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Haus Doorn: Wie Kaiser Wilhelm II. Holz hackte im Exil

Duisburger Geschichten und Geschichte : Wie Kaiser Wilhelm II. Holz hackte im Exil

Eine Tagestour von Duisburg nach Doorn in der Nähe von Utrecht lässt deutsche Geschichte und das Leben Kaiser Wilhelms II. im Exil lebendig erscheinen.

Haus Doorn wurde bekannt als Residenz des letzten deutschen Kaisers, Wilhelm II. Eine widersprüchliche Persönlichkeit, die das Wilhelminische Zeitalter prägte. Nach der Niederlage Deutschlands im Ersten Weltkrieg und der Novemberevolution floh Wilhelm in das neutrale Holland, das ihm Asyl gewährte. Er wurde zeitweilig im Schloss Amerongen untergebracht und erwarb am 16.8.1919 Haus Doorn käuflich. Allerdings durfte er sich nur in einem Radius von 15 Kilometern rund um das Anwesen bewegen.

1920 erfolgte der Umzug und die Einrichtung der Innenräume. Die stammte aus dem Berliner Stadtschloss, Schloss Bellevue, Charlottenburger Schloss und dem Neuen Palais in Potsdam. Der deutsche Finanzminister Albert Südekum erteilte 1919 die Freigabe „für die Einrichtung der kaiserlichen Wohnung“. Der Transport erfolgte mit 59 Eisenbahnwaggons nach Holland. Die Verbindung zu Eduard von der Heydt, Bankier und renommierter Kunstsammler, mag bei den Finanztransfers recht nützlich gewesen sein. Die üppige Finanzausstattung erlaubte es zudem, Haus Doorn zu modernisieren, mit höchstem Komfort auszustatten und einen Hofstaat zu unterhalten.

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Auf den Besucher wirken die Räume so, als sei die Zeit stehengeblieben.  Praktisch alle Einrichtungsgegenstände sind noch so vorhanden wie vor 80 Jahren. So hängt zum Beispiel im Arbeitszimmer noch der Kalender aus dem Jahr 1941, dem Jahr, in dem der Kaiser starb. Die ursprüngliche Einrichtung vermittelt einen authentischen Eindruck fürstlicher Wohnkultur: Gemälde, kaiserliches Geschirr, luxuriöses Silber, Bücher in Vitrinen, Möbelstücke, Stehpult und ein Reitsattel, der als „Kaiserstuhl“ bei der Erledigung der Briefkorrespondenz diente. Das Badezimmer mit Waschtisch und Geschirr sowie das blau und gold glasierte und in einem Schrank verborgene Toilettenbecken zeigen, dass der Ex-Kaiser fürstlichen Luxus und Hygiene schätzte. 

 Das Esszimmer wirkt beeindruckend. Wer aufmerksam das Gedeck anschaut, entdeckt eine ungewöhnlich gestaltete Gabel. Wilhelm hatte seit seiner Geburt einen gelähmten linken Arm. Die markante Gabel hat an der linken Seite Zähne, das erlaubte ihm das Teil als Gabel und als Messer zu nutzen. Nach dem Essen zogen sich die Männer ins Rauchzimmer zurück, um eine Zigarre oder Zigaretten zu rauchen, während es sich die Damen im Gelben Salon bequem machten. Das Rauchzimmer wurde für den Austausch erzkonservativer Ideen genutzt. Der Traum von einer deutschen Monarchie war noch präsent und verband sich mit einem wirren Nationalismus und Realitätsverlust. Fakt ist, das Wilhelm II. sich auch in seiner Korrespondenz radikal antisemitisch und antidemokratisch äußerte.

Außerhalb des Gebäudes gibt es weitere interessante Objekte und anekdotische Informationen. Jeden Morgen fuhr der Kaiser um 9 Uhr in den Wald zum Holzsägen. Sägen oder Holzhacken wurden zur Passion. Wilhelm II. war auch ein wahrer Hundeliebhaber. Das belegt ein Denkmal für seine drei geliebten Dackel, die unter kleinen Grabsteinen auf dem Rasen neben dem Haus begraben sind. Für Freunde der Gartenkunst empfiehlt sich ein Spaziergang im Auguste-Viktoria-Garten. Bei der Eröffnung des Rosengartens war seine Gemahlin, die ihm sieben Kinder gebar, nicht mehr zugegen. Sie hatte ihrem Gatten lange ihre angeschlagene Gesundheit verheimlicht und verstarb am 11.4.1921. Eineinhalb Jahre später heiratete Wilhelm II. die verwitwete Prinzessin Hermine von Schönaich-Carolath. Offiziell war Hermine nie Kaiserin, aber sie ließ sich gerne so anreden und träumte wohl auch von der Rückkehr der Monarchie. Sie überlebte ihren Gatten um sechs Jahre und wurde in Potsdam beigesetzt im gleichen Antikentempel, in dem auch die sterbliche Hülle ihrer Vorgängerin Auguste Victoria ruhten.

Der 82-jährige Wilhelm II. starb am 4. Juni 1941 in Doorn und wurde auf eigenen Wunsch in einem Mausoleum im Park beigesetzt.  Besucher des Parkes können durch die Fenster des Mausoleums den Sarg sehen. Das Mausoleum ist der einzige Teil im Park, der nicht vom niederländischen Staat 1945 konfisziert worden war. Die Niederländer ließen im Übrigen die Erben des Kaisers, die weiterhin Entschädigung forderten, abblitzen. Gut nachvollziehbar – Wilhelm II. bejubelte einst die Siege der Wehrmacht und gratulierte Hitler zu seinen Erfolgen.