Duisburg: Jazz-Band swingt im HundertMeister

Duisburg : Jazz-Band swingt im HundertMeister

Eine "Small Big Band" im Stil der 30er Jahre bot der wieder genesene Jazz-Promoter Bernd Albani, kurz vor seiner New Orleans-Reise, in der ausverkauften Kulturzentrale HundertMeister.

Stilistische Flexibilität bis hin zur Beliebigkeit gab es nicht zu hören. Perlen des Blues, des Dixieland und des Swing wurden unwiderstehlich prickelnd und atemberaubend präsentiert.

Okay, hier und da gab es im Bläsersatz einige Unebenheiten, hatte man doch in dieser Band gleich zwei starke Trompeter, die gegensätzlicher nicht hätten sein können.

Colin T. Dawson, ein kraftvoller, sehr extrovertierter Jazz-Trompeter mit Swing im Blut. Daneben Andrey Lobanov, ein irgendwie klassischer hochsensibler Trompeter mit ausgesprochen schönem, warmen, lyrischem Seelenklang und geschmeidigem Verve.

In der gleichen Preisklasse gesellte sich Altmeister Rainer Sander und war schlicht und ergreifend einfach stilsicher und exzellent swingend. Dagegen präsentierte sich der Posaunist Fritz Stewens, mit ausgesprochen schönem Klangkörper, ein wenig zu introvertiert, was dem Satzblasen eher schadete.

Hervorragend die Rhythmusgruppe mit dem einfallsreich spielenden Pianisten Thilo Wagner, Altmeister Jürgen Hinz an der gefühlvollen Swing-Gitarre. Spektakulär am Bass war Peter Cischeck und schließlich Florian Hermann an dem wohlsortierten Drum Set und seinem schillernden, meisterhaften Schlagzeugspiel.

Wie man auf der Website der Allotria Jazz Band nachlesen kann, heißt "allotrios", aus dem Griechischen übersetzt, wörtlich: sonderbar, fremdartig. Heute im bayerisch-bajuwarischen wäre der Sinn: Unfug, Alberei.

Die Musik der Allotria Jazz Band ist weder Unfug noch Alberei, sondern eine schöne, gekonnte Reminiszenz der "guten alten Zeit", als die Klangräusche von Ellington, Goodman & Co noch swingen lernten.

Das Klangbild der Allotria Jazz Band war modern transponiert, rund und frisch mit wenig routiniertem Füllwerk, auf den Punkt genau; und traf in die Herzen des hiesigen, wirklich jazzverliebten Duisburger Publikums. Die Moderation dieser sagenhaften "Small Big Band" könnte etwas spritziger, humorvoller und ein wenig redseliger, eben bajuwarischer gestaltet werden.

Viel Applaus und einige unüberhörbare Bravi!

(RP)
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