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Duisburg: Intelligent und ausdrucksvoll

Duisburg : Intelligent und ausdrucksvoll

Im jüngsten, achten Kammerkonzert in der Philharmonie Mercatorhalle sprang der junge und vorzügliche Bariton Günter Papendell ein. Er sang Franz Schuberts "Schwanengesang", am Klavier begleitet von Stefan Vladar.

Im jüngsten, achten Kammerkonzert in der Duisburger Philharmonie Mercatorhalle gab es eine größere Programmänderung. Der Star-Bariton Bo Skovhus war so stark erkältet, dass er seinen Auftritt in unserer Stadt kurzfristig absagen musste. Wie Philharmonie-Intendant Dr. Alfred Wendel zu Beginn des Kammerkonzerts berichtete, wurde daher in Deutschland und Österreich herumtelefoniert: "Wir haben Günter Papendell dann auf dem Weg nach Berlin erreicht. Er sagte zu, sich zuhause einen neuen Anzug zu besorgen und dann gleich zu uns zu kommen."

Doch in der ersten Hälfte des Konzerts gab Skovhus' Klavierbegleiter Stefan Vladar, Duisburgs "Artist in Residence" der laufenden Saison (die RP berichtete) erst einmal einen kleinen Klavierabend. Er griff verständlicher Weise auf eine seiner Kernkompetenzen zurück, nämlich die Musik der Wiener Klassik, mit drei bekannten Klavierstücken von Wolfgang Amadeus Mozart und der späten Klaviersonate Es-Dur Hob. XVI:52 von Joseph Haydn. Zwar wirkte hier vor allem manche schnelle Passage etwas glatt gebügelt, so in Mozarts Rondo D-Dur KV 484 und Fantasie d-Moll KV 385g sowie in den beiden Ecksätzen der Haydn-Sonate. Aber Mozarts Adagio h-Moll KV 540 und der langsame Mittelsatz der Haydn-Sonate strahlten tiefsinnige Ruhe aus, und Stefan Vladar wies eindrücklich den Weg dieser Werke zwischen dem verspielten Rokoko und den kraftvollen Neuerungen eines Ludwig van Beethoven.

Nach der Pause gab es dann wie geplant den "Schwanengesang" D 957 von Franz Schubert. Allerdings nicht in der von Bo Skovhus vorgesehenen erweiterten Fassung, sondern wie üblich als sieben Lieder nach Gedichten von Ludwig Rellstab und sechs Lieder nach Gedichten von Heinrich Heine. Günter Papendell war hier weit mehr als ein Ersatz. Zwar bekommt man von diesem Bariton keine perfekt fokussierte Stimme geboten. Aber man erlebt in ihm einen außergewöhnlich intelligenten und ausdrucksvollen Künstler. Papendell und Vladar wuchsen im Kammerkonzert erschütternd über sich hinaus - und zugleich zu einem erstklassigen Duo zusammen, was auch angesichts der kurzen Vorbereitungszeit eindrucksvoll wirkte.

Als erste der beiden Zugaben kam dann das, was an dieser Stelle immer kommt, nämlich Schuberts lose zum "Schwanengesang" gehörendes Lied "Die Taubenpost" D 965 A nach einem Gedicht von Johann Gabriel Seidl über die Sehnsucht als "Die Botin treuen Sinns".

(hod)