Zunächst: Mein Wechsel nach Köln ist keine Entscheidung gegen Duisburg. Die Stadt und die Arbeit hier haben mir die Entscheidung schwer gemacht. Ich gehe mit einem weinenden Auge und mit einer Portion Wehmut. Duisburg ist eine hochattraktive Großstadt und alles andere als eine Stadt, die man angeblich fluchtartig verlässt. Die Aufgaben in Köln sind im Grundsatz sehr ähnlich, auch wenn Köln als größte Stadt in Nordrhein-Westfalen andere Dimensionen hat. Köln hat ein Haushaltsvolumen von 4,8 Milliarden Euro, Duisburg von 1,8 Milliarden. Köln ist zwar keine Stärkungspaktkommune, hat sich selbst aber einen Haushaltskonsolidierungskurs verordnet. Da wird es genug zu tun geben.

Was fällt Ihnen zum Begriff der „schwarzen Null“ ein?

Diemert Die schwarze Null ist ein tolles und gutes Signal. Es ist uns in Duisburg gelungen, den Haushalt seit Ende 2015 nach zwei Jahrzehnten roter Zahlen auszugleichen. Das bedeutet für die Zukunft wichtige Handlungsoptionen.

Duisburg bekommt noch bis 2020 Millionenzuschüsse aus dem NRW-Stärkungspakt. Danach muss Duisburg bei der Haushaltssanierung auf eigenen Füßen stehen. Schafft es das?

Diemert Die Voraussetzungen, die wir jetzt geschaffen haben sind gut. Es muss aber auch klar sein, dass der Kurs konsequent eingehalten wird.

Wir haben noch eine Zinsniedrigphase und die Steuereinnahmen sprudeln. Was passiert, wenn das nicht mehr der Fall ist?

Diemert Wir haben die guten Jahre wirklich genutzt, einen soliden Haushalt aufzustellen, der auch eine gewisse Resistenz gegen Schwankungen hat. Er wird nicht beim ersten Gegenwind zusammenbrechen. Aber es gehört zur Ehrlichkeit dazu, dass es Einbrüche geben kann, die so gravierend sind, dass sie nicht sofort aufgefangen werden können.

Wie sieht es bei der Frage der Altschulden bei strukturell belasteten Kommunen gerade im Ruhrgebiet aus?

Diemert Das ist eine große Baustelle, insbesondere für Städte mit hohen Soziallasten. Ich hoffe sehr, dass es im Zuge der Bundeskommission für die Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse Lösungen geben wird. Auch die Landesregierung hat Schritte angekündigt, in Gestalt einer Kredithilfe. Ich wünsche mir idealerweise eine Tilgungshilfe, also auch eine echte Entschuldung. Je länger man wartet und die Zinsen steigen, umso teurer wird es. Die Altschulden müssen auf ein vertretbares Maß zurückgeführt werden. Der Bund muss dabei mit ins Boot, denn er hat im Bereich der Sozialausgaben ganz massiv dazu beigetragen, dass die Schulden so hoch sind.

Duisburg war Ihre erste Station als Kämmerin. Was nehmen sie als Erfahrung mit nach Köln?

Diemert Die Zuversicht, dass man auch vor dicken Brettern nicht zurückschrecken muss. Ich habe gemerkt, dass es ganz wichtig ist, in dieser Funktion eine Art Übermittler, Übersetzer zu sein. So hat die Politik ­berechtigte Erwartungen an eine ­Verwaltung. Zugleich muss man der Politik vermitteln, dass gewisse Dinge eine bestimmte Struktur brauchen und ihr erklären, was geht, was nicht geht. Ich habe hier in Duisburg die Erfahrung gemacht, dass die Politik sehr offen war, viel Verständnis hat und den Kurs der Konsolidierung mitgetragen hat.

Was geben Sie Ihrem Nachfolger als Tipp mit auf den Weg?

Diemert Ich freue mich, dass es eine zügige und sehr gute Anschlussregelung gibt. Martin Murrack kennt sich so gut im Bereich der Finanzen aus, dass ich ihm keine guten Ratschläge geben muss. Ich wünsche ihm das Quäntchen Glück, das man braucht. Ich wünsche ihm und der ganzen Stadt Duisburg, dass es weiter so reibungslos und erfolgreich klappt, wie ich es die drei Jahre empfunden habe.

(-er)