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Duisburg: Heilige Barbara krönt Kohle-Ausstellung

Duisburg : Heilige Barbara krönt Kohle-Ausstellung

Mit einer faszierenden, facettenreichen Schau beteiligt sich das Museum DKM an dem städteübergreifenden Projekt "Kunst und Kohle". "Die schwarze Seite" ist ein wahrer Diamant, der auch neues Publikum ins Museum locken dürfte.

Überwältigend war die Resonanz, als das Museum DKM vor einigen Monaten über die Tageszeitungen (auch über die RP) Leser dazu aufrief, private Barbara-Figuren für ein einzigartiges Ausstellungsprojekt als Leihgaben zur Verfügung zu stellen. "Uns wurden viel mehr Barbara-Figuren angeboten, als wir ausstellen können", sagte gestern Museumsmitbegründer Klaus Maas bei der Pressevorbesichtigung der Ausstellung "Die schwarze Seite".

Wie 16 andere Ruhrkunstmuseen beteiligt sich das private Museum DKM an dem städteübergreifenden Ausstellungsverbund "Kunst und Kohle", bei dem das Ende des Steinkohlebergbaus zum Ende dieses Jahres auf unterschiedliche Weise thematisiert wird. Die Schau im Museum DKM fasziniert durch ihren Facettenreichtum. Auf überzeugende Weise werden künstlerische, menschlich-soziale und ökonomische Aspekte zusammengebracht. Diese Kohle-Ausstellung ist ein wahrer Diamant!

Zurück zur Heiligen Barbara: Die Künstlerin Claudia Terstappen schuf mit den erbetenen Leihgaben eine Art Altar mit der multiplizierten Schutzpatronin der Bergleute. Die halbkreisförmig angeordneten Skulpturen werden von 100 ausgedienten Grubenhelmen, an denen sich jeweils eine kleine Lampe befindet, von oben angestrahlt. Ergänzt wird die Rauminstallation durch eine lange Tischtafel, gedeckt mit Porzellantellern, auf denen Porträts von Bergleuten der letzten Schicht in der Zeche Rheinpreussen, Moers, verewigt sind. Vielleicht erkennt sich der ein oder andere, nun rund 75 bis 80 Jahre alten ehemaliger Bergmänner auf einem der Teller wieder? Claudia Terstappen macht mit ihrer eindrucksvollen und menschlich berührenden Arbeit die Heilige Barbara gewissermaßen zur Schirmherren der DKM-Ausstellung. Der Künstlerfotograf Götz Diergarten zeigt Aufnahmen aus Duisburger Zechensiedlungen. Die ausschnitthaften Aufnahmen des Becher-Schülers betonen das Individuelle im Uniformen der Siedlungsbauten, die ihre eigene Ästhetik haben.

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Zum ersten Mal hat sich der Maler Sven Drühl, der seit vielen Jahren mit den Sammlern und Museumseignern Klaus Maas und Dirk Krämer künstlerisch-beruflich verbunden ist, auf eine Auftragsarbeit eingelassen. Drühl malt für die Ausstellung einfarbige tiefschwarze Bilder, deren Motive durch pastose Linienführung dennoch gut erkennbar sind, wobei die Beleuchtung der Werke eine wichtige Rolle spielt. Die Leinwand habe er mit vielen Litern Ölfarbe getränkt, berichtete Drühl gestern.

Zu den handfesten Höhepunkten der Schau gehört eine ebenfalls speziell für diese Ausstellung realisierte Arbeit von Thomas Virnich: Auf Anregung von Klaus Maas schuf Virnich ein überlebensgroßes, stilisiertes Pferd mit Bergmann aus schwarz eingefärbter Pappmaché. Das Werk ist ein Denkmal für Tobias, dem letzten Grubenpferd, das 1966 aus 700 Meter Tiefe zutage gebracht wurde, wo es fortan ein friedvolles Rentnerdasein führen durfte.

Zu den wunderschönen Ruhepunkten der Ausstellung gehört der Raum, den die Lyrikerin und Grafikerin Barbara Köhler gestaltet hat. In freien Rhythmen kommt sie über den mythologischen Fluss Lethe, über den man in die Unterwelt gelangt, zum Thema der Ausstellung. Die Schrift, Schwarz auf Schwarz, liest man auf einem flözähnlichen Streifen, der sich an den Wänden des gesamten Raums entlangzieht.

Zu den meditativen Höhepunkten der Ausstellung, über die man noch viele Zeilen schreiben könnte, gehören die drei Kreise von Richard Long: einer aus Holz, einer aus Kohle und einer aus Holzkohle, die Klaus Maas und Dirk Krämer in tagelanger Arbeit rekonstruiert haben. So etwas kann man nur leisten, wenn man es mit Leidenschaft macht.

Ausstellung bis 16. September. Anschrift: Güntherstraße 13-15 (Nähe Hauptbahnhof). Weitere Infos unter www.museum-dkm.de oder Tel. 0203/ 93555470.

(pk)