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Duisburg: Haus mit Kindern zu vermieten

Duisburg : Haus mit Kindern zu vermieten

Der Kinder- und Jugendhilfeverbund Rheinland setzt in Duisburg ein Pilotprojekt um. In Ungelsheim baut der Verein ein Haus, in das eine Betreuerfamilie zusammen mit fünf Kindern aus schwierigen Verhältnissen einziehen soll.

Ungelsheim Es ist eine Stellenanzeige der ganz besonderen Art, auf die der Kinder- und Jugendhilfeverbund Rheinland (kjhv) qualifizierte Bewerber sucht. Gesucht wird eine "unkaputtbare Familie" mit sozialpädagogischem Hintergrund und eigenen Kindern. Geboten wird ein gerade erst gebautes Doppelhaus mit Garten in Ungelsheim.

Der "Haken": Zusammen mit dem Haus und der Stelle als Sozialpädagoge gibt es bis zu fünf verhaltensauffällige Kinder und Jugendliche, die in der anderen Hälfte des Hauses wohnen und die es in die eigene Familie zu integrieren gilt.

"Wir haben hier keinen Job zu vergeben, sondern eine Lebensweise", erklärt Peter Horn vom kjhv das Duisburger Pilotprojekt, das gerade in der Entstehungsphase ist. Der Verein, der seit 2006 in Duisburg ansässig ist und seitdem in Zusammenarbeit mit dem Duisburger Jugendamt ambulante und stationäre Hilfen für Familien und Jugendliche bietet, lässt zurzeit das 300 Quadratmeter große Haus in Ungelsheim bauen. Im Frühjahr nächsten Jahres soll es bezugsfertig sein.

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Fehlt nur noch eine Betreuerfamilie. "Darum, nicht genug Kinder zu finden, die hier einziehen sollen, machen wir uns keine Sorgen", so die Projektverantwortliche Ulrike Neerfeld. "Seit 2006 hat sich die Zahl der Fälle, die wir in Duisburg betreuen, von 30 auf 130 erhöht. Der Bedarf ist groß."

Die Kinder und Jugendlichen, die in das Haus einziehen sollen, bekommen die Chance, außerhalb ihrer eigenen Familie, in der sie situationsbedingt (zum Beispiel durch Missbrauch, körperliche Gewalt, Alkoholprobleme der Eltern) nicht mehr leben können, in eine funktionierende Familie integriert zu werden. "Das Projekt ist auf Dauer angelegt, sprich die Kinder und Jugendlichen sollen hier wohnen und leben, bis sie volljährig sind", so Horn.

Ziel sei es, keine wechselnden Pflegekinder zu betreuen, sondern ein familienähnliches Umfeld zu schaffen. "Der Betreuerfamilie werden Zusatzkräfte zur Seite gestellt, damit sie sich auch mal eine Auszeit nehmen kann. Im Grunde genommen ist das aber ein 24-Stunden-Job, so wie es die eigenen Kinder eben auch sind", erläutert Neerfeld. Die Betreuerfamilie hat eine Hälfte des Hauses für sich.

Die andere Hälfte teilen sich die Schützlinge. "Jeder hat sein eigenes Zimmer und genug Rückzugsmöglichkeiten", so Horn. Dennoch sei es keine leichte Aufgabe. "Wir suchen eine unkaputtbare Familie mit viel Erfahrung. Wir hatten schon einige Bewerber, allerdings war die passende Familie noch nicht dabei", sagt Horn. Berufsanfänger beispielsweise seien nicht geeignet. Sollte die passende Familie nicht gefunden werden, könnte das Haus als Wohngruppe mit Betreuern im Schichtdienst genutzt werden.

(RP/rl)