Duisburg: Helge Schneider - live besser als im TV

Duisburg : Helge Schneider - live besser als im TV

Helge Schneider startete nach der "00 Schneider"-Pause wieder in die Tournee. Er begeisterte im Theater am Marientor seine Fans mit Musik und Nonsens.

"Pretty Joe und die Dorfschönheiten" — so nennt Musikclown Helge Schneider sein neues Programm. Doch wer "Helge" kennt weiß, dass die Programmnamen wenig bis gar nichts mit dem Geschehen auf der Bühne gemein haben. Wer Helge kennt, weiß aber auch, dass der Altmeister vor allem durch die skurrilen Geschichten, Anekdoten und Liedtexte besticht, so auch im TaM. Hinter Teekoch Bodo trottete Schneider langsam auf die Bühne und positionierte sich vor der Band. In der tummelten sich einige alte Weggefährten des Mülheimer Künstlers, so zum Beispiel Sandro Giampiedro an der Gitarre, Mukkerszenen-Urgestein Willi Ketzer am Schlagzeug und an den Holzblasinstrumenten Carlos Boes, der als Musikschullehrer schon einigen Duisburgern das Saxophon näher gebracht hat. Beinahe nostalgisch wurden Helge-Fans beim Anblick von Percussionist Peter Thoms, der in Schneiders erster Band "Hardcore" zusammen mit Buddy Casino für die Musik gesorgt hatte. Musikalisch ging es gewohnt jazzig zu, sodass nicht nur die Band, sondern auch Helge Schneider selbst seine ganze Brillanz als Musiker zeigen konnte.

Über den hervorragenden musikalischen Teppich sang "Helge" Klassiker und neue Lieder, vom Meisenmann mit Kunstturner und "Superstar" Sergej Gleithman bis zum aktuellen "To be a man". Was in und zwischen den Liedern passiert, lässt sich nur bedingt in Worte fassen und ist genau das, was Helge Schneider zu der Legende gemacht hat, die er heute ist. Mit nasaler Stimme spinnt der Meister der absurden Erzählungen Nonsens-Geschichten über entlaufene Katzen, verlängerte Brüste, die in Fahrradspeichen hängen bleiben und Theatertee, der eigentlich nur Wasser ist. Was jeden anderen Menschen in Gefahr bringen würde, eingewiesen zu werden, erhält durch den unnachahmlichen Vortrag eine Komik, die es in dieser Form kein zweites Mal gibt.

"Ganz Deutschland und Europa identifiziert sich mit meinem Lied "Katzenklo"", sagt Helge dann, oder rechtfertigt den dunkeln Zuschauerraum damit, dass er "mal sehen will, wie sich ein Maulwurf fühlt". Wie ein einziger, wilder Gedankengang wirkt das Programm, das sich zwar nicht wirklich von früheren Shows unterscheidet, durch den Künstler aber selbst dann noch für Lachkrämpfe sorgt, wenn viele der Geschichten schon längst bekannt sind. Halbtonreich und mit lautem Flamenco-Gesang zog Schneider die spanische Musik durch den Kakao und berichtete von Kohlrouladen und KöPi im China-Restaurant "Mykonos".

Einige Geheimnisse und Weisheiten hatte der Altmeister seinen Zuschauern auch mitgebracht, zum Beispiel den Grund für Tina Turners Wohnsitz in der Schweiz. Nicht etwa die Steuern, sondern die Berge haben die Sängerin nach Europa getrieben, denn "mit Stöckelschuhen bergauf laufen ist wie geradeaus". Brandaktuell enthüllte er außerdem, dass Steuersünder wie Alice Schwarzer nur kleine Fische seien. "Ohne mich würde es die Schweiz gar nicht geben", bemerkte Schneider beiläufig. Nach einer tollen Darbietung des Standards "Misty" kehrte Helge Schneider für das improvisierte "Duisburg, Duisburg, Duisburg" auf die Bühne zurück und bescherte dem Publikum einen ganz besonderen Konzertabschluss. Für den Studenten Wali Habibi war es das erste Livekonzert des Mülheimers. "Live ist er um ein vielfaches besser als im Fernsehen", meinte der Duisburger hinterher.

(jos)
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