Duisburg: Heilige Hallen mit Charme

Duisburg: Heilige Hallen mit Charme

Kicker und Billardtisch mussten weichen. Aus dem ehemaligen Freizeitraum haben die Pädagogen der Rheinhauser Lise-Meitner-Gesamtschule ihr neues Lehrerzimmer gestaltet. Das ist lichtdurchflutet und bietet mehr Platz für das 86-köpfige Kollegium.

Das erste Rätsel geben die Türen auf. Davon gibt es gleich mehrere in der ersten Etage der Lise-Meitner-Gesamtschule an der Lessingstraße. Vom Haupteingang aus hatten drei Papp-Pfeile mit der knappen, aber zweckdienlichen Aufschrift "Lehrerzimmer" den Besucher die Treppe hoch geleitet.

Nun steht er hier — und sieht sich erst einmal ein wenig um. Umzugskartons stapeln sich unter dem Schaukasten, in dem zum Thema "Was ist denn hier los?" allerhand Organisatorisches versammelt ist. Auf die Umzugskisten wurde in dünnen Filzstiftbuchstaben "Lehrerzimmer Ulmenstraße" geschrieben.

Der Besucher tigert zwischen den über Eck nebeneinander liegenden Türen hin und her. Auf beiden Raumschildern steht "Lehrerzimmer". Die Horch-Probe führt nicht weiter, die meisten Lehrer sind in ihren Klassenräumen. Gerade als der Blick des Besuchers auf einen wuchtigen, mit einer Plane verdeckten Billardtisch fällt, öffnet sich die hintere der beiden Türen. Freundliches Grinsen. "Na dann kommen Sie mal herein", sagt Christian Goike.

Zwei schicke, helle Räume

Die Türen-Frage ist im Nachhinein dann auch schnell gelöst. Beide Optionen seien nämlich richtig, sagt Goike, der die Fächer Sport, Technik und Physik in der Sekundarstufe eins unterrichtet.

Das neue Lehrerzimmer verdiene nämlich eigentlich einen Plural. Denn zwei schicke, helle Räume sind es, die, mit einer Türe verbunden, Platz für das 86-köpfige Kollegium bieten. "Wir haben den Umzug bereits vor den Herbstferien hinter uns gebracht", erklärt der Lehrer und führt durch die beiden Räume.

Zuvor hatte das Kollegium zwei Klassenzimmer im Erdgeschoss genutzt. Die werden wegen der steigenden Schülerzahlen aber nun wieder ihrem Ursprungszweck zugeführt. Das neue Domizil hat Charme: Riesige Fensterfronten sorgen für ausreichend Tageslichteinfall, auf der gegenüberliegenden Raumseite sind Schließfächer, in denen persönliche Sachen, Lehrmaterialien oder Pausenbrote aufbewahrt werden.

Große Stellwände organisieren die Hofaufsichten und Vertretungsstunden. "Dafür haben wir eigentlich auch einen Monitor, auf dem wir die Einzelheiten digital einsehen können", sagt Goike. Doch wie das nach einem Umzug nun einmal ist: "Der Bildschirm hängt schon, aber irgendwas mit den Kabeln stimmt wohl nicht."

Auch im zweiten Raum stehen Tischreihen entlang der Fensterfront. Vier Computer bieten unter anderem Zugang zum schuleigenen Intranet. "Es gibt allerdings noch einen zusätzlichen Arbeitsraum im Keller. Hier ist ja meist viel Trubel, und dann können sich die Kollegen nicht konzentrieren", sagt Schulleiter Jürgen Petrasch.

Bis zur Tür — und nicht weiter

Wuselig ist es tatsächlich, als der Gong zur großen Pause ertönt. In der Küche, in der jeder mal ein Pfund Kaffee und eine Tüte Milch mitbringt (Goike: "Das halten wir ganz locker"), wird die Spülmaschine angeworfen, Butterbrote ausgepackt, geplaudert.

Und dann kann man es doch noch beobachten, das Phänomen des unbetretbaren Raumes: Ein Schüler klopft an die (zweite) Türe, möchte irgendetwas wissen, mit irgendwem sprechen.

Er ist, wie Schüler mit 13, 14 Jahren eben sind, sehr aufgeregt, sehr laut — doch trotz geöffneter Türe übertritt er nicht einmal mit der Spitze seiner Turnschuhe die Schwelle zum Lehrerzimmer. Heilige Hallen eben.

"Das ist ein vertraulicher Raum, in dem vertrauliche Gespräche geführt werden und vertrauliche Materialien herumliegen", fasst Schulleiter Petrasch das Magische logisch zusammen. Denn trotz der "gänzlich unhierarchischen Atmosphäre im Lehrerzimmer" gelte für Schüler bis in alle Zeit: Wir müssen leider draußen bleiben.

(RP)