Nachbarschaftsstreit vor Gericht: "Ich stech' dich ab, du bestrahlst mich nicht mehr!"

Nachbarschaftsstreit vor Gericht: "Ich stech' dich ab, du bestrahlst mich nicht mehr!"

Im Dezember stach ein Mann aus Duisburg auf seinen Nachbarn ein und verletzte ihn schwer. Das Duisburger Landgericht ordnete nach einer umfangreichen Beweisaufnahme am Donnerstag die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an.

Der 57-Jährige war zur Tatzeit nicht schuldfähig, lautete das Fazit. Er ist psychisch krank. Im Dezember vergangenen Jahres hatte er wie so oft unter der Wahnvorstellung gelitten, er werde von seinem Nachbarn mit Röntgenstrahlen durch die Zimmerdecke bestrahlt. Daraufhin hatte er ihn mit einem Messer aufgesucht und angegriffen. Dass er tatsächlich daran glaubt, war während aller Prozesstage offensichtlich. Immer wieder unterbrach er die Verhandlung, um seine Erkenntnisse über feindliche Angriffe mitzuteilen.

Einem Polizeibeamten im Zeugenstand hielt er vor, er hätte schon im Jahr 2001 eine Richtantenne und eine Wärmebildkamera aus der Wohnung eines ehemaligen Nachbarn geholt. "Ich wurde von der Duisburger Polizei bestrahlt", versicherte er. Die Staatsanwältin sagte: "Er hat mit Tötungsabsicht auf ihn eingestochen." Den versuchten Totschlag habe er aber im Zustand der Schuldunfähigkeit begangen. "Ich stech' dich ab, du bestrahlst mich auf keinen Fall mehr!" hatte er gerufen, als er auf den Nachbarn losging. Er habe die Strahlen nicht mehr aushalten können. Er selber hatte am ersten Verhandlungstag gesagt: "Ich wollte ihm nur in die Hände stechen, damit er das Gerät nicht mehr bedienen kann."

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Ein Facharzt für Psychiatrie hatte den Duisburger eingehend untersucht und ein Gutachten vorgelegt. Das Problem sei nicht allein seine Krankheit, sondern dass er sich selber für nicht psychisch gestört hält. Der Mann leide unter einem ausgeprägten Verfolgungswahn, unter anderem unter akustischen Halluzinationen. Seit zehn Jahren seien vermeintliche Angriffe dokumentiert. Früher sei es allerdings um Magnetfelder gegangen.

Ganz klar liege eine schizophrene Erkrankung vor. Der Sachverständige sprach weiter von einer ungünstigen Behandlungsprognose. Alle bisherigen Behandlungen hätten keinen Erfolg gebracht. In den letzten Jahren stand der Beschuldigte schon unter Betreuung. Seine Medikamente werde er auch zukünftig nicht ohne Druck einnehmen, folgerte der Facharzt. Der erneute Einsatz körperlicher Gewalt sei nicht auszuschließen. Deshalb sei eine dauerhafte Unterbringung die einzige Alternative.

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