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Duisburg: Jeden Montag nun dasselbe Elend?

Duisburg : Jeden Montag nun dasselbe Elend?

Was vorgestern die Stadt beschäftigte, wird sich in den nächsten Wochen möglicherweise wiederholen. Denn Pegida will sich hier bis zum Sommer an jedem Montagabend versammeln.

Die Großdemo am Montagabend wird vermutlich eine oder gar viele Neuauflagen in den kommenden Wochen erleben. Denn die Pegida-Organisatoren haben sich bis zum Sommer jeweils für Montags angekündigt.

Wäre die Polizei am Montag nicht dazwischen gegangen, gut möglich, dass sich Rechte und Linke dann die Köpfe eingeschlagen hätten. Denn auf beiden Seiten war die Stimmung extrem aufgeladen und Gewaltbereitschaft zu erkennen. Die Rechten sorgten schon allein durch ihr Auftreten (zum Beispiel durch die NPD-Fahnen oder durch die Begrüßung der angereisten "Kameradschaften") immer wieder für Provokationen. Aus den Reihen der Linken, deren Gruppe gleichfalls aus vielen Angereisten bestand, flogen Wurfgegenstände und wurde mehrfach versucht, die Polizeiabsperrungen zu durchbrechen.

 NPD-Landeschef Claus Cremer und Ratsfrau Melanie Händelkes.
NPD-Landeschef Claus Cremer und Ratsfrau Melanie Händelkes. Foto: Christoph Reichwein (crei)

Der Spitze des rechten Flügels dürfte dieses aufgeheizte Klima nicht entgangenen sein, denn unmittelbar nach dem Marsch rund um den Bahnhof beendete Pegida die Veranstaltung, ohne noch mal das Forum zu nutzen, um mit Reden zu polemisieren und zu polarisieren.

 Foto: Archiv
Foto: Archiv Foto: Elke Bartels.
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Wer immer geglaubt hat, dass Pegida und NPD zwei Paare Schuhe sind, konnte am Montag in Duisburg den Gegenbeweis nicht übersehen. Vorne dabei waren der Vorsitzende der NPD in Nordrhein-Westfalen, Claus Cremer, und die Duisburger Ratsfrau dieser Partei, Melanie Händelkes. Unverhohlen hielten die Neonazis NPD-Fahnen in die Höhe. Der Mann im Priestergewand in den Pegida-Reihen, der wie berichtet auch ans Mikophon ging, ist, wie gestern bekannt wurde, ein Kaplan aus Emmerich, gegen dessen islamfeindliche Äußerungen sich gestern das Bistum Münster umgehend verwahrte und ein Predigtverbot aussprach.

Die Polizei versuchte am Montag zwar mit allen Möglichkeiten zu verhindern, dass sich Rechte und Linksautonome in die Quere kommen, doch an der Günterstraße "knallte" es dennoch. Dort hatte ein Täter ein Verkehrsschild aus dem Boden gerissen und damit um sich geschlagen. Er erwischte damit einen Polizeibeamten am Kopf, der nun wegen einer schweren Gehirn erschütterung für längere Zeit ausfällt. Zwei seiner Kollegen wurden von Wurfgeschossen so unglücklich getroffen, dass sie gleichfalls ihre Arbeit vorerst nicht fortsetzen können. Nur die Polizeibeamtin, die in dem Tumult stürzte und sich verletzte, ist wieder dienstfähig.

Die Gewalt gegen Polizeibeamte ist (noch) lange kein Grund, die Demos in Duisburg zu verbieten. Und unabhängig von ihrer eigenen politischen Gesinnung: Polizeibeamte sind zur Neutralität verpflichtet und müssen in solchen Situationen eine Eskalation verhindern.

Bis zum Ende dieser Woche wird feststehen, ob die islamfeindliche Bewegung ihre Ankündigung wahrmacht und ob und wie die bürgerliche Gesellschaft in Duisburg auf neue Pegida-Demos reagiert. Als eindrucksvoll erwies sich am Montagabend, dass in der Innenstadt an vielen öffentlichen und auch privaten Gebäuden das Licht abgeschaltet wurde.

(RP)