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Duisburg: Hochzeit beim Klavier-Festival Ruhr

Duisburg : Hochzeit beim Klavier-Festival Ruhr

Das inklusive Education-Projekt "Hochzeit! - Les Noces" in und um die ausverkaufte Gebläsehalle im Landschaftspark Nord vereinte Grundschüler, Förderschüler und Gymnasiasten aus Duisburg um Strawinskys Ballett-Kantate.

Der türkische Musiker zückt das Rohrblatt und bläst in seine durchdringende traditionelle Schalmei "Zurna", dank Zirkularatmung minutenlang pausenlos, trommelnd angetrieben von einem kleinen Jungen. Ein kleiner Förderschüler fängt sofort spontan an, dazu zu tanzen,

Die Szene vor der Gebläsehalle im Landschaftspark Nord schien typisch für die große Abschlussveranstaltung von "Hochzeit! - Les Noces", dem bislang größten und ambitioniertesten Education-Projekt des Klavier-Festivals Ruhr. Ausgangspunkt war die Ballett-Kantate "Les Noces" ("Die Hochzeit") für Solisten, Chor, vier Klaviere und sechs Schlagzeuger. Zu diesem Werk ließ sich der russische Komponist Igor Strawinsky von Hochzeitsritualen seiner Heimat inspirieren. Im Exil, von 1914 in der Schweiz bis zur Uraufführung 1923 in Paris, setze er sich so mit seinen kulturellen Wurzeln auseinander. Nun leistet das Klavier-Festival seit 2006 verdienstvolle Basisarbeit in Marxloh, wo es mit der Weseler Straße eine einzigartige "Hochzeitsmeile" mit über 50 türkischen Brautmodengeschäften gibt. Außerdem spielen Hochzeiten in der Lebenswelt und den Herkunftskulturen vieler Projekt-Teilnehmer - von denen je nach Schule bis zu 90 Prozent einen Migrationshintergrund haben - eine wichtige Rolle.

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Mehr als 200 Grundschüler, Förderschüler und Gymnasiasten hatten sich während des Schuljahres 2012/2013 mit dem Thema "Hochzeit" und Strawinskys Musik beschäftigt. Wichtige Ziele waren es dabei, die Kinder und Jugendlichen zu eigener schöpferischer Arbeit zu ermutigen und ihnen neue musische und soziale Erfahrungen zu ermöglichen. Darüber hinaus sollte durch die schulübergreifende künstlerische Zusammenarbeit der Kontakt und Austausch zwischen den beteiligten Bildungseinrichtungen befördert werden. In einem ersten Projektmodul entwickelten eine vierte Klasse des Grundschule Sandstraße und eine fünfte Klasse des Elly-Heuss-Knapp-Gymnasiums unter der Leitung des Grundschullehrers Klaus Hagge und der Choreographin Petra Jebavy eine knapp halbstündige Folge von Tanzszenen mit Musik unter dem Titel "Hochzeitsfest". Das reichte dann vom traditionellen Muezzinruf mit Hennaritual bis zu Anfang und Ende von "Les Noces", live gespielt. Das eigentliche Ereignis des Abends war dann die abschließende Gesamtaufführung der Ballett-Kantate. Zum einen durch die erstklassige musikalische Ausführung: Zum fast 60-köpfigen Ensemble zählten neben der bewährten Festival-Pianistin Tamara Stefanovich, dem wie immer perfekten ChorWerk Ruhr unter seinem künstlerischen Leiter Florian Helgath und dem Schlagzeuger Kersten Stahlbaum aus den Reihen der Duisburger Philharmoniker auch zwei Meisterschüler von Pierre-Laurent Aimard, junge Gesangs-Solisten sowie Schlagzeug-Studierende der Hochschule für Musik und Tanz Köln.

Zum anderen und vor allem aber durch die ebenso schlichte wie hochpoetische Choreographie von Yasha Wang, entwickelt mit rund 50 Schülern des Elly-Heuss-Knapp-Gymnasiums, der Grundschule Henriettenstraße und der Buchholzer Waldschule, einer Förderschule mit dem Schwerpunkt "Geistige Entwicklung". Das Ganze erschien als ein Triumph der inklusiven Kulturarbeit, der Jubel war groß.

Strawinskys "Les Noces" wurde gestern Abend in der Gebläsehalle noch einmal konzertant aufgeführt. Ein Bericht folgt.

(hod)