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Duisburg: Helfer zurück im Alltag

Duisburg : Helfer zurück im Alltag

Am Dienstag ist Ralf Heuberg aus Nepal zurückgekehrt, gestern saß er schon wieder am Arbeitsplatz. Viel Zeit, sich von den Strapazen des Einsatzes im Erdbebengebiet zu erholen und die dort gesammelten Eindrücke zu verarbeiten, bleibt da nicht. "Das ist immer so nach einem Einsatz. Wir legen hier direkt wieder los", sagt der Feuerwehrmann.

Heuberg war mit 51 weiteren Freiwilligen der Hilfsorganisation ISAR Germany in Nepal. Am 26. April, einen Tag nach dem Erdbeben, hatten sich die Spezialisten aus den Bereichen Katastrophenschutz, Feuerwehr und Rettungsdienst sowie Mitglieder des Bundesverbands Rettungshunde mit sieben Suchhunden auf den Weg dorthin gemacht. Im Gepäck hatten sie 15 Tonnen Material - unter anderem eine Wasseraufbereitungsanlage und Medikamente, die sie vor Ort der Organisation "Apotheker ohne Grenzen" übergaben. Nachdem das Camp auf einem Militärgelände in der Hauptstadt Kathmandu aufgebaut war, begann die Arbeit der Einsatzkräfte.

Heuberg erinnert sich an die vielen Nepalesen, die sich aus Angst vor weiteren schweren Beben draußen mit Planen provisorische Zelte aufgebaut hatten und darin verharrten. "Erst nach und nach kehrten sie in ihre Häuser zurück", erzählt der 52-Jährige. Dann seien sie aber schnell wieder zum Alltag übergegangen. Geschäfte öffneten, die Leute gingen wieder zur Arbeit. "Das war im Zentrum Kathmandus so", betont Heuberg hingegen. Viele abgelegene Bergregionen seien nach wie vor von der Außenwelt abgeschnitten. Bis heute wisse man zum Teil nicht, wie die Lage dort aussieht, wie viele Tote und Verletzte es gibt. "Das liegt vor allem an der Infrastruktur des Landes", sagt der 52-Jährige. "Es gibt meines Wissens nach nur sechs staatliche Hubschrauber und vier Piloten, die in die Berge fliegen können." Wer Glück hat, dem gelingt es, anderswo einen Hubschrauber zu chartern.

Die Hauptaufgabe der ISAR-Helfer war die Suche nach Vermissten. "Das war jedoch besonders schwierig in Nepal", sagt Heuberg. Dies sei vor allem auf die Beschaffenheit der Trümmer zurückzuführen. "Wenn massive Häuser aus Beton einstürzen, entstehen große Hohlräume, in denen die Menschen auch noch einige Tage überleben können", erklärt er. In Nepal seien es jedoch vor allem Lehm-, Holz und Hütten aus Ziegelsteinen gewesen, die das Erdbeben zum Einsturz brachte. "Das führt dazu, dass die Nepalesen schon kurz nach dem Beben mit einfachen Mitteln Verschüttete bergen konnten. Oder aber die Menschen waren so tief verschüttet, dass sie nicht überleben konnten, weil es kaum Luft zum Atmen gab. Dann hatten auch wir mit unseren Rettungshunden keine Chance, sie noch lebend zu bergen."

Zwei Tage lang suchten die ISAR-Helfer in Kathmandu nach Überlebenden - ohne Erfolg. "Die Vereinten Nationen wiesen uns dann eine andere Einsatzstelle zu", erläutert Thomas Laackmann, der den ISAR-Einsatz in Nepal leitete. Die Truppe fuhr weiter nach Gorkha und unterstützte das Personal im dortigen Krankenhaus bei der medizinischen Versorgung von Verletzten. "Das Krankenhaus war zwar nicht zerstört worden, der Betrieb funktionierte einwandfrei. Aber das Personal war einfach müde und erschöpft", sagt Laackmann, der hauptberuflich als Krankenpfleger arbeitet. Die Lage dort, sagt er, sei zum Glück nicht so dramatisch gewesen wie beispielsweise beim schweren Erdbeben in Haiti 2010. Die meisten Patienten im Hospital von Gorkha hätten nur leichtere Verletzungen gehabt, etwa Knochenbrüche, Schnittverletzungen und infizierte Wunden.

(RP)