Duisburg: Jetzt heißt es „Marienviertel“

Duisburg: Jetzt heißt es „Marienviertel“

Bei der neunten „Nacht der Architektur“ ging es um den „Wohnraum Innenstadt - Nachbarschaften neu gedacht“. Eine interessierte Hundertschaft nahm an der Führung teil. Beispiele aus Hamburg beeindruckten.

Die Brache gähnt zwischen der historischen Marienkirche und der Müllersgasse, zerschnitten durch die vierspurige Steinsche Gasse, die Bebauung verfällt. Die Grundschule Klosterstraße ist eine Oase im Viertel, beliebt bei den Kindern, die hier ganz problemlos Multikulti sind. Die absterbende Münzstraße führt zum Innenhafen, da wo er noch nicht schick ist, endet an einem einsam herumstehenden Turm der mittelalterlichen Stadtmauer.

Innenstädte wieder attraktiv

Solche Kontraste beherrschen diese Ecke von Duisburgs Altstadt, die spätestens jetzt beim Rundgang im Rahmen der „Nacht der Architektur“ den griffigen Namen „Marienviertel“ bekam. Irgendwann benutzten die schätzungsweise 100 interessierten Besucher ganz selbstverständlich diese Bezeichnung, die zur Identifikation einlädt. Der Trend „Aus grauer Städte Mauern“, scheint gestoppt: Viele Menschen, besonders junge Familien, wollen wieder in den Innenstädten wohnen, wenn es bezahlbar ist. Historische Substanz, Bausünden beim Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg und neue Ideen wie der Masterplan von Lord Norman Foster wurden plastisch erkennbar.

Masterplan von Herrn Fuchs

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Übrigens gab es schon einmal eine Art Masterplan für Duisburg: 1850 von eine gewissen Herrn Fuchs, der die Altstadt durch die Friedrich-Wilhelm-Straße an den damals neuen Bahnhof anschloss und den heutigen Dellplatz als sternförmigen Siedlungskern außerhalb der Mauern anlegte. Zu den wenigen wirklichen Wahrzeichen in der Innenstadt, vor allem eben im Marienviertel, zählen die Schwanentorbrücke – auch als eines der wenigen gelungenen hiesigen Beispiele für die Architektur der 1950er Jahre - und der daneben liegende RWSG-Speicher, in den vielleicht einmal das Landesarchiv einziehen wird. Danach im Wilhelm-Lehmbruck-Museum hatte der Bund Deutscher Architiketen Rechter Niederrhein nicht nur Stärkung auf dem Skulpturenhof vorbereitet, sondern auch eindrucksvolle Vorträge im Lembruck-Trakt. Irmela Quester betonte das Interesse auch der Duisburger Immobilienwirtschaft an den neuen Entwicklungen in der Altstadt.

Kreativität statt Bürokratie

Die Diplom-Geographin Andrea Bestgen-Schneebeck vom Duisburger Amt für Soziales und Wohnen beleuchtete die Sozialstruktur im Bezirk Mitte – sehr gemischt, doch nicht so problematisch wie in Hamborn oder Meiderich. Höhepunkt waren aber die Bilder und Erzählungen der Hamburger Architektin Iris Neitmann, die in Hamburg mit großem Erfolg innerstädtische Wohnprojekte gemeinsam mit den Nutzern realisiert, oft gegen bürokratische Widerstände, aber mit viel Kreativität und Menschenliebe.

(RP)
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