Hotel-Gasthof „Zur Linde“ in Friemersheim feiert 60. Geburtstag

Traditionslokal in Friemersheim : Hotel-Gasthof „Zur Linde“ feiert 60. Geburtstag

Die Inhaber Peter und Beate Alders verraten ihr Rezept für den Spagat zwischen Tradition und Moderne. Ein Besuch in Friemersheim.

Während so viele Konkurrenten in der Duisburger Gastronomie aufgeben mussten, feiert der Hotel-Gasthof „Zur Linde“ im Februar seinen 60. Geburtstag.

Da hatten Rosi und Willi Alders offenbar den richtigen Riecher, als sie am Silvestertag 1958 die gutbürgerliche Biergaststätte auf dem Schelmenweg/Ecke Sedanstraße übernahmen. Die Entscheidung war ein kleines berufliches Abenteuer, denn eigentlich hatte Willi Alders etwas anderes gelernt. Er war Dreher bei der Demag, hatte aber nebenbei gekellnert und Feuer gefangen. Da seine Frau Rosi eine hervorragende Köchin war, wagten sie das Experiment. Voller Tatendrang zog die Familie von Hamborn nach Rheinhausen und ließ sich im Schatten der alten Linde nieder.

Peter Alders kann sich noch sehr gut an seine bewegte Kindheit in der Gaststätte erinnern. „Das war toll, bei uns war immer etwas los“, sagt der 55-Jährige. Jede Menge Thekengäste tummelten sich schon morgens zum Frühschoppen bei den Alders. Jubel, Trubel, Heiterkeit. Dazu deftige Küche, eine Kegelbahn und auch damals schon Hotelbetrieb. Rosi und Willi Alders brachten die Gaststätte auf Vordermann – und vererbten ihre Leidenschaft an die Kinder. Tochter Gisela stieg früh in das Geschäft mit ein und stand den Eltern zur Seite. Heute führt ihr jüngerer Bruder Peter Regie in Küche und Hotel. Das macht auch er nicht alleine. Gemeinsam mit seiner Frau Beate hat er den Betrieb vor 25 Jahren übernommen, als der Vater starb.

Wie verändert sich ein solcher Traditionsgasthof in einem Vierteljahrhundert unter neuer Führung? „Wir wollten dem alten Gasthof nicht die Seele herausreißen“, umschreibt der Chef das Konzept der behutsamen Modernisierung. Peter Alders lernte das Kochen bei Steigenberger, seine Frau ist Hotelkauffrau mit grünen Wurzeln. Ihre Eltern hatten einen Gartenbetrieb. Beide reisen gerne, sind neugierig, schauen über den Tellerrand, holen sich Inspirationen beim Asienurlaub oder dem Besuch ihrer Kinder in Frankfurt. Diese Mischung macht’s. Eine Inneneinrichtung mit viel Holz, eine Portion Moderne, Blumenschmuck und Deko der Chefin und auf den Tellern niederrheinische und mediterrane Küche, gewürzt mit kreativen Einflüssen aus aller Welt.

Auf der aktuellen Speisekarte steht das klassische „Himmel und Erde“ mit gebratenem Flönz neben den Rotbarschmedaillons mit Shrimps-Cremolata und Zucchini-Rahmfettuccini. Die Schweinefiletmedaillons auf Morchel-Champignon-Confit mit Cognacrahm und Spinat-Semmeltalern sind zwischen Rheinischem Sauerbraten vom Reh und Wiener Schnitzel zu finden.

Aber das alleine taugt noch nicht zum Erfolgsrezept. „Früher hat man immer gesagt, die Küche ist das Wichtigste“, sagt Peter Alders. „Heute weiß man, dass der Service mindestens genauso viel zählt.“ Das heißt: Wenn die Kellnerin unfreundlich und die Serviette schmutzig ist, dann kann sich der Koch noch so anstrengen: Einen zufriedenen Gast wird er nach dem Essen nicht verabschieden. Aber ebenso gilt: Selbst wenn der Gast glücklich isst und wiederkommt, muss der Chef noch mehr können. „Wir brauchen verschiedene Standbeine“, erklärt Peter Alders das Überlebensrezept. Die Gastronomie funktioniert im Gasthof Zur Linde nur im Zusammenspiel mit dem Hotelbetrieb (sieben Zimmer, zwei Sterne Superior) und der Kegelbahn.

Letztere ist hier in Friemersheim tatsächlich immer noch ein Dauerbrenner und ein wichtiger Teil des Unternehmens. „Die Kunst ist, das alles so zu verbinden, dass der Gast auf der Kegelbahn genauso zufrieden ist wie der Gast im Restaurant, der ein Fünf-Gang-Menü bestellt hat.“ Im Schatten der Friemersheimer Linde funktioniert das – seit 60 Jahren!

(jum)
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