Hans-Joachim Paschmann ist seit zehn Jahren Bezirksbürgermeister

Bezirksbürgermeister Hans-Joachim Paschmann : „Die Kandidatur war meine Reha“

Hans-Joachim Paschmann besiegte den Krebs und ist nun schon seit zehn Jahren Bezirksbürgermeister von Homberg, Ruhrort und Baerl. Für eine weitere Kandidatur wäre er bereit – noch ist aber nichts entschieden.

Hans-Joachim Paschmann zeigt stolz sein Arbeitszimmer im Bezirksrathaus Homberg: „Es ist renoviert. Die Wände sind gestrichen, ein neuer Fußboden wurde verlegt. Nur die Gardinen müssen noch gewaschen werden.“ Seit zehn Jahren ist das Büro sein „Reich“. Bei der Kommunalwahl 2009 trat er als Spitzenkandidat der SPD Homberg/Ruhrort/Baerl für das Amt des Bezirksbürgermeisters an, schaffte den Sprung allerdings nicht ohne Unterstützung der Grünen und der Linken.

2020 steht erneut die Kommunalwahl an. Inzwischen kursieren Gerüchte, ob Hans-Joachim Paschmann erneut für die Position als Bezirksbürgermeister in den Wahlkampf zieht. Er setzt den Munkeleien einen Riegel vor: „Ich wäre offen für eine neue Kandidatur. Am 12. Oktober gibt es ein Seminar der Bezirksfraktion. Wir werden dann überlegen, was wir in den nächsten fünf Jahren machen wollen. Nach dieser Sitzung werden wir uns mit den Kandidaten beschäftigen.“

Eine bewegte Zeit hat der heute 72-Jährige inzwischen hinter sich, prägte und erlebte vielerlei Änderungen für den Bezirk mit. Am 1. Januar 1997 trat er in die SPD ein. Treu war er der Partei von jeher: „Ich habe immer SPD gewählt.“ Als der gelernte Mess- und Regelmechaniker 1975 zu den damaligen Stadtwerken (heute Duisburger Verkehrs- und Versorgungsbetriebe/DVV) wechselte und im Kraftwerk Innenstadt als Werkstattleiter tätig war, arbeitete er in der dortigen SPD-Betriebsgruppe mit, wurde deren Vorsitzender.

Sein Eintritt in den SPD-Ortsverein fußte auf der Erkenntnis, dass er künftig mehr Zeit haben würde, sich zu engagieren. Hans-Joachim Paschmann: „Ich wollte im Ortsverein Homberg aktiv sein, aber nichts werden.“ Nun, zunächst war er stellvertretender Organisationsleiter, dann Organisationsleiter, erst stellvertretende Vorsitzende und schließlich Vorsitzender.

Seit 2002 fungierte er als Kontaktmann zwischen Ortsverein und Fraktion, wurde 2004 erstmals in die SPD-Bezirksfraktion gewählt. „Ich bin damals gefragt worden und habe mich mit meiner Frau besprochen“, erinnert sich Paschmann, der schon in seinem Berufsleben seit vielen Jahren Gewerkschaftsmitglied (IGBCE, IG Chemie, ÖTV, später Verdi) war und noch heute als Rentner der IGBCE-Ortsgruppe Homberg angehört.

Bei der Kommunalwahl 2009 trat er erstmals als Spitzenkandidat für das Bezirksbürgermeisteramt an. „Es war eine Absprache mit dem Ortsvereinsvorsitzenden Mahmut Özdemir und seinem Stellvertreter Udo Vohl“, erinnert sich Paschmann und verrät: „Die Kandidatur war meine Reha.“ 2008 war er an Krebs erkrankt, hat sich aber trotzdem in den Wahlkampf „gestürzt“ und auch den damaligen Oberbürgermeisterkandidaten Jürgen C. Brandt (bis 2006 Stadtdirektor der Stadt Duisburg) unterstützt. Einfach war für ihn die Zeit der Erkrankung nicht. „Manche Menschen werden depressiv. Ich habe damals im St. Anna Krankenhaus auf der dritten Etage gelegen und oft überlegt, ob ich runterspringen soll“, erinnert Hans-Joachim Paschmann an den Kampf gegen den Krebs. Davon abgehalten haben ihn letztlich die Gedanken an seine Frau, an den Sohn und an die beiden Enkel sowie die positive Einstellung: „Man kann nur nach vorne gucken und nicht mehr zurück.“

Geschickte Verhandlungen brachten dem Sozialdemokraten letztlich das Amt des Bezirksbürgermeisters ein. Das Wahlergebnis sprach nämlich dagegen: acht Sitze für die CDU und sieben Sitze für die SPD. Eine große Koalition mit der CDU und mit Klaus Radny als Bezirksbürgermeister wollte Hans-Joachim Paschmann nicht eingehen. Er sprach mit den Grünen, der FDP und vor allem auch mit den Linken. Den Linken sagte er zu, dass der Fußballplatz an der Halener Straße als geplantes Baugebiet bis 2014 ruht – und bekam die nötigen Stimmen.

„Die Rot-Grüne-Kooperation hält seit 2009 und klappt gut“, freut sich Paschmann, der seit 2002 an verschiedenen runden Tischen mitarbeitet und seit 1997 Mitglied bei der Awo ist und deren Veranstaltungen besucht. Ein wichtiges Thema sind für den Bezirksbürgermeister die sechs Hochhäuser in Hochheide, von denen drei jeweils 120 und die weiteren drei jeweils 160 Wohneinheiten haben. „Das erste Hochhaus ist im Frühjahr diesen Jahres gefallen“, ist Paschmann froh: „Alle Eigentümer haben mitgemacht. Mit ihnen wurden gute Konzepte erarbeitet.“ Alle sechs Hochhäuser stehen in einem Sanierungskonzept. Der Satzungsbeschluss sieht vor, dass alle Hochhäuser vom Markt genommen werden und auf der Fläche ein grüner Park entsteht. Dafür bekommt die Stadt Fördermittel in Höhe von 21 Millionen Euro und trägt zusätzlich einen Eigenanteil von sieben Millionen Euro. Hans-Joachim Paschmann: „Momentan wird geprüft, ob der Satzungsbeschluss ein kleines Café in dem Park erlaubt.“

Die Häuser Ottostraße 24 bis 30 werden in 2020 gesprengt, die Häuser Ottostraße 54 bis 56 werden bis Ende des Jahres leergezogen. Die Hochhäuser, davon ist der Bezirksbürgermeister überzeugt, sind auch in den nächsten fünf Jahren ein Thema, ebenso wie der Abschluss des Gewerbegebietes Rheindeichstraße. Weitere Schwerpunkte: Offenlegung der Baugebiete Halener Straße und Schwarzer Weg, die Bebauung des früheren Friedhofsgärtnereigeländes an der Prinzenstraße, das Bauvorhaben der Evangelischen Kirche an der Bonhoeffer Straße, die Belebung der Moerser Straße speziell im Bereich des Leerstands.

Und noch etwas liegt dem Sozialdemokraten am Herzen. Er möchte gerne junge Leute für die Politik begeistern, sieht aber die Schwierigkeit, dass sie ein solches Engagement zeitlich nur schwer mit Familie und Beruf unter einen Hut bekommen. Allein die Bezirksausschuss-Sitzungen beginnen bereits um 16 Uhr, meistens gehen ihnen Zusammenkünfte der Fraktion voraus. Als Bezirksbürgermeister hat Hans-Joachim Paschmann einen Full-Time-Job, 50 bis 60 Stunden ist er in der Woche unterwegs, Einladungen zu Veranstaltungen, Bürgersprechstunden, Sitzungen und vieles mehr. Selbst am Wochenende gibt es selten eine Verschnaufpause. „Dann wollen sowieso alle den Bezirksbürgermeister haben“, lacht der erste Repräsentant von Homberg, Ruhrort und Baerl.

Die Bezirksvertretungen der Stadt Duisburg kümmern sich um die Politik „vor Ort“. In den sieben Stadtbezirken Walsum, Hamborn, Meiderich/Beeck, Homberg/Ruhrort/Baerl, Mitte, Rheinhausen und Süd sorgen sie für mehr Bürgernähe in der Kommunalpolitik und gewähren eine eigene Volksvertretung in den Stadtteilen. Die Bezirksvertretung kann dem Rat oder seinen Ausschüssen Anregungen geben und Vorschläge machen. Außerdem muss der Rat die Bezirksvertretung in allen wichtigen Angelegenheiten des Bezirks vor einer Entscheidung anhören. In Duisburg haben die sieben Bezirksvertretungen jeweils 17 Mitglieder, die in der Regel öffentlich unter dem Vorsitz des Bezirksbürgermeisters beziehungsweise der Bezirksbürgermeisterin tagen.

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