Duisburg: Junge Tänzer arbeiten als Choreografen

Duisburg : Junge Tänzer arbeiten als Choreografen

Der Ballelttabend "Young Moves" hat am Samstag Premiere im Theater der Stadt Duisburg. Dabei wird Tänzerinnen und Tänzern die Chance geboten, eigene Uraufführungen zu entwickeln.

Drei Tänzerinnen und ein Tänzer aus dem Ballett der Deutschen Oper am Rhein wechseln für "Young Moves" die Seiten. In Duisburg präsentieren sie an drei Abenden ihre erste Choreographie, die sie mit ihren Kompagnie-Kollegen erarbeitet haben. Das Projekt erlebt in diesem Jahr seine dritte Premiere. Dabei wird den Tänzern die Chance geboten, eigene Uraufführungen zu entwickeln und ein Gespür für die choreographische Umsetzung zu bekommen.

Von 13 Bewerbern wurden vier ausgewählt, darunter die Amerikanerin Sonia Dvorak (27). "Ich hatte seit langem Lust, das auszuprobieren", sagt sie. "Aber auch großen Respekt davor. Man möchte ja in diesen 20 Minuten ein ordentliches Stück abliefern und braucht eine gute Idee." Die kam ihr schließlich bei der Musik von Tom Waits. "Es fing mit einem Lied an, das mich inspirierte. Dann fand ich andere von ihm, die mich ebenso überzeugten, und so baute sich allmählich alles auf."

Neun Tänzer sind bei "Our Discontent" eingebunden. "Ein Ensemblestück", erklärt sie, "mir geht es darum, die besondere Stimmung in einer Gruppe widerzuspiegeln." Die ist eher düster. Sonia Dvorak aus der Kleinstadt Ithaka im Staat New York entwarf ihr Konzept am Vorabend der Wahl von Donald Trump. Unter dem Eindruck der gesellschaftlichen Umwälzungen konfrontiert sie den "American Dream" mit der realen Atmosphäre in ihrer Heimat, nutzt Emotionen wie Angst und Aggression für ihre Choreographie. "Tom Waits hat eine starke politische Meinung, die in seinen Texten zum Ausdruck kommt. Wenn man jetzt etwas über Amerika machen will, dann ist das sofort politisch. Ich glaube, es geht gar nicht anders."

Auch für die Holländerin Feline van Dijken (32) war die Musik das dominierende Element: "Sonst hätte ich mich wohl kaum beworben." Sie entschied sich für eine Komposition von Norman Dello Joio, entdeckte darin anregende kontrastreiche Emotionen. "Eigentlich spürte ich nie den Drang zu einer eigenen Choreographie", erzählt sie. "Aber dieses Projekt war so verlockend, da wollte ich es wenigstens einmal probieren." Schon vor anderthalb Jahren musste sie ihre Anmeldung abgeben. "Man vergisst das zwischendurch wieder. Aber plötzlich wurde es ernst und zeitlich auch sehr eng. Unerfahren wie ich war, fühlte ich mich schon ein wenig einsam."

Die "Young Moves"-Neulinge bekommen professionelle Begleitung. Feline van Dijken wurde bei "Temet nosce" (was soviel wie "Finde dich selbst" heißt) von Ballettmeisterin Kerstin Feig unterstützt. "Aber bei den ersten Proben war ich ganz allein mit meinem Ensemble", sagt sie. "Nicht ständig beobachtet zu werden, fand ich in dieser Anfangsphase allerdings auch besser. Ich hatte noch gar keine Übung, ich war eine Suchende." Es lag ihr am Herzen, behutsam mit ihren sechs Tänzern umzugehen. "Die Spielzeit ist fast zu Ende, ich weiß, sie sind müde. Also musste ich geduldig bleiben und Kompromisse finden, sie nicht zu sehr auszupowern." Ähnlich drückt es Sonia Dvorak aus: "Vor allem dürfen sie nicht denken, dass ich ihre Zeit verschwende. Für mich war es wichtig, genau zu wissen, was ich will und so gut wie möglich vorbereitet zu sein. Das machte es einfacher. Ich habe diesen ganzen Prozess sehr genossen und würde gerne weitere Choreografien machen."

Ob sie das genau so empfindet, wird Feline van Dijken erst nach der Premiere wissen, vermutet sie. Nichts anderes als ein künstlerischer Beruf war für die Tochter eines Pianisten und einer Tänzerin denkbar. Ihre Mutter arbeitete zeitweise als Assistentin von Hans van Manen, bei dessen Choreographien Feline im Ballett am Rhein, dem sie seit neun Jahren angehört, mittanzte. Damit schließt sich für sie ein Kreis. Die andere Seite kennenzulernen, sei reizvoll gewesen, aber auch schwierig. "Für alles selbst verantwortlich zu sein, auch für Kostüme und Bühnenbild, bereitete mir einige schlaflose Nächte", gibt sie zu. "Jetzt bin ich gespannt, wie die komplette Inszenierung zur Geltung kommt. Und darauf, wie ich mich fühle, wenn ich nicht selber tanze." Aber eines weiß sie schon: "Es ist eine wunderschöne Erfahrung, einen Tänzer auf der Bühne gut aussehen zu lassen."

(RP)