Unwetter über NRW trifft auch Duisburg: Hunderte Bahnreisende stranden am Duisburger Hauptbahnhof

Unwetter über NRW trifft auch Duisburg : Hunderte Bahnreisende stranden am Duisburger Hauptbahnhof

Nach dem schweren Unwetter, das in der Nacht von Montag auf Dienstag über NRW hinweggezogen ist, sind am Dienstagmorgen hunderte Fahrgäste am Duisburger Hauptbahnhof gestrandet. Viele von ihnen wussten bis zum Mittag nicht, ob und wie sie an diesem Tag noch an ihr Reiseziel gelangen sollten. Und wieder stand die Informationspolitik der Deutschen Bahn in der Kritik.

"Ich fühle mich verloren und verlassen. Wir sind hier vollkommen auf uns gestellt", sagt Ute Oberlein. Sie steht am Dienstagvormittag in der Schlange vor dem Reisezentrum der Deutschen Bahn in der Halle des Duisburger Hauptbahnhofes. Seit 14 Stunden ist sie unterwegs. Gestartet am Montagabend in Amsterdam in den Niederlanden, hätte sie eigentlich um 10 Uhr am Dienstagmorgen zuhause in Plauen in Sachen sein sollen.

Doch um 11.30 Uhr steht sie immer noch in der Bahnhofshalle in Duisburg - und die Verzweiflung wächst. Die Nacht hat sie in einem Zug von Amsterdam nach Oberhausen verbracht. Dort war dann Endstation. Von dort ist sie am Morgen mit einem Regionalzug nach Duisburg gekommen. Und hier geht es nun seit Stunden nicht mehr weiter. "Wir erfahren nichts. Erst heißt es, es gibt Gutscheine für Taxifahrten, dann gehen diese aus", erzählt sie. Wie all den anderen Menschen im Bahnhof bleibt ihr nur eines übrig: Warten.

Ansagen der Bahn sorgen für Verwirrung

Denn in NRW ist der Zugverkehr an diesem Vormittag vielerorts zum Erliegen gekommen. Auf der Anzeigetafel in der Bahnhofshalle in Duisburg steht deshalb auch nur "Bitte Ansagen beachten". Doch diese kommen nur vereinzelt - und wenn dann mal eine Ansage zu hören ist, lautet diese in etwa so: "Auf Gleis 3 steht nun ein Regionalexpress zur Weiterfahrt nach Düsseldorf. Oh, ich höre gerade: Der Regionalzug nach Düsseldorf ist bereits überfüllt. Wir bitten Sie, auf einen späteren Zug zu warten." Jacqueline Weyers, die auf dem Weg nach Köln ist, hat ein Bahn-Mitarbeiter geraten, erst am Mittwoch zu fahren.

Warten ist hier ohnehin das Gebot der Stunde. Die drei Engländer Lydia I'anson, Ella Minchin und Grant S. sind am Morgen genau wie Ute Oberlein aus Amsterdam gekommen und warten nun auf Informationen, ob, wann und wie sie ihre Reise nach Prag fortsetzen können. "Unser Nachtzug hatte einen planmäßigen Aufenthalt in Oberhausen", erzählt Grant S.. Eigentlich sollte dieser Halt eine Stunde dauern. "Wir haben geschlafen, und als wir am Morgen aufwachten, waren wir immer noch in Oberhausen." Nun sitzen sie mit ihren Wanderrucksäcken in der Bahnhofshalle in Duisburg in der Schlange vor dem DB Reisezentrum. Immerhin hat die Deutsche Bahn Wasser verteilt, die das Warten bei sommerlichen Temperaturen etwas erträglicher machen.

Teilweise haarsträubende Geschichten

Auf der Homepage der Deutschen Bahn war auch am Dienstagnachmittag noch zu lesen, dass der Bahnverkehr zwischen Dortmund, Essen, Düsseldorf und Köln sowie zwischen Dortmund, Gelsenkirchen und Duisburg still steht. Wer da in Duisburg am Hauptbahnhof sitzt, hat schlechte Karten. Das gilt auch für Dorothee H. aus Krefeld, die am Abend ihre Fähre zur Insel Juist erwischen will. "Meine Eltern sind derzeit allein auf der Insel und ich will sie besuchen. Es wäre schlecht, wenn ich es nicht mehr bis heute Abend schaffe, denn sie sind schon älter und auf meine Hilfe angewiesen", erzählt sie.

Jeder, der am Dienstagmorgen in der Bahnhofshalle anzutreffen ist, hat eine ähnliche Geschichte zu erzählen. Teilweise ist es haarsträubend, was den Fahrgästen seit Montagabend passiert ist. Britta Schuldt erzählt, dass sie am Montagnachmittag aus Den Haag in den Niederlanden abgereist ist. Am Abend kam sie in Duisburg an. Dort ging nichts mehr. Die Bahn bezahlte für sie eine Übernachtung im Hotel. Andere Wartende erzählen jedoch, dass Mitarbeiter der Bahn ihnen gesagt hätten, sie müssten für eine Hotelübernachtung selbst bezahlen. Das Chaos und die Verwirrung sind ob der widersprüchlichen oder mangelnden Informationen bei Vielen groß.

Informationspolitik der Bahn mal wieder in der Kritik

Auch Julia Bala kann von der schlechten Informationspolitik der Bahn ein Lied singen. Sie war am Montagabend auf dem Weg von Duisburg nach Stuttgart, als ihr Zug in Köln zum Halten kam. Dort saßen sie und ihre Mitreisenden etwa fünf Stunden lang wartend im Zug, wie sie erzählt. "Dann gab es die Durchsage: Bitte alle aussteigen." Mitarbeiter der Bahn versichterten den Fahrgästen, dass man sich um eine alternative Weiterfahrt oder um ein Hotel für die Nacht kümmern würde. "Doch als ich in die Bahnhofshalle des Kölner Hauptbahnhofs kam, war dort kein Bahn-Mitarbeiter zu sehen", erinnert sich Bala. "Da herrschte das absolute Chaos, der Servicepoint der Bahn war überfüllt."

Am Ende wurde Julia Bala gegen zwei Uhr nachts in Köln von ihrer Schwester mit dem Auto abgeholt. Am Dienstagmorgen steht sie nun wieder in Duisburg am Bahnhof und hofft, dass sie heute ihrem Ziel Stuttgart etwas näher kommt. Doch bislang sieht es schlecht aus. NRW-Innenminister Jäger eklärte am Dienstagmittag, er gehe davon aus, dass die Verkehrsbehinderungen auf Straße und Schiene noch mehrere Tage andauern werden.

Weitere Fahrgäste, die am Dienstagmorgen am Duisburger Hauptbahnhof gestrandet waren, kommen in unserer Bilderstrecke zu Wort.

Hier lesen Sie, wie das Unwetter andere Städte in der Region getroffen hat.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Unwetter über NRW: Stillstand am Hauptbahnhof Duisburg

(lsa)
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