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Duisburg: Immer noch keine verbindliche Lösung

Duisburg : Immer noch keine verbindliche Lösung

Die Zugsicherung für die U-Bahn muss in Duisburg und Düsseldorf dringend erneuert werden. Statt jetzt gemeinsam auszuschreiben, braucht Duisburg noch Zeit. Hier soll jetzt die DVG aktiv werden.

Böse Zungen behaupten gelegentlich, dass das Beste an Duisburg die Straßenbahnlinie U 79 nach Düsseldorf sei. Und nun droht die Gefahr, dass gerade diese Linie nicht mehr wie heute "bedient" werden kann. Die Düsseldorfer Rheinbahn will alsbald ihre Ausschreibung zur Erneuerung der Zugsicherung europaweit veröffentlichen. Duisburg würde gerne mitmachen, hat aber kein Geld. Am Dienstag gab es ein Telefongespräch zwischen den Verantwortlichen der beiden Städte, an dessen Ende quasi die Bitte der Duisburger stand, ihnen noch etwas Zeit einzuräumen.

Der Hintergrund ist bekannt: Das Zugsicherungssystem basiert auf Computern aus Uropas Zeiten — in der Landeshauptstadt wie in Duisburg. Noch finden sich Fachleute, die die 386-er Computer mit den Nadeldruckern steuern und reparieren können. Noch gibt es Ersatzteile. Doch in wenigen Jahren wird das nicht mehr der Fall sein. Fällt die Technik aus, stehen die Bahnen still. Rund 100 Millionen Euro müssen die beiden Städte zusammen für die Modernisierung in die Hand nehmen (Duisburg etwa 38 Millionen) und damit Geld, das zumindest unser Kämmerer nicht hat. Immerhin würde sich der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) hier mit acht Millionen beteiligen. Rund 20 Millionen Euro könnte die Stadt vielleicht "zusammenkratzen", weil sie für ihre Kredite weniger Zinsen hat bezahlen müssen, als im Haushalt 2013 eingeplant.

Die Stadt- und die DVG-Spitze haben sich nun überlegt, die Zugsicherung von der Stadt auf die Duisburger Verkehrsbetriebe zu übertragen. Die DVG hat zwar auch kein Geld, weil sich am Nahverkehr nicht verdienen lässt, könnten sich aber über Kredite die benötigte Restsumme besorgen — so das Gedankenspiel. Eigentlich wollten die Düsseldorfer bis zum Ende der Woche eine verbindliche Aussage, haben aber wohl in Aussicht gestellt, die Ausschreibung so zu formulieren, dass die Duisburger auch zwischendurch noch auf den Zug springen können. Schreiben beide Kommunen gemeinsam den Auftrag aus, verspricht das später einen Umbau aus einer Hand und niedrigere Kosten, als wenn jeder seinen Weg alleine geht.

Zumindest in Duisburg wurde seit Inbetriebnahme der U-Bahn vor zwei Jahrzehnten nicht genug zurückgelegt, um eine neue Technik kaufen zu können — allen Warnungen und Mahnungen zum Trotz. Hier wie in Düsseldorf besteht inzwischen die Auffassung, dass das Land NRW bzw. der Bund solche großen Investitionen eigentlich genau so fördern müsste, wie damals den Bau der U-Bahnen (90 Prozent Fördermittel). Denn neben Düsseldorf und Duisburg haben auch die anderen U-Bahn-Kommunen im Land vergleichbare Probleme.

Schreiben Duisburg und Düsseldorf gemeinsam aus, soll sichergestellt sein, dass die Duisburger bei der Auftragsvergabe (im Sommer 2014) noch einen Rückzieher machen müssen, weil ihnen dann doch das Geld fehlt. Wäre das der Fall, könnte die Rheinbahn die U 79 nur noch bis zur Haltestelle Froschenteich "bedienen". Und wer nach Duisburg will, müsste dann umsteigen. Denn die moderne und die alte Technik werden nicht kompatibel sein. Ein solches Szenario wollen beide Städte verhindern.

Eigentlich müssten die Duisburger Verkehrsbetriebe in den kommenden Jahren auch neue Straßenbahnzüge kaufen, etwa 47 an der Zahl zu einem Gesamtpreis von rund 150 bis 200 Millionen Euro. Hilfe vom Verkehrsverbund Rhein-Ruhr ist dabei nicht zu erwarten. Der VRR überweist den Städten in seinem Verbreitungsgebiet seit Jahren Pauschalbeträge, die für den Nahverkehr verwendet werden sollten, aber oft in den kommunalen Haushaltskassen verschwinden.

Wie die DVG einen derart großen Einkauf finanzieren will, darauf hatte jüngst beim RP-Redaktionsgespräch auch der zuständige Geschäftsführer Klaus Wandelenus noch keine Antwort. Denn Busse und Bahnen fahren Jahr für Jahr Miese ein, die aus der Stadtkasse ausgeglichen werden müssen. Die DVG kann nicht darauf bauen, dass der Mutterkonzern DVV tief ins Portemonnaie greift. Denn er hat selbst schon genug Probleme damit, das anstehende Restrukturierungskonzept abzuwickeln und sich für den immer härter werdenden Wettbewerb zu rüsten.

(RP)