Duisburg: Heldenleben in der Schusterei

Duisburg: Heldenleben in der Schusterei

Die Ruhrorter Ausstellungsreihe "Kunstinzwischenzeit" geht in die dritte und letzte Runde: In drei leerstehenden Ladenlokalen zeigen Künstler Werke, die man durch die Schaufenster Tag und Nacht besichtigen kann.

Seit einigen Jahren gewinnt der Ruhrort zunehmend an Charme. Bei den Akzenten 2010, als der Duisburger Hafenstadtteil im Mittelpunkt der so genannten "Local Hero"-Woche stand, haben diesen Charme Tausende Menschen kennenlernen können. Allerdings nahmen die nicht wenigen leerstehenden Ladenlokale etwas von diesem Reiz.

Das von den beiden Künstlerinnen Stacey Blatt und Elisabeth Höller initiierte Projekt "Kunstinzwischenzeit" benötigt aber gerade diese leerstehenden Ladenlokale, in denen meist junge Künstler aus der Region Werke zeigen, die durch die Schaufenster Tag und Nacht besichtigt werden können. In den vergangenen beiden Monaten haben zehn Künstler die "Kunstinzwischenzeit" genutzt. Gestern wurde die dritte und letzte Runde des Schaufenster-Ausstellungsprojekts vorgestellt, das bis zum 28. August bei einem Rundgang durch Ruhrorts Straßen kostenlos besichtigt werden kann.

In der Fleischerei

In der ehemaligen Fleischerei Mayer (Neumarkt 21) zeigt Martin Gensheimer sein Video "Nr. 8". Martin Gensheimer war Teilnehmer des Kulturhauptstadt-Projekts von Jochen Gerz "2-3 Straßen", bei dem kreative Menschen zum Beispiel in einem Haus an der Sankt-Johann-Straße 3 in Hochfeld für ein Jahr leben konnten. Mit der Aufforderung, im Stadtteil mit Erneuerungsbedarf für frischen kulturellen Wind zu sorgen. Martin Gensheimer blickte von seinem Fenster aus auf das gegenüberliegende Haus an der Sankt-Johann-Straße "Nr. 8", das eine Zeitlang eingerüstet und mit einer Plane bedeckt war. Ein 35-minütiges Video hat die sonnigen, mit einem Windhauch aufgelockerten Augenblicke aus dem Fenster eingefangen.

"BS" als Maß aller Dinge

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In einem Schaufenster an der Fabrikstraße 4 (ehemalige Schusterei) installiert Fee Brandenburg (sie heißt wirklich so) Objektkästen mit selber entwickeltem Animationsfilm, bei der es um Heldenleben geht. Das Ganze ist durchaus ironisch-sarkastisch gemeint und kann auf unterschiedliche Weise gedeutet werden.

Nebenan klebt der junge Künstler (Stefan) Becker Schmitz ein Quadrat, das Größe und Maße seines Körpers repräsentiert und deshalb "Das Maß aller Dinge" repräsentiert. Mit der Maßeinheit BS (=Becker Schmitz) kann, so der gewitzte Künstler, auch die Fläche von Duisburg oder Europas gemessen werden.

Eine facettenreiche Installation findet man schließlich in der ehemaligen Kneipe "Zum Freihafen" (Fabrikstraße 23a). Die Künstlerinnen Christina Böckler, Susan Feind, Friederike Huft und Kerstin Müller-Schiel nehmen da mit künstlerischen Mitteln städtebauliche Fehlentwicklungen in den Blick.

Häuser als quatschende Tanten

Aufgelockert werden diese kritischen Arbeiten mit einer Bild-Präsentation von Häusern, deren Fassaden an menschliche Gesichter erinnern. Zwei gegenüberliegende Häuser bekommen beispielsweise den Titel "Die beiden quatschenden Tanten". Der Titel passt, stellt man als schmunzelnder Betrachter fest.

(RP)