1. NRW
  2. Städte
  3. Duisburg

Duisburg: Historische Glocke geht auf Reisen

Duisburg : Historische Glocke geht auf Reisen

Die Glocke der Christuskirche aus dem Jahr 1678 wird jetzt in den Niederlanden repariert.

Es war schon ein imposantes Bild, das sich Vorbeispazierenden gestern Morgen auf der Friedensstraße bot: Ganz vorsichtig hob ein Autokran des örtlichen Bauunternehmers Schmidt eine der drei Kirchenglocken der Christuskirche aus einem Schallfenster im Turm heraus und ließ sie sachte auf einen Transporter nieder. Der gehörte der Glockengießerei Royal Eijsbouts in Asten in den Niederlanden. Dort wird das wertvolle "Schwergewicht" - 1882 Kilogramm wiegt die Glocke aus dem Jahr 1678 - jetzt restauriert.

Beim Herablassen wurde auch sehr gut der Schaden an der Glocke sichtbar. Ein großes Stück am Rand ist herausgebrochen. Geschehen war dies bereits im Jahr 1904, in der Nacht vom 18. auf den 19. November. Damals war es noch üblich, einen Feueralarm durch Hammerschläge auf eine Kirchenglocke bekanntzugeben. Genau das tat der Küster der Gemeinde in jener Nacht, denn auf dem nahegelegenen Heckhof war eine Scheune in Brand geraten: Er stieg auf den Turm, schlug wie üblich auf die Glocke ein - und plötzlich brach ein mehrere Kilogramm schweres Stück aus dem Glockenmund heraus.

In den folgenden mehr als einhundert Jahren wurde die Glocke trotz des großen Schadens weiter geläutet. Erst 2010 warnte eine Fachfirma, dass sich Risse an der Schadensstelle gebildet hätten und die Gefahr bestünde, dass die Glocke völlig zerstört werden könnte. Die Gemeinde legte die Glocke daraufhin still und sammelte Geld für eine Sanierung.

Vielen fleißigen Spendern ist es zu verdanken, dass die Glocke, die 1678 von dem Gießermeister Jean Bourlet in Utrecht gefertigt wurde, nun repariert werden kann. Die niederländische Firma, erklärt Baukirchmeisterin Cordula Ingendahl, werde ungefähr sechs Wochen für das Abformen und Anschweißen der fehlenden Teile und des Kronenhenkels benötigen. Eine neue denkmalgerechte Aufhängung an Eichenjochen sei ebenfalls vorgesehen. Die Gesamtkosten belaufen sich auf etwa 35 000 Euro.

(RP)