1. NRW
  2. Städte
  3. Duisburg

Duisburg: Heiterer Abend in der Alten Dorfschule

Duisburg : Heiterer Abend in der Alten Dorfschule

Besondere Schrullen und skurrile Alltagssituationen gibt es überall: Mit ihrem Programm "Zwischen Broadway und Niederrhein" boten Okko Herlyn und Irina Scholten am Sonntagabend im Kulturtreff Alte Dorfschule eine temporeiche Collage aus Szenen und Songs, Kabarett und Jazz.

"Fragen Sie in Rumeln nie jemand nach dem Weg. Die typisch Rumelner Art der Mitteilsamkeit wird Sie Stunden später mit allem Wissenswerten im Umkreis einer Wäscheleine versorgt haben. Wo die Dorfstraße ist, wissen Sie dann noch nicht", nahm Theologieprofessor und Kleinkünstler Okko Herlyn die angeblichen Marotten der Rumelner auf die Schippe.

"Doch was brauche ich New York, Paris oder Rom. Das Herz hängt am Niederrhein", beteuerten er und die ausdrucksstarke Sängerin Irina Scholten wenig später. Mit ihrer wandelbaren Stimme, mal samtig weich, mal klirrend hoch, gab sie Songs wie "New York, New York" oder "What a wonderful World" eine besondere Note. Bühnenpräsenz bewies Scholten bei gemeinsamen Rezitationen. Der trockenen, satirischen Art von Herlyn verlieh sie einen sentimental verschmitzten Unterton.

"Schleppender Nebel singt seinen Blues", textete das Duo den "Porgy und Bess"-Jazz-Standard "Summertime" poetisch um. Das Publikum musste seinerseits bei der "Chorprobe" lautstark mitwirken. Weiter als über die Stimmprobe "Martha möchte morgens manchmal Marmorkuchen machen" kamen die Zuschauer jedoch nie hinaus. In niederrheinischen Chören stehe "Singen als soziale Möglichkeit" auf dem Programm, erklärte Herlyn, und die Gemeinschaft spiele eine große Rolle. Als Chorleiter gratulierte er den Geburtstagskindern und überbrachte Urlaubsgrüße, bis er schmollend aufgab: "Wir müssen nicht singen. Wir müssen überhaupt nix."

  • Duisburg : Okko Herlyn bekommt Theologiepreis
  • Professionelle Segway Touren erfreuen sich in
    Anmeldung bis Donnerstag : Duisburg Kontor bietet Segway Tour an
  • Über eine Videokamera kann das Zoo-Team
    Tiger-Babies im Zoo Duisburg geboren : „Da geht uns Pflegern einfach das Herz auf“

Jede Menge Gelächter

Das beliebteste Gesellschaftsspiel in der Region sei nicht etwa "Mensch ärger Dich nicht", sondern genau das Gegenteil: Chronisches Genervtsein sei das köstlichste Amüsement. Dabei gebe es feine Steigerungen, erklärte der Kabarettist bissig. "Ja, ich glaub et wohl" sei nur die Grundstufe, gefolgt von "Ja glaub ich et denn." Der absolute Höhepunkt der Erzürnung sei jedoch: "Glaub'se ich war so wat von fertich, glaub'se?". Die Lautstärke des Publikumsgelächters stieg mit seiner Entrüstung.

Der Abend verlief heiter-familiär und bot viel Diskussionsstoff. Rumelner und Kaldenhausener lieben sich?, hinterfragte der Kabarettist. "Kaldenhausener sind doch gar nicht hier", bemerkte eine Dame. Und ein anderer Gast berichtete gar von einer angeheirateten Niederrheinerin: "Dat richtige Erzählen hat die noch nicht raus."

(choe)