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Innovationszentrum in Duisburg: Die neue Wasserstoff-Hauptstadt

Millionen-Förderung für Duisburg : Die neue Wasserstoff-Hauptstadt

Mehr als 100 Millionen Euro fließen für ein Zentrum für Wasserstoff-Technologie nach Duisburg. Hunderte Jobs sollen nun in der Stadt entstehen. Oberbürgermeister Sören Link hat am Freitag das Campusgelände der Uni besucht. Dort wird der Aufbau geplant.

Ein bisschen hatte Peter Beckhaus die Entscheidung aus Berlin ja erwartet. „Wir sind sehr zufrieden. Das Innovationszentrum für Wasserstofftechnologie wird das Beschäftigungspotenzial in Duisburg steigern“, sagte der Geschäftsführer des Zentrums für Brennstoffzellen-Technik (ZBT) der Universität Duisburg-Essen am Freitag auf dem Campusgelände in Neudorf. Die Rede ist von einigen „hunderten Jobs“, die in den kommenden Jahren in Duisburg entstehen sollen. Der Standort Duisburg soll in Zukunft eine zentrale Rolle in der deutschen Energiewende spielen.

Oberbürgermeister Sören Link (SPD) hat sich einen Tag nach Bekanntwerden der millionenschweren Förderung für ein Wasserstoff-Innovationszentrum (ITZ) in Duisburg vor Ort über die Pläne informiert. Zusammen mit einer SPD-Delegation besuchte er am Freitag das ZBT, das sich federführend um den Aufbau des Zentrums auf dem Gelände der Hüttenwerke Krupp-Mannesmann (HKM) kümmern wird. Dabei waren unter anderem der SPD-Landeschef Thomas Kutschaty und die beiden Duisburger Bundestagsabgeordneten Bärbel Bas und Mahmut Özdemir.

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Link zeigte sich erfreut über den Zuschlag und lobte das Konzept. „Das ist eine Chance für Duisburg. Hier entscheidet sich die Wasserstoffzukunft  Deutschlands.“ Beckhaus betonte, die 60 Millionen Euro, die der Bund nun nach Duisburg gibt, seien viel Geld. „Es ist großartig, was hier gelaufen ist“, so der Geschäftsführer des ZBT.

Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hatte am Donnerstag nach einem Spitzengespräch mit Energie- und Industrieunternehmen und Verbänden den Zuschlag für den Standort Duisburg verkündet. Demnach wird der Bund das Wasserstoff-Zentrum mit 60 Millionen Euro fördern, das Land gibt noch einmal 50 Millionen dazu. Geplant ist der Aufbau bis zum Jahr 2025. Neben Duisburg werden auch Chemnitz, Pfeffenhausen (Landkreis Landshut) und ein Verbund von drei Küstenorten Teil des ITZ.

 Hier soll der Wasserstoff bald eingesetzt werden: Auf dem Gelände von HKM am Rheinufer in Hüttenheim.
Hier soll der Wasserstoff bald eingesetzt werden: Auf dem Gelände von HKM am Rheinufer in Hüttenheim. Foto: Norbert Prümen

Das Forschungszentrum Jülich soll im Rheinischen Braunkohle-Revier zudem ein Helmholtz-Cluster für Wasserstoffwirtschaft aufbauen. Der Bund unterstützt das mit 860 Millionen Euro. Das Bundeswirtschaftsministerium hat ferner die Unterstützung einer Konzeptstudie zur Transformation des Ruhrgebiets in eine führende Wasserstoffmodellregion zugesagt. „Wasserstoff ist das Schlüsselelement für die klimaneutrale Transformation der Industrie“, sagte Laschet. Ein Viertel der CO2-Emissionen in NRW könne allein durch Wasserstoff eingespart werden.

Bei einem Besuch im vergangenen Jahr hatte NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart die Vorreiterrolle Duisburgs bei der neuen Technologie betont, nicht zuletzt durch das ZBT an der Universität Duisburg-Essen und dem Einsatz von Wasserstoff bei der Roheisenproduktion bei Thyssenkrupp.

Wie berichtet will Thyssenkrupp bereits 2025 mit Hilfe einer neuen Direktreduktionsanlage 400.000 Tonnen „grünen Stahl“ produzieren. Auch dafür wird Wasserstoff gebraucht. Zur Grundsteinlegung der Anlage waren im August 2020 auch Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet nach Duisburg gekommen. Thyssenkrupp-Konzernchefin Martina Merz hatte schon damals darauf hingewiesen, dass die Klimaneutralität in der Stahlindustrie ohne finanzielle staatliche Hilfen nicht zu stemmen sei. Altmaier hatte auf das „Handlungskonzept Stahl“ des Bundes verwiesen. Da der Investitionsbedarf der deutschen Stahlindustrie insgesamt aber deutlich höher sei, müsse auch die EU im Rahmen des „Green Deal“ dafür gerade stehen.

Bislang ist geplant, dass der Wasserstoff über Pipelines nach Duisburg kommt. Thyssenkrupp Steel und HKM prüfen gemeinsam mit dem Hafen Rotterdam den Aufbau von internationalen Lieferketten für Wasserstoff. Im Fokus steht dabei ein Pipeline-Korridor aus den Niederlanden zu den Produktionsstandorten von Thyssenkrupp im Duisburger Norden und von HKM im südlichen Stadtgebiet.

(atrie/mtm)