Duisburg: Hierarchisches Denken ist ihm fremd

Duisburg: Hierarchisches Denken ist ihm fremd

Drei Monate nach seiner Ernennung durch Ruhrbischof Franz Josef Overbeck ist Roland Winkelmann in einem Wortgottesdienst in der Karmelkirche als Stadtdechant offiziell vorgestellt worden.

Bereits seit Anfang des Jahres stand Roland Winkelmann, Pfarrer der Großgemeinde St. Judas Thaddäus im Duisburger Süden, als Nachfolger von Bernhard Lücking fest. Doch erst am Mittwochabend wurde Winkelmann während eines Gottesdienstes in der Karmelkirche als neuer Stadtdechant der Öffentlichkeit vorgestellt.

Mit Winkelmann werde ein Mann Repräsentant der katholischen Kirche in Duisburg, der die Stadt genau kennt, sagte in seiner Ansprache Domkapitular Kai Reinhold, der auch Personaldezernent des Bistums ist. Roland Winkelmann ist in Duisburg geboren, ging hier zur Schule, studierte in Bochum und Trier, war nach einigen Kaplansjahren außerhalb der Stadt gleich wieder in Duisburg als Pastor (Wanheimerort, Mündelheim und Serm). Nun ist er Pfarrer, zuständig für alle katholischen Gemeinden im Duisburger Süden. Reinhold lobte Winkelmanns "positive Ausstrahlung" und dessen Humor, der angesichts der vielen Probleme, mit denen die katholische Kirche in der Stadt konfrontiert sei, wie beispielsweise die Kirchenschließungen, gewiss sehr hilfreich sei.

Der Gottesdienst war geprägt von langen Wechselgebeten von Priester und Gemeinde, die aus dem Gotteslob vorgelesen wurden. Den musikalischen Part übernahm mit großem Zuspruch der Chor "Klangfarben" unter Leitung von Gregor Nachtwey.

Winkelmann selber hielt eine kurze Ansprache, in der ein wenig sein Selbstverständnis von seinem neuen Amt, vor dem er "großen Respekt" habe, zum Ausdruck kam. Er berichtete da von einer kleinen Begebenheit mit zwei älteren Gottesdienstbesucherinnen, die ihn, angesichts seiner Wahl zum Stadtdechanten, baten, "dafür zu sorgen, dass in der Liebfrauenkirche wieder heilige Messen gefeiert werden". Als Winkelmann die beiden Damen auf den für die Gemeinde Liebfrauen zuständigen Pastor verwies und sagte, dass er sich ohnehin erstmal mit der ganzen Problematik vertraut machen müsse, zeigten sich die Damen enttäuscht. Nicht ohne Ironie wies Winkelmann darauf hin, dass viele, die mit einer Situation nicht zufrieden sind, den unmittelbaren Gesprächspartner ignorierten und sich an die nächst höhere Instanz wendeten. Dabei wagte er einen kleinen listigen Seitenhieb auf die deutschen Bischöfe, die sich bei der ein oder anderen strittigen Frage an den Vatikan gewandt hatten. "Solch ein hierarchisches Denken ist mir aber fremd", sagte Winkelmann. Er verstehe sich als "Begleiter" der Menschen. Ihm sei es wichtig, auf Augenhöhe miteinander umzugehen. Am Schluss erbat er den Segen vom "menschenfreundlichen Gott".

Die Grußworte wurden nicht beim Empfang im katholischen Stadthaus gesprochen, sondern - nach einer Pause mit Gesang - im Anschluss an den Gottesdienst in der Kirche. Vertreter der Karmelgemeinde sprachen dabei ihre fortlaufende Gastfreundschaft aus, und Lutz Peller vom Arbeitskreis christlicher Kirchen lud zur weiteren bewährten Zusammenarbeit ein. Ausführlicher sprach Daniel Wörmann, Vorsitzender des Katholikenrats der Stadt Duisburg, der neben Winkelmann die Stadtkirche repräsentiert und der auch an der Wahl des Stadtdechanten beteiligt ist.

Wörmann sprach den Wunsch aus, dass die katholische Kirche in Duisburg ihre positiven Ansätze verstärkt sichtbar machen solle, frei nach der Devise: "Tue Gutes und rede darüber." Winkelmann möge dazu beitragen, dass die katholische Kirche ihr Profil in der Stadt stärke. In diesem Zusammenhang kündigte Wörmann an, dass die katholische Kirche wieder eine Pressestelle einrichten wird, die vor zwölf Jahren aus finanziellen Gründen vom Bistum Essen aufgelöst worden war, was viele für einen großen Fehler halten. Die neue Pressestelle wird nicht vom Bistum, sondern über den Etat der Stadtkirche finanziert. Die neue Pressestelle wird im Rahmen des vieldiskutierten und umstrittenen Pfarrentwicklungsplans eingerichtet.

Einen Ratschlag für den neuen Stadtdechanten fand Wörmann bei Franz von Assisi. Dem wird das Zitat zugeschrieben: "Tu' zuerst das Nötige, dann das Mögliche, und plötzlich schaffst du das Unmögliche."

(pk)