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Duisburg: Italienisch und Gänsehaut-verdächtig

Duisburg : Italienisch und Gänsehaut-verdächtig

Höhepunkt des jüngsten, achten Philharmonischen Konzerts im Theater am Marientor (TaM) war die frühe "Messa di Gloria" von dem Opernkomponisten Giacomo Puccini. Dabei war auch der philharmonische chor duisburg.

Klar, dass der 1965 in Rom geborene Giordano Bellincampi in seiner ersten Saison als neuer Duisburger Generalmusikdirektor auch einmal einen Abend mit italienischer Musik gestalten wollte. Im jüngsten, achten Philharmonischen Konzert im Theater am Marientor (TaM) war es soweit, und auf dem Programm standen drei dem Gesang gewidmete, süffige und eher leicht zu konsumierende Werke.

Es begann mit jener dritten Suite der Reihe "Antiche Danze ed Arie", in der Ottorino Respighi 1931 Lautenmusik des 17. Jahrhunderts frei und fantasievoll für Streichorchester bearbeitete - eine Musik, die in keine Schublade passt, eine faszinierende Mischung aus Renaissance, Barock, Romantik und Moderne. Bellincampi betonte mit den hoch motivierten Streichern der Philharmoniker den schwelgerisch-sanglichen Aspekt dieser Musik, teilweise, indem er die Angaben des Komponisten zum häufigen An- und Abschwellen beim Wort nahm. Dass einige Stellen solistisch ausgeführt wurden, steht so allerdings nicht in Respighis Partitur.

Danach gab es fünf frühe Lieder (1880-1889) von Gustav Mahler, ein Jahrhundert später subtil orchestriert von Luciano Berio, als "respektvoll- und liebevolles Mittel der Analyse und Verwandlung", also etwa so wie es Komponist selbst später gemacht hätte. Das sind teils heitere, teils düstere Lieder, überwiegend auf Texten aus der romantischen Volksliedersammlung "Des Knaben Wunderhorn". Sehr eindrucksvoll, wie Berio mit winzigen Schattierungen vor allem der Bläserfarben seismographisch genau die jeweilige Atmosphäre akzentuierte. Gänsehaut-verdächtig etwa, wie in "Zu Straßburg auf der Schanz" jenes Alphorn angedeutet wird, das den heimwehkranken Erzähler veranlasste, auf die andere Rheinseite zu schwimmen – nun wird er als Deserteur hingerichtet werden. Als Solist im TaM hatte der Bariton Ivan Ludlow zwar die notwendige Sensibilität für diese Musik, nicht aber die innere Kraft. Da machten es die Duisburger Philharmoniker mit Bellincampi besser, sie erzeugten die perfekt passende lakonische Intensität.

Höhepunkt nach der Pause war jene "Messa di Gloria", mit der sich der spätere große Opernkomonist Giacomo Puccini 1880 mit 22 Jahren würdig in seine Dynastie von Kirchenmusikern im toskanischen Lucca einreihte. Das ist eine großartige Mischung aus strengem Kirchen- und weltlichem Opernstil, aus Einflüssen von Vincenzo Bellini, Charles Gounod und Giuseppe Verdi einerseits und einer vielversprechenden Genieprobe andererseits. Zu Lebzeiten des Komponisten gab es nur eine einzige Aufführung, daher konnte Puccini Material aus seiner Messe in einigen seiner Opern wiederverwenden, nämlich in seiner allerersten Oper "Edgar" und in seiner ersten Erfolgsoper "Manon Lescaut", in Letzterer nämlich das abschließende, ruhige "Agnus Dei" als "Madrigal". Erst 1951 holte ein gewisser Fra Dante del Fiorentino das Werk wieder aus einem Werk in Lucca hervor. Er war es, der dem Werk den missverständlichen Titel "Messa di Gloria" gab - damit ist eigentlich eine Messe nur aus "Kyrie" und " Gloria" gemeint - aber immerhin ist das "Gloria" der umfangreichste Teil der Vertonung, und unter diesem Namen wurde das Werk bekannt. Der Komponist hatte es nur "Messa a 4 voci con orchestra" ("Messe zu vier Stimmen mit Orchester") genannt.

Im Philharmonischen Konzert kamen hier dazu der erstklassige Belcanto-Tenor Dominic Natoli, der von Christine Zywietz-Godland und Hermann Godland einstudierte Landesjugendchor NRW und nicht zuletzt der von Marcus Strümpe einstudierte philharmonische chor duisburg. Der "verjüngte" Chor brachte die Puccini Messe ebenso diszipliniert wie leidenschaftlich auf den Punkt, und der GMD als versierter Opern-Dirigent trieb die theatralischen Elemente erfolgreich auf die Spitze.

(hod)