Duisburg: Historischer Startschuss

Duisburg : Historischer Startschuss

An der Lise-Meitner-Gesamtschule fiel gestern Morgen um 10.30 Uhr der Startschuss für den alevitischen Religionsunterricht. Schulministerin Sylvia Löhrmann nahm an der ersten Unterrichtsstunde mit 15 Schülern teil.

Rheinhausen "Was erwartet ihr vom alevitischen Religionsunterricht?", fragt Schulministerin Sylvia Löhrmann in den Klassenraum. Die 15 Schüler blicken auf ihre Tische. Sie überlegen. Dann meldet sich Ugur Can: "Wir sollen uns mehr wie zu Hause fühlen", gibt der Zwölfjährige als Antwort und lächelt. Damit hat der Schüler der Lise-Meitner-Gesamtschule den Nagel auf den Kopf getroffen, wie Löhrmann findet: "Damit, dass hier der alevitische Religionsunterricht angeboten wird, möchten wir deutlich machen: Ihr gehört hier hin, und ihr habt das Recht, in Deutschland eure Religion frei auszuüben."

Gestern fiel in Rheinhausen der Startschuss für den ersten alevitischen Religionsunterricht deutschlandweit. Für insgesamt 21 Schüler der Rheinhauser Schule steht das neue Unterrichtsfach seit gestern auf dem Stundenplan. Damit haben sie als erste Schüler in Deutschland die Möglichkeit, mehr über ihre Religion zu lernen. Die Lise-Meitner-Gesamtschule wird somit zum Vorreiter. "An einigen Grundschulen wird das Alevitentum bereits unterrichtet. Wir sind nun die erste weiterführende Schule, die dieses Konzept fortführt und das Fach nach dem Lehrplan unterrichtet", erklärte Schulleiter Jürgen Petrasch.

Viel Musik im Unterricht

Er war froh, dass sich die Schulministerin, die sich für die Umsetzung starkgemacht hat, Zeit nahm, und der ersten Unterrichtsstunde beiwohnte. "Was ich über das Alevitentum weiß, ist, dass es viel mit Musik zu tun hat", sagte Sylvia Löhrmann und wurde prompt in ihrem Wissen bestätigt. Musikalisch begleitet von der 17-jährigen Deniz Özkan auf ihrer Baglama — einem türkischen Musikinstrument ähnlich einer Gitarre — stand die Frage nach dem Menschenbild im Mittelpunkt der ersten Unterrichtsstunde.

"Inhaltlich soll es in diesem Fach darum gehen, Wissen zu vermitteln, geschichtliche Aspekte zu durchleuchten und Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu anderen Religionen zu finden", erklärte Lehrer Ekrem Sahin. Er unterrichtete bislang die Fächer Mathematik und Technik und ist einer von deutschlandweit 20 Lehrern, die eine Zertifizierung für das Unterrichten des alevitischen Religionsunterrichts haben.

Zunächst soll das neue Fach, dessen offizieller Lehrplan gestern in Kraft getreten ist, jahrgangsübergreifend unterrichtet werden. Elf Fünft- und Sechstklässler nehmen bereits seit dem Sommer an diesem Fach teil. Seit gestern haben auch zehn Siebt- bis Neuntklässler das Fach auf ihrem Stundenplan. Die Teilnahme ist freiwillig. Insgesamt zwei Stunden sollen pro Woche unterrichtet werden. Dabei gelten die gleichen Regeln wie für den evangelischen und katholischen Religionsunterricht: Es gibt einen offiziellen Lehrplan und am Ende des Halbjahres auch eine Note.

Mehr zu dem neuen Angebot im Internet unter www.rp-online.de/duisburg

(RP/rl)