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Hans und Renate Zolopa und ihr Gnadenhof in Rheinhausen

Rheinhauser Rheinvorland : Ein tierisches Zuhause auf dem Gnadenhof

Hans und Renate Zolopa beherbergen zurzeit 280 Pferde, Schafe, Gänse, Enten und Katzen.

Es ist Winter. Am Ufer ist es kalt, in der Nacht friert es. Die Pferde stehen auf der Weide, warm gekleidet in Pferdedecken. Katzen liegen eingerollt im kuschligen Katzenkorb. Es ist ein Ort der Wärme, an dem sich die Tiere aufhalten. Eine Wärme, die sie jahrelang vermisst haben. Der Tiergnadenhof liegt direkt am Rhein. Seit mehr als 20 Jahren ist der Hof eine Institution. Gegründet wurde der Tiergnadenhof von Hans und Renate Zolopa. „Damals begann alles mit der Reitbeteiligung unserer Tochter Anna“, erinnert sich Hans. Mit ihrer Tochter stiegen sie in den hiesigen Hofbetrieb ein.

Hans wurde auf dem Land groß, erlebte Tiere von Kindesbeinen an. „Ich arbeitete auf Montage, aber die Liebe zu Tieren hat mich nie losgelassen“, sagt er. Als er ins Rentenalter kam, hatte er Zeit. Zeit, um Tieren zu helfen. Zwei Höfe bauten die Zolopas auf. „Hier, an der Fährstraße, war früher ein Hof, auf dem Ponys nur als Geldmaschine zum Reiten genutzt wurden“, sagt Hans. Tausende Euro habe er damals allein für die Mist-Entsorgung ausgegeben. Heute blickt der 79-jährige an selber Stelle auf seinen Hof. 5000 Quadratmeter Fläche, 16 Hektar Weide, 46 Pferdeställe; die Zahlen zeigen, wie viel Herzblut und Logistik im Hof steckt.

Hans Frau Renate kümmert sich ums Schriftliche, ordnet die Geschichten hinter den Tieren. „280 Tiere sind momentan bei uns zu Hause“, so Hans. Pferde, Schafe, Gänse, Enten und Katzen leben hier. 30 bis 40 Tiere retten die Zolopas im Jahr. „Jeden Tag rufen Leute an, melden Missstände.“ Mal ist es das Veterinäramt, mal sind es Nachbarn, die bei der Tierhaltung negative Beobachtungen machen. Tiere stehen im eigenen Kot, sind verwundet, bekommen nichts zu essen und zu trinken. Oft komme man nur über einen Vorwand in die Ställe.

Gerade nach Weihnachten gibt es ein großes Problem: „Leute werfen die Tiere einfach bei uns über den Zaun.“ Erst kürzlich habe dort eine Kiste mit vier Hasen gestanden. Ein Happy-End hat die Geschichte vom Mini-Pony Leopold: Eingeengt und verängstigt stand das kleine Tier im Stall. Heute spielt es glücklich auf der Weide am Rhein. „Die Pferde kommen nicht nur aus Duisburg. So etwas passiert überall. Oberhausen, Dorsten, Aachen – auch dort fahren wir hin“, so Hans. Neben Pony Leopold steht Rita. 50 Jahre alt ist das Mini-Pony und damit das älteste Tier auf dem Hof. Unweit der weitläufigen Weideflächen hat Zolopa ein Katzenhaus gebaut: „Nach dem Brand vor einem Jahr war vieles zerstört. 70.000 Euro hat der Wiederaufbau gekostet.“ Zu stemmen ist das nur mit Helfern. Alle sind mit Herz dabei: Acht Jobber, zehn Ehrenamtliche und 30 Jugendliche helfen vor Ort. Darunter sind straffällige Jugendliche, die ihre Sozialstunden ableisten. Gerade im Winter braucht es helfende Hände, Wasserleitungen platzen, frisches Wasser muss in die Tränken gefüllt werden. Sorgen machen den Zolopas die Heupreise: „Ein Heuwürfel kostet 130 Euro, wir benötigen anderthalb pro Tag.“ Spenden und der Kontakt zu Landwirten helfen „Wir gehen aber ausdrücklich nicht an Türen zum Spendensammeln.“

Naturbursche Hans wird im Februar 80 Jahre alt. Weitermachen ist seine Devise. Dabei hat er einen großen Wunsch. „Tiere sollten so behandelt werden, wie wir auch behandelt werden möchten. Wenn jeder hinschaut und Tiere nicht als bloßes Vieh sieht, ist die Welt ein besserer Ort.“

(lw)