Thomas Krützberg: "Ich bin kein Mann für schnelle Fälle"

Thomas Krützberg: "Ich bin kein Mann für schnelle Fälle"

Der Beigeordnete leitete bislang das Dezernat für Familie, Bildung und Kultur. Jetzt kommt das Sozialdezernat hinzu. Er bemühe sich, die Lebensverhältnisse der Menschen zu verbessern, sagt er. Die Netzwerke in der Stadt seien großes Plus.

Seit kurzem sind Sie nicht nur Dezernent für Familie, Bildung und Kultur, sondern auch noch zuständig fürs Soziale...

Krützberg Zur Zeit bin ich noch kommissarischer Sozialdezernent, ab dem 1. Januar dann auch ganz offiziell...

Wie sehen Sie selber Ihre Rolle in der Stadt: Sind Sie eine Art Feuerwehrmann?

Krützberg Nein, das glaube ich nicht. Jedenfalls bin ich kein Mann für schnelle Fälle. Ich sehe meine Stärken eher in der konzeptionellen Arbeit. Ich glaube, dass man mich zum Dezenten gewählt hat, weil ich als Jugendamtsleiter zeigen konnte, dass ich strukturiert ein großes Arbeitspensum bewältigen kann.

Konrad Schilling, Ihr markanter Vorgänger, war zunächst Schul- und Bildungsdezernent, später dann "nur noch" Kulturdezernent. Konzentriert auf diese Aufgabe, hat er anerkanntermaßen sehr viel geleistet. Ist Ihre Aufgabenansammlung nicht schlichtweg zuviel.

Krützberg Klar, das ist eine Menge. Aber die Kombination von Bildung, Kultur, Jugend und Familie sowie Soziales hat auch Vorteile, weil sich die einzelnen Bereiche durchaus immer wieder überschneiden.

Worin sehen Sie selber ihre wichtigste Aufgabe?

Krützberg Meine Kernaufgabe sehe ich darin, die Lebensverhältnisse der Menschen zu verbessern. Und zwar von Beginn an bis ins hohe Alter. In dieser Stadt gibt es beispielsweise immer noch zu wenig Kurzzeitpflegeplätze für alte Menschen, die Betreuung brauchen. Positiv sehe ich, dass wir so viele Kindergartenplätze anbieten können, wie sie gefordert sind. Jedenfalls muss man hier in der Stadt keinen Kindergartenplatz einklagen, wie anderenorts schon geschehen ist. Als eine Herausforderung ist die Erkenntnis, dass Bildung und Integration zusammengehören. Zum Leben in einer Stadt wie Duisburg gehört auch ein Kulturangebot, das die Menschen auf verschiedene Weise bereichern kann. Wichtig ist mir, dass jeder Mensch, der hier lebt, Chancen ergreifen kann.

Wie bewältigen Sie Ihr Arbeitspensum?

krützberg Das ist wirklich nicht ganz einfach. Ich bin da auch auf die Unterstützung meiner Familie angewiesen, die da mitzieht. Zu schaffen ist das meiner Meinung nach nur, wenn man die vielen Zeitfresser vermeidet. Ich versuche, die Dienstgespräche so kurz und effizient wie möglich zu halten. Meine Mitarbeiter wissen das, ohne dass sie befürchten müssen, mir fehle es an Empathie. Und natürlich: Wenn es nötig ist, nehme ich mir viel Zeit.

Dass die Stadt wegen ihrer notorisch klammen Haushaltslage Probleme hat, ist hier allgemein bekannt. Wo sehen Sie denn für Ihre Bereiche Stärken.

Krützberg Hier gibt es gute Netzwerke, sowohl bei Hauptamtlichen als auch bei Ehrenamtlichen. Es gibt vermutlich nicht viele Städte unserer Größenordnung, in dem so gut zusammengearbeitet wird wie hier in Duisburg. Es hört sich vielleicht pathetisch an, aber hier in Duisburg arbeiten noch viele mit Herzblut in ihren Aufgabengebieten. Ich finde auch, dass eine multikulturelle Gesellschaft, wie man sie hier finden kann, bereichernd ist. Denken Sie nur daran, wie viele Menschen in der Stadt mehrsprachig sind. Viele türkischstämmige Duisburger sprechen gutes Hochdeutsch und beherrschen zugleich ihre Muttersprache. Das ist doch toll!

Sie waren gerade als Dezernent im Amt, da haben Sie die Initiative für einen Kulturentwicklungsplan für die Stadt ergriffen. Erweist sich dieses Projekt mittlerweile als undurchführbar?

Krützberg Ich stehe nach wie vor zum Kulturentwicklungsplan. Man muss allerdings sehen, dass wir es dabei nicht mit einem reinen Zahlenwerk - wie bei anderen Plänen - zu tun haben, vielmehr geht es um Vorstellungen, Ansprüche und Ziele von Menschen, die zu recht beteiligt sein wollen. Man muss diesen Beteiligungsprozess aushalten. Es dauert eben oft lange, bis man einigermaßen einvernehmlich auseinandergehen kann. Aber die Arbeit an diesem Kulturentwicklungsplan macht auch Spaß, wenn man, wie ich, gerne in Duisburg lebt.

Und wann ist dieser Plan abgeschlossen?

Krützberg Vermutlich bleibt der Kulturentwicklungsplan eine Daueraufgabe. Ist eine Frage beantwortet, tun sich bald neue Fragen auf. Gleichwohl muss man ein Kapitel nach dem anderen behandeln. Ende April soll es eine große Konferenz der Duisburger Kulturschaffenden geben. Diese Konferenz könnte ein Meilenstein im Duisburger Kulturleben werden.

(pk)